Reisetagebuch

Tag 13 (20.03.) Auf Wiedersehen!

 

Relativ früh am Morgen gingen wir unsere letzte Etappe in Richtung Heimat an. Die verbleibenden 250 Kilometer gingen viel zu schnell vorbei. Da sich jeder nach der deutschen Grenze in sein eigenes Heim und damit in seine eigene freiwillige häusliche Quarantäne begeben wollte, blieben wir noch einmal stehen, um die verderblichen Lebensmittel zu verteilen, ein letztes Mal alles durchzugehen und uns dann zu verabschieden. Eine letzte kleine Ungewissheit vor dem Grenzübergang stellte unser Holländer Bouke dar, denn wir hatten Bedenken, dass man ihn nicht würde einreisen lassen. Tatsächlich mussten wir an der Grenze alle unsere Pässe vorzeigen und es wurden tatsächlich ein paar Fragen gestellt, aber auch hier wurden wir durchgewunken und waren schnell wieder auf deutschem Boden. Es war ein komisches Gefühl. Nach den menschenleeren Autobahnen in Spanien und Frankreich war in Deutschland auf einmal wieder richtig Verkehr auf den Straßen und als wir dann bei wunderschönem Wetter durch Waldkirch fuhren, sahen wir überall Menschen auf den Straßen und in den Cafés sitzen. Es brachte uns zum Grübeln, ob wir Deutschen die Situation eigentlich wirklich ernst genug nahmen und nehmen würden…

Ein allerletzter Stopp fand kurz vor der Ausfahrt Waldkirch statt, als wir unsere Walkie-Talkies einsammelten. Jetzt war auch die Kommunikation in den Autos zu Ende.

Unsere Spendenfahrt 2020 hatte ein ganz anderes Ende genommen, als wir es uns anfänglich vorgestellt hatten. Die monatelange Organisation im Voraus, die vielen Telefonate, die zahlreichen Treffen im Team, das Reparieren und Werkeln an den Fahrzeugen und die Vorfreude waren alle darauf ausgerichtet gewesen, unsere gesammelten Spenden zur ASB Health Clinic in Gambia zu bringen, die wir mit unserem Herzblut unterstützen wollten. Dass uns Corona einen solchen Strich durch die Rechnung ziehen sollte, hätte keiner erwartet. Es war -und ist immer noch- extrem frustrierend, so ziemlich genau nach der Hälfte der Strecke umkehren zu müssen. Dennoch würde kein Teammitglied die Reise missen wollen. Die anfänglich 12 Individuen, die sich nur oberflächlich kannten, sind zu einem Team zusammengewachsen. Einer für alle, alle für einen. Jeder wuchs auf natürliche Weise in verschiedene Rollen hinein, die dem Team als Ganzes weiterhalfen. Das Motto war: Drive to Help. Im Team halfen wir uns gegenseitig, um zu fahren (Help to Drive). Heute können wir uns ohne schlechtes Gewissen selbst auf die Schulter klopfen und wirklich stolz auf uns sein! Wir haben die größten Hürden gemeinsam genommen. Dabei schalteten wir oft um in den Krisenmodus, der nicht selten an die Substanz ging. Von verschiedensten Pannen auf der Strecke, über sprachliche Hürden und zuletzt hin zur Ausnahmesituation aufgrund des Corona-Virus, stellten wir uns stetig neuen Herausforderungen. Vereint und mit spiritueller Unterstützung von verschiedenen Bekannten meisterten wir jede Situation mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit.

Es waren unglaubliche zwei Wochen in denen wir lernten, dass durch die Arbeit im Team Träume zu Realität werden: „Team Work Makes the Dream Work“. Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass man niemals nie sagen sollte. Oft versuchten wir einfach unser Glück, ohne wirklich zu wissen, ob unser Plan funktionieren würde. Und ein großes Maß an Flexibilität gehört auch dazu!

An dieser Stelle möchten wir uns gerne bei allen Sponsoren, Helfern, dem unglaublich tollen, hilfsbereiten Vorstand und allen Menschen bedanken, die unsere Berichte verfolgt und uns mental immer begleitet haben. Eure schönen Worte waren Balsam für unsere Seelen und halfen uns, wieder heil zurückzukehren!

 

Das wichtigste jedoch ist, wir sind zwar zurück nach Deutschland gefahren und haben uns „Auf Wiedersehen“ gesagt, doch das bedeutet nicht, dass wir unsere Mission nicht zu Ende bringen wollen. Wie unser Lieblingskrämer gerne zu sagen pflegt: Wir haben die Ware noch nicht ausgeliefert! Leider weiß zu diesem Zeitpunkt noch keiner, wie sich die Lage in afrikanischen Ländern entwickeln wird und wann wir uns wieder auf den Weg werden machen können. Es wird eine zweite Spendenfahrt 2020 geben. Hoffentlich noch in diesem Jahr. Deshalb ist es ein Auf Wiedersehen und keine endgültige Verabschiedung. Wir freuen uns schon darauf, euch dann wieder in diesem Blog von unseren neuen Abenteuern berichten zu können!

 

Eure Spendenfahrtler 2020

Team 1: Ingrid & Armin

Team Edeka: Bernhard & Cheese

Team Rotherbus: Gerd & Felix

Team Nic: Bianca & Christina

Team Blaui: Klaus & Brigit

Team Jambo: Liane & Bouke

Tag 12 (19.03.) Bajazzo

 

Unser letzter Tag… Wie unglaublich traurig war dieser Gedanke… Die verbleibenden Kilometer wollten wir in zwei Etappen aufteilen, denn jetzt hatte es wirklich niemand mehr eilig nach Deutschland zurückzukommen. In Frankreich schien die Situation etwas entspannter zu sein als in Spanien, dennoch waren die Autobahnen so frei wie nie. Immer wieder wurden wir an Raststätten komisch beäugt, da wir uns in unserer Gruppe aufhielten und nicht den nötigen Abstand einhielten. Für all diejenigen, die das unverantwortlich finden: Wir haben zu diesem Zeitpunkt schon 12 Tage miteinander verbracht und da machen 2 Meter Abstand den Kohl auch nicht mehr fett. Wir begegneten Militär und durften nur jeweils einzeln in die Märkte hinein. Unsere Laune hatte sich aber wieder etwas gehoben, denn die Sonne strahlte unermüdlich vom Himmel und wärmte unsere angekratzten Seelen sanft mit ihren warmen Frühlingsstrahlen. Wenigstens war die Fahrt so etwas angenehmer. Mit dem Ziel, um Beaune herum (nördlich von Lyon) einen Platz zum Schlafen zu finden, fuhren wir bis in den frühen Abend hinein, machten viele Pausen und stellten uns schlussendlich auf einen Autobahnparkplatz. Jeder, der schon einmal in Frankreich war, weiß, dass die Parkplätze dort nicht mit ihren ranzigen deutschen Pendants zu vergleichen sind. Die Atmosphäre war trotz vorbeirauschender LKWs gut und wir hatten alles, was wir benötigten. Saubere Toiletten, genug Platz, Tische und Bänke zum Kochen und Zusammensitzen. Gemeinsam kochten wir ein letztes Abendessen und eine letzte Flasche Rotwein wurde aufgemacht. Nun war es an der Zeit ein bisschen zu reflektieren und die Reise Revue passieren zu lassen… und so wurde der Abend von Minute zu Minute emotionaler und wirklich alle hatten zu irgendeinem Zeitpunkt ein paar Tränen in den Augen. Als dann Felix noch seine Liederbücher rausholte, war es um uns geschehen. Eine magische Stimmung legte sich über uns, als wir nur mit einer Taschenlampe das Liederbüchlein erhellend im Kreis zusammenstanden und gemeinsam auf diesem Autobahnparkplatz irgendwo in Frankreich das Volkslied „Bajazzo (Warum bist du gekommen?)“ anstimmten. Ergriffen lauschten wir einander und schöner hätte der letzte Abend wirklich nicht zu Ende gehen können. 

Tag 11 (18.03.) Fort, Fort, Fort(-setzung)

 

Da wir am Abend leider doch nicht mehr auf die Fähre gekommen waren, weil diese schon bis zum Anschlag voll war, verbrachten wir die Nacht auf dem Parkplatz in der Warteschlange. Es stürmte, regnete und war insgesamt sehr unangenehm, sodass wir uns recht schnell in die eigenen Autos verzogen. Uns war gesagt worden, dass die nächste Fähre um 6 Uhr wohl auch schon voll sei, und wir erst gegen 11:30 Uhr würden fahren können. Trotzdem standen Christina und Bianca früh auf, um die Situation zu beobachten. Und tatsächlich bewegte sich unsere Schlange um kurz nach 7 Uhr vorwärts. Jetzt ging alles ganz schnell. Christina klopfte an die Autos und noch in ihren Pyjamas und mit Schlaf in den Augen fielen die anderen aus den Betten direkt hinters Steuer. Teils noch am Umziehen, wurden die Fahrzeuge auch schon kontrolliert. Türen auf, Pässe kontrolliert, und rauf aufs Schiff. Zwar waren wir glücklich, es noch am Morgen auf die Fähre geschafft zu haben, allerdings stürmte es noch immer und ohne Frühstück im Magen war das rund einstündige „Silver Star-Feeling“ nicht jedermanns Sache. Mit schwummrigen Bauchgefühl setzten wir dann endlich Fuß auf europäisches Festland. Dort wollten wir uns noch einmal in dem uns schon bekannten Carrefour Supermarkt eindecken und ordentlich frühstücken. Wir fielen also in unserer großen Gruppe im Supermarkt ein, auch, da wir noch einmal unsere Optionen im Trockenen besprechen wollten. Wenn es ungewiss ist, ob man über die Grenze kommt, oder wenn man nicht weiß, wo man am nächsten Tag sein wird, muss man flexibel bleiben und sich auf jede Situation neu einstellen können.

Zu unserer Teambesprechung im Trockenen kam es allerdings erstmal nicht, denn sofort stürmten Supermarktmitarbeiter in unsere Richtung und teilten uns mit, dass man sich nur noch mit 1-2 Meter Abstand voneinander bewegen durfte. Im Falle einer Kontrolle würden uns saftige Strafen erwarten. Willkommen in Spanien im Ausnahmezustand… Jetzt waren wir wirklich im Corona-Wahnsinn angekommen. Das merkten wir auch auf den Straßen, die aufgrund der Ausgangssperre auch menschenleer waren. Bloß LKWs spickten noch die Autobahnen. Die Stimmung war nicht nur deshalb etwas gedrückt. Die Landschaft bot nicht viel Abwechslung, es war immer noch stürmisch und der Wind brachte so manche Fahrer an ihre Grenzen.

Als Ziel hatten wir uns Cartagena ausgesucht, welches ca. auf der Hälfte bis zur französischen Grenze lag. Wir wollten noch einmal die Küste genießen und uns von den gestrigen Strapazen erholen. Also tuckerten wir durch die karge Landschaft, die außer unzähligen Gewächshäusern mit weißen Planen nicht viel zu bieten hatte. Woher das Wasser für all das Gemüse kommen sollte war uns ein Rätsel und brachte uns zum Grübeln über unser eigenes Konsumverhalten.  

Gegen 18 Uhr fuhren wir dann von der Autobahn ab mit dem Plan, uns irgendwo ein schönes Plätzchen zu suchen. Der Plan wurde allerdings jäh unterbrochen, als wir in einem Kreisverkehr in eine Polizeikontrolle gerieten. An jeder Ausfahrt standen mehrere Polizisten mit Mundschutz und boten ein für uns beunruhigendes Bild. Schnell stellte sich auch heraus, dass sie uns eigentlich nicht in unsere geplante Richtung fahren lassen wollten. Jeder einzelne von uns wurde angehalten, obwohl Christina im ersten Auto mehrmals klarstellte, dass wir eine Gruppe waren. Es sollte sich herausstellen, dass ab dem nächsten Morgen eine neue Verordnung in Kraft treten sollte, die nur noch eine Person pro Auto erlaubte. Jede weitere Person, die im Fahrzeug erwischt werden sollte, hatte mit einer 600€ hohen Strafe zu rechnen. Das wären in unserem Fall 1200€ pro Auto gewesen, da auch die Fahrer hätten zahlen müssen. Geschockt über diese neue Nachricht fragten wir, was wir denn machen sollten, da wir ja keine andere Möglichkeit hatten als zu zweit zu fahren. Die Antwort war ernüchternd. Wir sollten entweder in ein Hotel gehen und dort dann auf unbestimmte Zeit ausharren, oder heute noch über die spanisch-französische Grenze fahren. Diese war um 19 Uhr noch knapp 850 Kilometer entfernt.

Man konnte die Anspannung in der Gruppe förmlich greifen, aber da auch wir keine andere Möglichkeit sahen, beschlossen wir uns sofort auf den Weg in Richtung Grenze zu machen. Frei nach dem Motto: Einer fährt, der andere schläft. An der nächsten Raststätte deckten wir uns mit den nötigen koffeinhaltigen Wachmachern ein und dann ging es los. Hinein in die Dunkelheit, immer gen Norden fahrend. So manch einer war von der neuen Ausnahmesituation regelrecht vollgepumpt mit Adrenalin, andere machten es sich im hinteren Teil der Fahrzeuge bequem, um den nötigen Schlaf zu bekommen. Das Tempo wurde etwas angezogen und so ging es bis 3:30 Uhr nachts, bis wir endlich nach einer unendlich scheinenden Fahrt die Grenze erreichten. Auch dort wussten wir wieder nicht, was uns erwarten würde. Leuchttafeln hatten verheißungsvoll angekündigt, dass die Grenze nach Frankreich geschlossen war und nur noch Güterverkehr passieren durfte. Wir statteten uns also mit verschiedenen Geschichten, Mundschutz und Handschuhen aus. Auf alles gefasst näherten wir uns der Grenze. Und zu aller Erstaunen war dort nichts los. Rein gar nichts. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Frohjubelnde Rufe drangen durch unsere Walkie-Talkies. Wir hatten es geschafft. Wir hatten eine Wahnsinnsleistung vollbracht! Am nächsten freien Parkplatz fielen wir uns in die Arme und dann, es war schon 4 Uhr, sofort in unsere Betten.

Tag 10 (17.03.) Ein Krimi wie er im Buche steht

 

Und so befanden wir uns gestern also wieder on the road. Nur nicht on the road to Gambia, sondern on the road in die entgegengesetzte Richtung, Richtung Heimat… Wären wir Engel im Himmel, die das Geschehen von oben beobachteten, wir würden kopfschüttelnd und enttäuscht auf den Konvoi hinabblicken, der sich in Richtung Norden bewegte. Wir wollten in einem Rutsch von Marrakesch nach Tanger Med an den Hafen kommen. Angespannt und das Gaspedal durchdrückend fuhren wir ins Ungewisse. Von rechts und links hatten wir immer wieder neue und vor allem unterschiedliche Infos darüber bekommen, wie und ob es mit PKW noch möglich war, mit der Fähre nach Europa überzusetzen. Nach einigen Stunden Fahrt und vielen Kilometern auf gut ausgebauten und fast menschenleeren marokkanischen Autobahnen, fuhren wir Tanger Med an. Wir waren innerlich auf alles vorbereitet, nicht aber auf die geschlossenen Tore des Hafens in Tanger Med. Sogleich wurden wir von einem Beamten weggeschickt und Option zwei trat in Kraft. Weiter nach Ceuta, der spanischen Enklave auf afrikanischem Boden. Dort sollte es für Wohnmobile anscheinend noch möglich sein, nach Festlandeuropa zu kommen. Wir hatten Horrorgeschichten gehört von einer Stadt, die kein Benzin mehr an Privatreisende ausgibt und keine Stunde später tankten wir die Autos vor den Toren der Stadt ein letztes Mal mit billigem marokkanischem Diesel voll. Das Wetter hatte sich fühlbar verändert. Von strahlendem Sonnenschein zu einem regelrechten Sturm. Fast wurden wir von der Straße geblasen, die uns direkt zur ersten Kontrolle brachte. Auf alles gefasst gingen wir das Kontroll-Hickhack an. Mittlerweile um einen jungen deutschen Alleinreisenden im Van gewachsen, steuerten wir die erste Kontrolle an: Pässe zeigen, Frage beantworten. OK. Nächste Kontrolle (keine fünf Meter dahinter): Wieder Pässe zeigen. OK. Dann ging es zu Kontrolle Nummer drei (immer noch auf marokkanischer Seite): Pässe zeigen plus den kleinen weißen, bei Einreise erstellten, PKW-Einreiseerlaubniszettel. OK. Kontrolle vier: Hier wurde es kurzzeitig richtig spannend. Team Nic, die auf Grund ihrer Sprachkenntnisse immer voranfuhren, mussten aussteigen und drei Beamte klopften mit Stäben am und unter ihrem Auto herum. Dann hieß es: Öffnen. Gesagt, getan. Dann wollten sie noch wissen, was wir transportierten… Gott sei Dank hatten wir eine Packliste dabei. Allerdings beratschlagten sich die Beamten, als sie Desinfektionsmittel und Mundschutz in der Hand hielten. Trotzdem OK. Weiter ging es zu Kontrolle fünf, wo wir endlich unseren Ausreisestempel erhielten. Daraufhin folgte noch eine weitere Kontrolle, die nur die Pässe sehen wollte. GESCHAFFT! Ein Auto nach dem anderen musste kurz die Türen öffnen, aber da Christina und Bianca versichert hatten, dass alle dasselbe transportierten, wurde ein Team nach dem anderen durchgewunken! Und somit standen wir vor den vielzähligen Toren und Zäunen der spanischen Kontrolle. Und als ob sich die Beamten dächten, dass die tausend Kontrollen zuvor wohl genug wären, wurde dort erstaunlicherweise nur gefragt, ob wir Tiere an Board hätten. Und hier waren wir: zurück in Europa! Auf direktem Wege fuhren wir zum Hafen (kleine Stadtrundfahrt inklusive) und stellten erstaunt fest, dass wir sofort und ohne Probleme Tickets für die Überfahrt nach Algeciras bekamen. Die Info war: um 20:45 Uhr geht die nächste Fähre. Es war 19:50 Uhr. Wir hasteten also zurück zu unseren Autos und wollten schnell zum Boarding. Hätte das dann auch noch geklappt… es wäre doch langweilig gewesen. 

Tag 09 (16.03.) Eine schwierige Entscheidung

 

Unser neunter Tag startete sehr entspannt bei einem leckeren Frühstück auf dem Campingplatz. Am Abend zuvor hatten wir ja schon die Info bekommen, dass wir nicht über die Grenze nach Mauretanien kommen würden. Und die Entscheidung, dass wir einfach planmäßig weiterfahren würden und es auf uns zukommen lassen wollten, war uns nicht schwergefallen. So entspannten wir den Vormittag und jeder ging seinen eigenen Geschäften nach. Gegen Mittag ging es dann aber los, ab ins Taxi und auf in die Medina von Marrakesch. Kaum angekommen, wurden wir in den ersten Shop hineingelotst. Der Klassiker. Schon bald aber bemerkten wir, dass irgendwas anders war. Uns wurde gesagt, dass die Restaurants, Bars und die Stände auf dem Djemaa el Fna Platz um 18 Uhr schließen würden. Gegen 16 Uhr waren dann kaum noch Touristen unterwegs und wir konnten uns nur vorstellen, wie es in normalen Zeiten auf dem Platz von Touristen und Händlern nur so wimmeln würde. Da die Medina um 18 Uhr tatsächlich fast wie ausgestorben war, fuhren wir wieder zurück zum Campingplatz. Leider war es recht kalt und auch windig, sodass wir abends auch nicht mehr lange zusammensaßen (zumindest nicht draußen) und uns bald ins Bett verabschiedeten. Am nächsten Morgen wollten wir früh aufstehen, denn eine wunderschöne Tour durch das Atlasgebirge stand an.

Dazu sollte es aber nicht mehr kommen. Am frühen Morgen, da sowieso schon alle wach waren, wurde eine Krisenstabssitzung einberufen. Unser Vorstand, dem wir hier an dieser Stelle schon ein riesiges Dankeschön aussprechen wollen, informierte uns, dass es unmöglich geworden war, nach Mauretanien, geschweige denn später in den Senegal, einzureisen. Die Flugverbindungen seien jetzt schon gekappt und aus offizieller Quelle wurde uns dringlichst davon abgeraten das Risiko einzugehen, möglicherweise im Niemandsland zwischen Marokko und Mauretanien zu stranden. Ohne Wasser, ohne Supermarkt, ohne Klo, auf unbestimmte Zeit. Es wurden weitere Optionen besprochen und am Ende stimmten wir darin überein, dass die sinnvollste Option war, zu versuchen die Autos auf direktem Wege wieder nach Deutschland zu fahren. Uns sträubt es zwar davor, die Fahrt hier an dieser Stelle abzubrechen, aber wir wissen auch nicht, wie sich die Situation hier in Marokko entwickeln wird. Wir haben jetzt schon die Erfahrung gemacht, dass uns Menschen böse anschauen, uns „Corona“ zurufen, ihre Gesichter mit Schals schützen, wenn wir vorbeifahren und wir befürchten, dass die Stimmung uns gegenüber kippen könnte. Auch weiß keiner, wie die marokkanische Regierung reagieren wird und was es heißt, in Marokko im Ausnahmezustand gestrandet zu sein. Wir wollen auch nicht die Autos hier irgendwo in Marokko abstellen und versuchen, überhastet einen Evakuierungsflug der Bundesregierung zu erwischen. Wir haben mit Drive to Help eine Mission gestartet, die wir erstens irgendwann zu Ende bringen möchten, und zweitens wollen wir die gesammelten Spenden nicht einfach stehen und liegen lassen (mal ganz abgesehen davon, dass es wahrscheinlich große Probleme mit TÜV, Versicherung, etc. geben würde, sollten wir die Autos einfach in Marokko stehen lassen).

 

Das bedeutet, dass wir uns wieder auf den Weg in den Norden nach Tanger Med gemacht haben. Dort schauen wir dann weiter. Wir halten euch auf jeden Fall auf dem Laufenden. Wenn aber das GPS Signal auf unserer Website stehen bleibt, heißt das wohl, dass wir erstmal nicht weitergekommen sind. Auch an alle Daheimgebliebenen: Haltet durch!

Tag 08 (15.03.) Ein Sprung ins kalte Wasser

 

Am nächsten Morgen wachten wir auf und sogleich waren „Oohh“ und „Aaahh“ Rufe zu hören. Denn wir konnten endlich unsere Umgebung erkennen. Die Sonne schien strahlend vom Himmel und tauchte die Landschaft in wunderschönes Licht. Ein reichhaltiges Frühstück rundete den Morgen ab und gemütlich brachen wir auf, ca. 800 Meter bis zum nächsten Parkplatz zu fahren, der Ausgangspunkt für Wanderungen zu den Ouzoud Wasserfällen war. Kaum waren wir ausgestiegen und ein paar Meter gelaufen, standen wir auch schon am Abgrund und schauten 120 Meter in die Tiefe. Ein großer Teil der Gruppe entschied sich dann dazu, hinunterzuwandern und sich die angepriesenen Natural Pools anzuschauen. Als wir dann unten ankamen, hieß es gleich, dass man hier baden könne. Schwuppdiwupp waren wir umgezogen und der erste wagte einen Schritt ins eiskalte Wasser! Der Rest folgte lautstark, aber tapfer hinterher. Gleich darauf wurden wir darauf hingewiesen, dass man auch von einer ca. 6 Meter hohen Klippe springen könne. Cheese machte den Anfang, gefolgt von Christina, Felix, Bianca und schlussendlich auch Ingrid, die sich zwar alle mit schlotternden Knien, aber todesmutig ins kalte Wasser stürzten. Was für ein Adrenalinkick. Und das vor einer solch beeindruckenden und schönen Kulisse. Großartig!

 

Auf den Abstieg folgte der Aufstieg zum Rest der Gruppe. Und los ging es in Richtung unseres nächsten Ziels: Ein Campingplatz 10 Kilometer außerhalb von Marrakesch. Seit wir in Marokko angekommen sind haben wir schon unzählige Polizeikontrollen passiert. Das Erstaunliche jedoch ist, dass wir in unserem auffälligen Konvoi nie angehalten werden. Ob es wohl daran liegt, dass Christina und Bianca immer vorausfahren und nett lächeln und grüßen?! Man weiß es nicht.

Angekommen in Marrakesch bezogen wir unseren wirklich schönen Campingplatz, der neben sehr schönen Stellplätzen auch ein Restaurant und einen Pool vorzuweisen hatte. Es ist wirklich schön hier, auch da wir einen abgesperrten Bereich komplett für uns alleine haben. Es wurde dann noch eingekauft und schließlich ein sehr leckeres Thai Curry zubereitet.

 

Trotz der ganzen Corona Geschichte in Deutschland ist unsere Stimmung weiterhin ungetrübt. Wir bekommen täglich mit, wie sich die Lage verändert und wir sind natürlich in Gedanken bei euch während eurer sozialen Isolation und hoffen mit unseren Reise- & Abenteuergeschichten etwas Abwechslung zu ermöglichen. Auch hier in Marokko ist die Lage wirr. Man kommt vorerst die nächsten zwei Wochen nicht mehr nach Deutschland, weder via Fähre, noch via Flugzeug und viele Menschen sind hier erstmal gestrandet. Jetzt muss man aber auch dazusagen, dass es definitiv schlechtere Orte gibt, um zu stranden. Für uns stellt sich jetzt die Frage, wie die Situation an der Grenze zu Mauretanien und später dem Senegal sein wird. Im Team haben wir aber beschlossen uns nicht stressen zu lassen und unsere Tour wie geplant fortzusetzen. Wenn es später an der Grenze heißt, dass wir noch ein paar Tage länger in marokkanische Quarantäne müssen, dann ist das eben so. Wir haben ja uns. Wir wachsen täglich immer mehr zusammen und gemeinsam schaffen wir alles. 

Tag 07 (14.03.) Passüberquerung im Dunkeln

 

Unglaublich, dass wir schon eine ganze Woche unterwegs sind… Der Morgen unseres siebten Reisetages startete auf einem sehr rudimentären Campingplatz, den wir gezwungenermaßen wählen mussten, da unser eigentlicher Campingplatz geschlossen war. Dies hatte uns zwar schon ein Mopedfahrer während der Fahrt durch das geöffnete Fenster zugerufen. Da wir ihm jedoch nicht sofort Glauben schenken wollten, begleitete er uns bis zu dem tatsächlich geschlossenen Campingplatz und lotste uns dann zu seinem. Dieser war dann eben nur zweite Wahl und dementsprechend spartanisch ausgestattet und eventuell auch sehr dreckig, wenn man das hier so erwähnen darf. Dies trübte unsere Laune jedoch kein Stück und motiviert fuhren Bouke, Cheese und Christina am nächsten Morgen in die Stadt, um neue Bremsbeläge zu besorgen. Der letzte Abschnitt am Tag zuvor war sehr kurvig und hügelig gewesen und zwei Teams hatten mit Schrecken bemerkt, dass die Bremsen nicht mehr so gut funktionierten wie gewünscht. Aber auch dieses Problem stellte kein Hindernis für uns dar. In der Stadt Fes suchten wir einen Mechaniker auf, den wir im Internet herausgesucht hatten. Dieser hatte jedoch keine Bremsbeläge und lief sofort wild telefonierend los. Wir warteten also bis er wiederkam und uns kurzerhand in ein Taxi verfrachtete, das uns zu einem Ersatzteilgeschäft brachte, dort 15 Minuten auf uns wartete, und wieder zurück zum Mechaniker fuhr. Er kontrollierte noch, ob wir auch die richtigen Teile gekauft hatten und war zu bescheiden, um ein finanzielles Dankeschön von uns anzunehmen. Von Mechaniker zu Mechaniker nahm er dann aber doch noch unseren Dank an.

Die Bremsbeläge waren in kürzester Zeit montiert (Danke Cheese!) und somit machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, den Ouzoud Wasserfällen, die knapp 300 Kilometer entfernt lagen. Und wieder veränderte sich die Landschaft von Kilometer zu Kilometer. Es ist wunderschön und aufregend durch fremdscheinende Landschaften zu fahren. Mal sieht man Ebenen, die bis zum Horizont reichen (für uns aus dem Schwarzwald ein besonderes Gefühl), mal kleine Dörfer und dann wieder schneebedeckte hoch aufragende Berggipfel. Man begegnet unendlich vielen Schafherden und Eseln, die am Straßenrand gemütlich ihr Gras fressen und sieht Storche in ihren Nestern auf den Minaretten anstatt Kirchtürmen.

 

300 Kilometer hört sich als Deutscher nach einer recht kurzen Entfernung an. Das mag auch so sein, wenn man von Freiburg nach Nürnberg fährt. Dann ist man da in 2,5-3 Stunden. Auf unserer Route brauchten wir allerdings das Doppelte. Daran trug die Straße Schuld, die uns durch Dörfer, Städte und nicht zuletzt über zwei hohe Pässe führte. Gerade der letzte Abschnitt auf der kurvenreichen, steilen Straße war eine Herausforderung und gleichzeitig ein Highlight für alle. Gegen 19 Uhr verabschiedete sich die Sonne so langsam und wir begannen unseren Aufstieg in der Dämmerung. Schnell war es dunkel und so schlängelten wir uns hochkonzentriert die Berge hinauf und wieder hinunter. Die Bremsen funktionieren, die „Hella“-Scheinwerfer leuchten taghell die Straße aus und alle kamen heil an. Auf einem wunderschönen Campingplatz genossen wir noch ein leckeres Abendessen, das aus einer leckeren Suppe und der typisch marokkanischen Tajine bestand. Auf Anfragen eines Daheimgebliebenen können wir hier sagen: Ja, wir machen auch noch etwas anderes als Autos reparieren und Essen à wir fahren ab und zu auch ein bisschen Auto! 

Tag 06 (13.03) Endlich in Marokko

 

Wir sind in Marokko *juchei*!! Was für ein aufregender Tag liegt da hinter uns. Nach erfolgreichem Batterietausch machten wir uns endlich auf den Weg nach Algeciras, um dort die Fähre zu nehmen. Doch bevor wir zur Fähre fuhren, durften wir auf einem Parkplatz in der Nähe des Hafens endlich wieder Team Blaui in unsere Arme schließen. Was für eine Freude, die beiden wohlbehalten wieder in unserer Mitte zu haben! Nun wieder vollzählig, machten wir uns auf ins Ungewisse. Stetig plagten uns Gedanken wie „Werden sie uns mit den auffälligen Fahrzeugen über die Grenze lassen?“, „Wird es ein Problem sein, dass die Autos auf den Verein laufen und nicht auf uns persönlich?“, „Hoffentlich müssen wir nicht unsere Autos komplett ausräumen!“, „Was ist eigentlich mit Corona?“… Mit Christina, die mit allen und jedem in der landesüblichen Sprache „babbeln“ konnte, kämpften wir uns von Schalter zu Schalter, von Temperaturcheck zu Temperaturcheck und von Kontrolle zu Kontrolle bis wir schlussendlich um ca. 21 Uhr endlich marokkanischen Boden befahren durften.

Besonders kompliziert wurde es kurz bevor wir an Land ankamen. Wir waren - wie alle anderen Passagiere auch - schon längst in unseren Fahrzeugen und warteten darauf, dass sich die Tore öffneten. Doch auf einmal erschallten schrille Schreie durch den Frachtraum. Erstmal wusste keiner so recht, was das zu bedeuten hatte, bis dann alle wieder aus den Autos gescheucht wurden und wir wieder an Deck mussten. Dort kam heraus, dass wir zum wiederholten Male einen Temperaturcheck machen mussten (bei unserem ersten Check noch auf spanischer Seite waren ein paar Teammitglieder auf Grund zu hoher Temperatur raus gewunken worden). Nach erneutem Warten schafften wir aber auch diesen Test und drangen dann in den marokkanischen Grenzhafendschungel vor. Wir passierten eine Kontrolle nach der anderen, mussten durch einen Autoscanner und warteten schlussendlich bangend darauf, unsere Einreiseerlaubnis für die Fahrzeuge zu bekommen. Wie sich herausstellte, stellten wir mit unserer erfolgreichen Grenzüberquerung einen neuen „Drive-to-Help-Zeitrekord“ auf. 

 

 

Da wir unser erstes Etappenziel Chefchaouen am gleichen Tag nicht mehr erreichen konnten, disponierten wir spontan um und verbrachten die Nacht in einem Dorf in der Nähe des Hafens Tanger Med. Am nächsten Morgen wurden wir vom Muezzin geweckt und fuhren früh los. Die ersten Eindrücke sammelten wir kurz später an einer Tankstelle, als uns zwei österreichische Motorradtouristen erklärten, dass der Hafen für Einreisen nach Europa gesperrt wurde. Unglaublich, was wir für Glück hatten! Nun ging es also so richtig los. Auf afrikanischem Kontinent, in einem fremden Land, in dem alles schon so anders zu sein scheint als im altbekannten Europa. Die Landschaft veränderte sich stetig, einmal gab es von Wäldern bedeckte Hügel, mal flache Abschnitte und dann wieder trockene, kurvenreiche Landstriche. Einen zweistündigen Stopp legten wir in Chefchaouen ein, um wenigstens einen Eindruck von der wunderschönen blauen Stadt zu bekommen. Fes, das eigentliche Ziel für den Tag, erreichten wir dann gegen 18 Uhr, nachdem wir über Schlagloch gespickte Straßen durch wunderschöne Landschaften gefahren waren. Der Muezzin ruft schon wieder und wir bereiten heute das erste Mal unser Essen mit der wieder hinzugewonnenen Campingausrüstung vor. 

Tag 4 & 5 (11. & 12.03.) Handwerkeln und Reparaturen

 

Unser Tag in Sevilla begann für die einen als sich die Sonne ihren Weg über den Hafen bahnte und für die anderen, als diese schon fröhlich vom Himmel schien. Da wir an dem heutigen Tag nicht viel geplant hatten, fingen alle Teams nach einem gemeinsamen, ausgiebigen Frühstück damit an, ihre Autos „für Afrika vorzubereiten“. Das bedeutete auch, dass noch vereinzelt Reparaturen erledigt wurden. Mit ausgebreitetem Werkzeug zogen wir die Aufmerksamkeit der anderen Camper auf uns und ein jüngeres Pärchen schlenderte langsam an uns vorbei und blieb zuuuufällig bei uns stehen. Sie fragten, ob wir uns denn mit Autos auskennen würden, sie hätten da ein Problem mit ihrem Camperbus. Cheese, der KFZler mit Leib und Seele, dachte nicht lange nach und bot sofort seine Hilfe an: „Challenge accepted“. Während die einen also fleißig an ihren Autos rumschraubten, genoss der Rest die freie Zeit im Schatten unserer übergroßen Plane, die kurzerhand über zwei Autos gespannt wurde. Die Stimmung war entspannt und tatsächlich schafften wir es erst gegen 16/17 Uhr gemeinsam in die Stadt zu gehen. Mit knurrendem Magen folgten wir unserem fast schon local guide Bernhard, der eine ihm schon bekannte Tapas Bar ansteuerte. So saßen wir draußen, im T-Shirt, bei wunderschönem Wetter in einer tollen Stadt und genossen die besten Tapas in Sevilla! Die Stimmung war ausgelassen und wir schäkerten mit unserem sehr engagierten und netten Kellner Juan und unseren Tischnachbarn. Man konnte regelrecht spüren, wie alle Teammitglieder glücklich und entspannt waren. Etwas anderes ist in dieser tollen Stadt wahrscheinlich auch gar nicht möglich!

Die Atmosphäre wurde noch einmal magischer, als wir uns auf einen Platz an der Kathedrale setzten und den wunderschönen Klängen einer spanischen Gitarre lauschten. Besser hätte der Abend nicht laufen können und so schlossen wir alle glücklich und motiviert für die anstehende Grenzüberquerung unsere Äuglein.

 

Am nächsten Morgen sollte alles ein bisschen schneller vonstattengehen. Der Plan war es Team Blaui in Algeciras zu treffen und dort schon einmal Vorbereitungen für die Fähre zu treffen. Als wir dann auch endlich alles zusammengepackt hatten, hieß es auf einmal: „Der EDEKABus springt nicht an, wir müssen überbrücken.“ Einfacher gesagt als getan. Zwar ist gerade der EDEKABus mit allem ausgestattet, was sich ein Mechanikerherz wünschen kann, aber eine neue Batterie hatten sie dann doch nicht im Gepäck. Nachdem auch unser ambitioniertes Anschieben nicht funktioniert hatte, machten sich Cheese und Christina auf den Weg eine neue Batterie zu kaufen. In guter Teamwork-Manier bauten Felix und Bernhard währenddessen die kaputte Batterie aus und Liane, Bouke & Gerd erledigten noch notwendige Einkäufe. Wieder zurück am Parkplatz war die neue Batterie innerhalb kürzester Zeit wieder eingebaut und wir waren nur mit knapp 2 Stunden Verspätung wieder on the road. Ein großes Dankeschön geht heute an Andreas alias Cheese, ohne den wir das so wohl alle nicht hinbekommen würden (auch wenn es jetzt dein eigenes Auto war, das abgekratzt ist).

 

 

Wir melden uns wieder aus Marokko, sobald wir die Grenze hoffentlich erfolgreich hinter uns gelassen und WiFi gefunden haben! Drückt uns die Daumen!

Tag 03 (10.03.) Und auf einmal war es Frühling

 

Wie der Titel schon vermuten lässt, sind wir mittlerweile in wärmere Gefilde vorgedrungen. Noch bei Eiseskälte aufgewacht, richteten wir uns ein provisorisches Frühstücksbuffet und machten uns recht schnell auf den Weg gen Süden. Die Fahrt war der Hammer! Nicht nur änderte sich die Landschaft fortlaufend, auch konnte man fühlen, wie es von Kilometer zu Kilometer wärmer wurde. Man schaute aus dem Fenster und sah saftiges Grün, schneebedeckte Bergketten, weitläufige Felder und Olivenhaine soweit das Auge reichte. 

Um dem vielen Sitzen etwas entgegenzusetzen, wurde bei der ersten Rast, bei der die Jacke schon im Auto bleiben konnte, eine Dehnungsrunde initiiert. Dabei stellte sich heraus, dass die Holländer solche Gruppenaktivitäten wohl nicht so ernst nehmen wie die Deutschen. Bouke aus Team Jambo machte sich durchgehend lustig über uns andere, die wir die Dehnübungen mit unserem privaten Trainer Cheese (Andreas von Team Edeka) genossen.

Wieder on the road startete Team NIC eine Fotosession vor atemberaubender Kulisse (Fotos siehe weiter unten) bis von unserem Vorfahrteam - „Team Jambo“ mit dem schwächsten Auto in unserem Konvoi, das wir in den vergangenen Tagen schon mehrfach bei Bergauffahrten hatten anschieben wollen – das Kommando „Pipipause“ durch unsere Walkie Talkies klang. Alle nickten ab, nur Ingrid aus Team 1 hatte wohl ziemlich genaue Vorstellungen von ihrer Pipipause und fügte unschuldig und mit Fragezeichen in der Stimme hinzu: „Wird das eine Pipipause mit inkludiertem Kaffee?“ Natürlich kam Team Jambo dieser Bitte nach und jeder bekam das, was er sich vorstellte: Die einen das Klo, die anderen den Kaffee und Ingrid beides!

 

Unser heutiges Ziel war Sevilla. Während der letzten 200 Kilometer bis Sevilla wurde eifrig nach erschwinglichen Übernachtungsmöglichkeiten mit unseren 5 Autos gesucht, telefoniert und gegoogelt. Schlussendlich entschieden wir uns für einen sehr spartanischen Stellplatz direkt am Fluss und in vertretbarer Entfernung zum Zentrum. Wer jetzt denkt „das hört sich aber romantisch an“, dem müssen wir diese Illusion nehmen, denn wir schliefen direkt im Industriegebiet am Hafen mitten auf einem Parkplatz einer großen Autowerkstatt. Das wichtigste jedoch ist, dass wir zusammen sind und unseren Spaß haben! Bald werden wir auch endlich wieder vollzählig sein, denn Team Blaui konnte sich am Mittag endlich auf den Weg machen. Ein großes Dankeschön und Lob geht hier an die Autowerkstatt Hin, die es möglich gemacht hat, den Opel Vivaro wieder auf Trab zu bringen. Die Entscheidung von Team Blaui kurz nach Abfahrt wieder umzudrehen, war definitiv die richtige gewesen. Und wir alle streckten die Fäuste in die Luft, als wir die gute Neuigkeit erfuhren. Birgit und Klaus stehen jetzt zwei Tage Mammutfahrt bevor und wir drücken die Daumen, dass alles reibungslos klappt und wir uns Donnerstag dann in Algeciras wieder in die Arme schließen und gemeinsam nach Marokko übersetzen können. 

Tag 2 (09.03.) Noche de Tapas

 

Aus „gemütlich den Tag ausklingen lassen“ wurde dann doch nichts mehr. Wir kamen gegen 23 Uhr ziemlich erschöpft an unserem angepeilten Supermarktparkplatz in Périgueux an und suchten recht schnell unsere selbstgebauten Schlafgemächer auf. Dick eingemummelt verbrachten wir die erste Nacht bei Temperaturen knapp über 0 °C. Am nächsten Morgen purzelten wir dann mehr oder weniger ausgeschlafen aus unseren Autos und fuhren sofort los, um an der nächsten Autobahnraststätte den wohlverdienten Morgenkaffee trinken zu können. Gerne wären wir gemeinsam mit „Team Blaui“ aufgewacht, und das nicht nur, weil sie unser gesamtes Campinggeschirr in ihrem Auto wieder nach Elzach gefahren hatten... Den ganzen Tag warteten wir auf Neuigkeiten aus der Werkstatt und als wir Weiterfahrenden dann in San Sebastián Halt machten, um ein bisschen Meeresluft zu schnuppern, bekamen wir die Nachricht, dass sich die Reparatur noch ein bisschen verzögern würde und „Team Blaui“ wahrscheinlich erst Dienstagmittag würde losfahren können. Wir sind in Gedanken die ganze Zeit bei euch und hoffen, dass es morgen dann endlich soweit ist!

Wir anderen änderten unsere geplante Route ein wenig ab und übernachteten kurzerhand in Burgos in Spanien. „Team Edeka“ schwärmte nur so von der Stadt und so parkten wir unsere Autos auf einem Campingplatz und fuhren schnurstracks in die in rotes Abendlicht getauchte Stadt. Obwohl es kalt war, vermittelte die Stadt eine warme Atmosphäre und wir konnten uns vorstellen, dass es sich auf jeden Fall lohnt, in einer wärmeren Jahreszeit wiederzukommen. Bei uns Drivern kam spätestens jetzt das lang ersehnte Urlaubsfeeling auf.

 

Gemeinsam kehrten wir in die erste Tapasbar ein, in der es leckeren Rioja und verschiedene spanische Spezialitäten zu essen gab. Wir hatten großartige Gespräche und merken immer mehr, wie wir uns aufeinander einstellen und als großes Team wunderbar miteinander interagieren. 

Tag 1 (08.03.) Kurz und schmerzlos

 

Wir können es selbst noch kaum glauben! Nach so langer Zeit der Vorbereitung, des fleißigen

Spendensammelns und der schweißtreibenden Organisation im Voraus, hieß es heute Morgen um 9

Uhr: Treffen auf dem Marktplatz. Es war überwältigend wie viele Menschen gekommen waren, um

uns zu verabschieden und uns viele nette Wünsche mit auf die Fahrt zu geben. Die Sonne bahnte sich

langsam den Weg über den Kandel und passend zum Motto „Wenn Engel reisen“, belohnte sie uns

mit ein paar Strahlen pünktlich zur Abfahrt. Durch eine Allee winkender Bekannter, Freunde, Familien

und Schaulustiger machten sich nun also 12 Engel in 6 Autos, vollbepackt mit Sachspenden,

Campingzeug, Werkzeug und Geschenken, nach einem emotionalen Abschied auf den Weg in

Richtung Gambia. Auf den Weg in Richtung ASB Health Clinic, die von Drive to Help nun schon zum

fünften Mal angepeilt wird.

Voller Elan und Abenteuerlust begann nun unsere Reise nachdem es die Tage davor noch einmal

drunter und drüber gegangen war. Ein Team war kurzfristig ausgefallen, denn mit der Gesundheit ist

nicht zu spaßen! Nein, es war kein Corona, aber dennoch fiel wie ein Donnerschlag das Urteil, dass es

den beiden Teammitgliedern nicht möglich war, am 8. März auf unsere Reise mitzufahren. Da es

mehreren Beteiligten jedoch wichtig war, dass alle Autos nach Gambia gebracht werden, fand sich

spontan ein neues Team, das sich bereit erklärte die Fahrt mit uns zu unternehmen. Und so fuhren

wir irgendwie doch vollzählig hupend und winkend los in Richtung Frankreich.

Und ich glaube hier übertrumpfen wir sogar die Driver der letzten Spendenfahrt: Kaum 200 Kilometer

gefahren, kurz vor Besançon, verlangte das „neue Team“ nach einer Kaffeepause. Dieser Bitte kamen

alle gerne nach und sprangen nichts ahnend aus ihren Autos, um die warmen Sonnenstrahlen

einzufangen. Für alle, die uns fleißig über den GPS-Live Tracker verfolgen, es war keine gewollte

lange Mittagspause, denn als „Team Blaui“ andeutete, dass sich die Kupplung gar nicht gut anhöre,

legte sich ein sorgenvoller Schleier über das ganze Team. Cheese, unser KFZler stellte nach kurzer

Inspektion auch recht schnell die niederschmetternde Diagnose: „Ihr könnt jetzt zwar noch

weiterfahren, aber die Uhr läuft von hinten ab." Alle waren geschockt von dieser Aussicht und nach

einigem Hin und Her kamen wir kurz und schmerzlos überein, dass „Team Blaui“ mit ihrem

blauen Opel Vivaro wieder die knapp 200 Kilometer zurückfahren, die Kupplung so schnell wie

möglich reparieren und uns dann in Sevilla wieder einholen solle. Wir können von Glück sprechen,

dass die Blauis ohne Panne wieder in Elzach angekommen sind und drücken alle Daumen, dass das

Problem so schnell wie möglich gelöst werden kann, damit wir unser Ziel gemeinsam erreichen

können.

Die verbliebenen Autos fuhren dann weiter, um den noch rund 500 Kilometer entfernten ersten

Rastplatz kurz vor Bordeaux noch am gleichen Tag zu erreichen. Dabei passierten wir ein Gebirge bei

dem auf einmal aus dem Walkie Talkie klang: „Bouke und Liane, sollen wir euch anschieben?“

Mittlerweile ist die Sonne untergegangen, der wolkenlose Himmel ist Regenwolken gewichen und

alle freuen sich schon darauf endlich anzukommen und diesen aufregenden Tag gemütlich

ausklingen zu lassen.

Hier ist die Abfahrt der sechs Teams an diesem Morgen vom Marktplatz in Waldkirch in Videoform festgehalten von Julian Ganter:

 

Vorbereitungen