Reisetagebuch


Woche 2


 

Tag 8: 02.03.2014

 

Heute hieß es erneut: Höhenluft schnuppern. Um 9.30 Uhr ging es weiter in das Anti-Atlas-Gebirge. Unser Weg führte uns erneut durch karge, nur wenig besiedelte, jedoch atemberaubend schöne Landschaft. Stets die steilen Felswände des Atlas-Gebirges im Rückspiegel führte uns unser Weg bis hinauf auf 1.800m.

In den, am Berg gelegenen, winzigen Dörfern trafen wir auf jede Menge Kinder, die sich riesig über unsere mitgebrachten Spielsachen freuten. Auch die Eltern waren dankbar über die mitgebrachte Kleidung. Wir waren äußerst glücklich ihnen durch diese Dinge eine Freude bereiten zu können.

Bei der Fahrt zurück ins Tal fanden wir einen kleinen neuen Besitzer für eines unserer beiden mitgebrachten Kinderfahrräder. Nachdem wir sahen, wie ein kleiner Junge neben seinem, auf dem Fahrrad sitzenden, Vater den Berg hoch rannte, war schnell entschieden, dass wir ihm eines unser Fahrräder schenken wollten. Vater und vor allem Sohn war überglücklich darüber. Voller Stolz über sein neues Fahrrad, schwang sich der Junge auf den Sattel und sauste den Berg hinunter in sein Dorf.

In Tafroute machten wir Rast, um uns in einem kleinen Hinterhofrestaurant zu stärken. Überfordert mit der Größe unserer Gruppe bekamen wir einen bunten Mix aus verschiedenen marokkanischen Mahlzeiten auf großen Platten serviert, von denen sich jeder das Gewünschte nehmen konnte. Anschließend legten wir noch einmal einen kurzen Halt bei den berühmten blauen Steinen von Aguerd-Oudad ein, um die abstrakte Kunstlandschaft zu besichtigen und sie mit vielen Fotos festzuhalten. Da die Sonne jedoch bereits tief am Horizont stand, brachen wir bald wieder auf, um die weiteren 170 km unser Etappe zu überwinden. Eine unplanmäßige Umleitung auf dem Weg zu unserem Zwischenziel, der Stadt Tiznit, warf uns in unserem Zeitplan wieder einmal nach hinten. Der neue Weg führte uns über steile Berghänge, bei denen unsere Autos an ihre Grenzen stießen. Im ersten Gang schafften es jedoch alle Autos über die steilen Bergpässe. Die darauf folgende Abfahrt hatte es in sich: so steil wie es zuvor nach oben ging, ging es nun hinunter. Links die steile Felswand, rechts der tiefe Abgrund.

Im Dunkeln und bei einsetzendem Regen kamen wir letztendlich bei unserem Camingplatz, kurz nach Tiznit, an.


 

Tag 9: 03.03.2014

 

Nach einem kurzen gemeinsamen Frühstück an der am Campingplatz nahegelegenen Strandpromenade machten wir uns heute auf den Weg zum 540 km entfernten Beduinen-Camp in der Westsahara. Wir starteten bei bewölktem Himmel und kühlem Wind in Richtung Süden hinweg über die inoffizielle Grenze der Westsahara. Fortan kamen wir verstärkt in Polizeikontrollen. Anders als bei den bisherigen Polizeikontrollen, bei denen wir stets durchgewunken wurden, mussten wir bei diesen jedes Mal anhalten. Dank unserer guten Vorbereitung, hatte jedes Auto genügend Teamauskünfte, auf denen unter anderem die Reisepassnummer, das Kennzeichen und die Fahrzeugidentifikationsnummer standen, mit bei sich. Durch diese kamen wir recht zügig und problemfrei an den zahlreichen Kontrollen vorbei.

Unser Weg durch die Westsahara führte uns nun durch eine karge Wüstenlandschaft. Auch der Wind wurde immer stärker, so dass sich des Öfteren Sanddünen ihren Weg über die Straßen bahnten.

Gegen 21 Uhr bogen wir zum Beduinen-Camp, unserem heutigen Schlafplatz, in einen schmalen Pfad von der Straße ab. Der 4,5 km lange Pfad dorthin bescherte uns und unseren Fahrzeugen die erste richtige Offroad-Erfahrung. Der Wind tobte mittlerweile gewaltigt und wirbelte eine Menge Sand umher. Beim Camp angekommen, stellten wir unsere Autos ab und nahmen zusammen in einem kleinen Beduinenzelt platz. Gemeinsam saßen wir, mit zuvor abgelegten Schuhen, auf Bodenmatten um drei kleine Tische herum. Zum Highlight des Abends gab es Kamelfleisch als Mahlzeit. Es schmeckte außergewöhnlich, aber äußerst lecker. Gesättigt von der reichhaltigen Mahlzeit gingen wir in unsere Autos, in denen wir noch lange Zeit den Sturm um uns peitschen hörten.


 

Tag 10: 04.03.2014

 

Gestärkt von einem üppigen Frühstück und einer Salzwasserdusche im Beduinen-Camp ging es erneut über den holprigen Pfad zurück auf die Hauptstraße in Richtung Dakhla. Je weiter wir auf unserer Route voran kamen umso mehr legte sich nun der Wind.

Freundlicherweise wurden wir vom Besitzer des Beduinen-Camps darauf hingewiesen, dass auf unsere Strecke häufig Geschwindkeitsmessungen durchgeführt werden. Nach dieser Information beachteten wir strikt die Geschwindigkeitsbegrenzungen und hielten Aussicht nach Kontrollen, die wir auch regelmäßig fanden. Wie am Tag zuvor passierten wir wieder zahlreiche Polizeikontrollen, die absurder Weise zum Teil im Abstand von 200 m aufeinander folgten.

Bei einem kurzen Stopp nach einer Polizeikontrolle fiel Team 4 auf, dass die Außenverkleidung der Beifahrertür ihres Renault Espace (genannt "Emil") sich gelöst hatte. Nach kurzer Besprechung in fachmännischer Runde, wurden kurzerhand zwei Blechschrauben in die Tür geschraubt, um die Verkleidung zu fixieren. Überaus zufrieden mit dem Resultat der kurzen Bastlerei konnte die Fahrt auch schon weiter gehen.

Auf etwa der Hälfte der Etappe legten wir eine kurze Rast in einer kleinen Stadt (die jedoch eine sechs-spurige Hauptstraße hatte) ein. Wir fanden ein kleines Restaurant am Straßenrand, bei dem wir das einzig vorhandene Gericht bestellten: Fisch mit Beilage (Reis oder Pommes). Leider konnte uns diesmal das Essen nicht ganz so überzeugen.

Auf der weiteren Strecke durch die Westsahara kamen wir an zahlreichen umherlaufenden Kamelherden vorbei. Als wir anhielten, um eine Herde zu fotografieren, überquerten sie direkt vor unseren Fahrzeugen die Straße. Dabei entstanden super Bilder! Fasziniert und voller Euphorie setzten wir unsere Fahrt fort, um noch bei Tageslicht auf unserem nächsten planmäßigen Campingplatz (kurz vor Dakhla) anzukommen. Doch unser Plan wurde wieder einmal durchkreuzt. Dieses Mal war jedoch kein Fahrzeug dafür verantwortlich, sondern die bildschöne Steilküste der Westsahara, die parallel zu unsere Straße verlief. An einer Stelle, an der die Küste langsam abzubrechen begann, entstanden nochmals tolle Bilder zur Erinnerung.

Kurz nach Einbruch der Nacht erreichten wir unseren Campingplatz. Aufgrund des anhaltenden starken Sturms beschlossen wir das Abendessen in einer kleinen überdachten Nische des Campingplatzes abzuhalten. Mit wunderbaren, neu eingekauften, Gewürzen zauberte Jacob uns ein fabelhaftes Essen. Da nicht alle unserer Gruppe Zugang zum Internet haben, lasen wir im Anschluss vor versammelter Runde die Gästebucheinträge unserer Homepage vor. An dieser Stelle vielen, vielen Dank für die lieben Einträge. Wir freuen uns sehr über das durch und durch positive Feeback.


 

Tag 11: 05.03.2014

 

Vor der Einreise nach Mauretanien und somit einen Tag vor unser viertägigen Wüstenetappe, legten wir einen Ruhetag zur Vorbereitung ein. Nach einem gemeinsamen Frühstück fuhren wir zunächst zu einer Tankstelle, um alle Autos inklusive Reservekanister aufzufüllen. Überfordert mit dem großen Andrang, sorgten wir um die Tankstelle für ein kleines Verkehrschaos. Nachdem wir alle Autos schließlich vollgetankt und 500 Liter Benzin und Diesel als Reserve auf sowie in den Autos verstaut hatten, hieß es: genügend Wasser für die anstrengende Tour durch die Wüste einzukaufen. Pro Auto kauften wir hierfür 50 Liter Trinkwasser ein.

Da sich bei den drei VW-Bussen der Ölwannenschutz während der Fahrt gelockert hatte (da die Schrauben abgebrochen waren), mussten sich die drei jeweiligen Teams eine Werkstatt suchen, um diese wieder befestigen zu lassen. Nach viel Improvisation und einer langen Mittagspause seitens der Werkstattmitarbeiter, dauerte dies sechs lange Stunden. Nach einem langen Tag für die Vorbereitungen in Dakhla, gingen wir zurück zum Campingplatz, auf dem wir zudem das für die Wüste benötigte Nutzwasser in Kanister abfüllten.

Nachdem auch die persönlichen Dinge gerichtet waren, fuhren wir gemeinsam nochmals in die Stadt und gönnten uns ein letztes Mal marokkanische Spezialitäten als Abendessen. Team 6 (Pete und Hannah) gesellten sich etwas später dazu, da sie noch eine Verabredung mit einem kleinen Jungen hatten, den sie am Mittag in der Stadt getroffen hatten. Dieser war ein großer Fußballfan, besonders von der deutschen Bundesliga und hatte am Mittag gesehen, wie wir einen Bundesliga-Ball verschenkt hatten. Da wir am Mittag jedoch leider nur einen Ball dabei hatten, hatte Pete ihm versprochen einen für ihn zu besorgen. Am vereinbarten Treffpunkt angekommen, wartete der Junge bereits sehnlichst auf Team 6 mit dem Bundesliga-Ball. Der Junge freute sich so sehr über den Ball, dass er Pete ebenso ein Geschenk (ein traditionelles Wüstengewand und einen kleinen Zettel mit einer Danksagung) übergab.

Nach dem marokkanischen Abendessen gingen wir wieder zurück zum Campingplatz und fielen todmüde in unsere Betten.


 

Tag 12: 06.03.2014

 

Am heutigen Tag planten wir die Einreise nach Mauretanien. Um 8.30 Uhr starteten wir mit unseren Fahrzeugen, hindurch durch die Westsahara, zur 350 km entfernten mauretanischen Grenze. Kurz vor der Ausreise vertankten wir noch einmal unser letztes marokkanische Geld. An der Tankstelle fiel auf, dass leider zwei der am Vortag reparierten Fahrzeuge wiedermals lose Ölwannenschutzbleche hatten. Wir entschieden uns, dieses Problem nach der Einreise nach Mauretanien anzugehen, da bereits unser Wüstenführer dort wartete. Zudem graute es uns schon vor erneuten Einreiseproblemen, die wir zuvor an der marokkanischen Grenze erlebt hatten.

Nach der, zwar etwas zeitintensiven, jedoch problemlosen Ausreise aus Marokko, erwartete uns erst einmal ein 5 km langer Streifen "Niemandsland" zwischen der marokkanischen und mauretanischen Grenze. Hier trafen wir auf unseren Wüstenführer, der uns bereits hier durch abenteuerlich holpriges Gelände führte.

An der mauretanischen Grenze verlief dann alles anders als gedacht. Es stellte sich heraus, dass unser Wüstenführer mit den dortigen Polizisten und Zollbeamten bekannt war. Das erleichtere uns die Einreise enorm. Nach bereits zwei Stunden hatten wir alle Formalitäten erledigt und ließen die Grenze hinter uns.

Unser Weg führte uns 5 km in das Landesinnere zur so genannten "versteckten Düne", einer riesigen Sanddüne in der Landschaft. Nachdem sich alle auf der Düne ausgetobt hatten und Fotos gemacht waren, kochten wir gemeinsam im Windschatten der Düne unser Abendessen. Unter einem wunderschönen, klaren Sternenhimmel verbrachten wir die Nacht im Schutz der Düne.


 

Tag 13: 07.03.2014

 

Wüste, wie kommen! Um 9.30 Uhr fuhren wir mit unserem Wüstenführer los in Richtung Wüste. Das Wetter war windig und leicht bewölkt. Auf dem Weg zur Wüste, musste wir wieder einmal eine Zwangspause einlegen. Der VW-Bus von Team 6 hatte begonnen, laute Geräusche aus dem Schaltgetriebe von sich zu geben. Hubert machte sich sofort daran, dem Problem auf die Schliche zu kommen. Nach einigen Überprüfungen stand fest, dass das Auto während der Fahrt Getriebeöl verloren hatte. Vorerst behob Hubert das Problem mit Hilfe von Motoröl. Da dies auf lange Zeit gesehen dem Getriebe aber Schaden würde, hielten wir an der nächstgelegenen Tankstelle, um Getriebeöl zu kaufen. Dies war zum Glück kein Problem.

Kurz vor der Wüste hielten wir noch einmal für eine kurze Besprechung. Dabei teilte uns Basti die wichtigsten Information zum Fahren in der Wüste mit, die er vom Wüstenführer gesagt bekommen hatte und aus eigenen Erfahrungen kannte. Zusätzlich nutzten wir die Pause um Luft aus unseren Reifen zu lassen, um somit die Auflagefläche zu vergrößern. Nun konnte die Wüste kommen.

An unserem ersten Tag in der Wüste fuhren wir zu einem kleinen "Fischerdorf" an der Küste Mauretaniens. Die Fahrt dort hin war zwar sandig und holprig, aber bereitete uns sehr viel Spaß und Freude. Erfreut darüber, dass alle Fahrzeuge so gut durch die Wüste gekommen waren, ließen wir uns am späten Nachmittag im Fischerdorf nieder. Dort gab es kleine Zelte zu mieten und ein winziges Restaurant, in dem wir am Abend Fisch und Nudeln mit Soße serviert bekamen. Nach einem kuren Strandspaziergang setzten wir uns gemeinsam in eines der Zelte und ließen den Abend ausklingen.


 

Tag 14: 08.03.2014

 

Auf ging es in die zweite Wüstenetappe. Das Tagesziel lag geschätzte 80 km vom "Fischerdorf" entfernt. Die Autos machten soweit gut mit. Kurz vor der Hälfte legten wir eine kurze Pause ein, bei einer die Landachaft zierenden Düne. Wiedermals tobten wir uns im Sand aus verschafften uns einen Überblick über die umliegende Wüste. Voller Freude und mit Sand in den Taschen ging es weiter. In einem nahegelegenen Sandfeld war es dann soweit: ein Auto nach dem anderen fuhr sich im Sand fest. Nur der Toyota von Team 5 strotzte dem tiefen Sand. Das war auch gut so, da dieser nun die Aufgabe hatte, alle anderen aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Alle packten tatkräftig mit an. Während der Toyota vorne zog, schoben hinten alle mit vereinten Kräften die festgefahrenen Autos an, bis diese sich wieder auf griffigem Boden standen. Es dauerte zwar eine Weile, doch nach 1,5 Stunden waren alle auf sicherem Boden und es konnte weiter gehen.

Die weitere Strecke verlief soweit problemlos. Nur ein weiteres einziges Mal fuhr sich der LT von Team 7 so sehr im Sand fest, dass nicht einmal mehr der Toyota ihn herausziehen konnte. Jetzt waren die mitgebrachten Sandbleche gefragt, die sofort unter die Reifen positioniert wurden. Mit Hilfe dieser glückte die Bergung schließlich.

Kurz vor dem Erreichen unseres heutigen Schlafplatzes fiel Team 4 mit ihrem Renault Espace zurück und blieb letztendlich stehen. Kurz vor dem Anhalten sah man eine kleine Schwarze Rauchwolke aus der Motorhaube aufsteigen. Nach über zwei Stunden der Fehlersuche sprang das Auto immer noch nicht an, weshalb wir aufgrund der eintretenden Dämmerung beschlossen, am Wegrand unsere Autos zu positionieren, um dort die bevorstehende Nacht zu verbringen. Während des Abendessens gingen wir zusammen mit dem Wüstenführer alle möglichen Optionen der Weiterfahrt durch. Da wir neben dem Auto von Team 4 auch noch den Anhänger zu transportieren haben, entschieden wir uns dafür einen Freund des Wüstenführers zu kontaktieren. Dieser sollte mit seinem wüstentauglichen Pickup am kommenden Morgen zu uns stoßen und die Abschleppung des Renault Espace übernehmen.