Reisetagebuch

Das Ende vom Lied?

 

Wie war das noch gleich mit dem Marmeladenglas? Momente reinpacken und so fest zuschrauben, dass sie nie wieder vergehen können. Ich hätte gerne ein riesengroßes Marmeladenglas, dessen Kapazität die letzten 4 Wochen in sich einschließt und das hier alles nie vorbei sein lässt. Aber vor diesem wehmütigen Geschreibsel, erstmal von vorne:

Dieses Mal melden wir uns weder von  irgendeiner Grenze, noch irgendeinem Strand, auch keinem 2100 Meter hohen Pass, nein, die abenteuerlichen Zeiten sind vorerst vorbei und so ist jedes unserer Teams mittlerweile wieder sicher in Deutschland gelandet. Die einen hier, die anderen dort, verstreut über das ganze Land.

Die letzten Tage in Gambia waren ungemein intensiv. Es war ein Ankommen, ankommen an dem Ort der Ziel und gleichsam auch Ende unserer Reise bedeutete. So haben wir die letzten Tage in Banjul mit großen Doppelbetten und warmer Dusche in Nähe der Klinik verbracht, um dieser auch immer mal wieder einen Besuch abstatten zu können.

Die Stimmung in der Klinik ist herzlich und familiär und scheint so gar nichts mit den kühlen Krankenhausatmosphären zu tun zu haben, an die man sonst so denken mag. Alles ist irgendwie provisorisch und funktioniert. Die für uns überfüllte Klinik, in der sich schon mal 3 Kinder ein kleines Kinderbettchen teilen oder ein Patient nachts einfach mal auf dem OP-Tisch anstatt der Liege nächtigen muss, wird von Gudrun mit den Worten „Heute ist es gottseidank super leer“ kommentiert. Es ist unglaublich, was hier alles auf die Beine gestellt wird. Wie viele Menschen behandelt werden können und wie jeder kleine Winkel der Klinik genutzt wird, um den Menschen hier bestmöglich helfen zu können. Unsere Tage in Banjul nutzen wir daher vor allem, um einen Einblick in die Strukturen hier vor Ort zu bekommen. Am Mittwoch besuchen wir den Impftag und erleiden einen kollektiven Zuckerschock bei all den wunderschönen Babys und Kindern. Der gesamte Eingangsbereich der Klinik ist mit Frauen in bunten Gewändern und kleinen Kindern an Rücken oder Bauch bevölkert und eine von ihnen ist schöner als die andere, ein Kind niedlicher als das andere. Danke für diesen Einblick liebe Gudrun und Beatrice!

Nach dieser Reise weiß man fast gar nicht mehr, ob die Welt klein ist oder groß. Bunt ist sie, vielseitig, so facettenreich, dass einem schwindelig werden könnte und oft geworden ist. Danke an alle, die diese Reise möglich gemacht haben. Danke an den Vorstand und jeden unserer organisatorischen Helferchen, ohne die nichts von dem so hätte möglich sein können. Danke an die Spender, an jeden Einzelnen von euch und für jeden einzelnen Cent, jede kleinste Sachspende. Was einem hier wenig oder klein erscheint, eröffnet in der Klinik und für die Menschen in Gambia neue Dimensionen. 

Danke an Gudrun und Beatrice für die inspirierenden Gespräche, eure warmherzige und familiäre Art und dafür, dass ihr uns an so viel habt teilhaben lassen. Danke an euch fleißigen Leser und Mitfieberer, danke für eure Nachrichten und lieben Worte, für eure großzügige und liebevolle Unterstützung jeglicher Art. Und danke an jeden einzelnen dieser Gruppe, bei der man niemanden hätte missen wollen und jeder sein unverzichtbares Plätzchen gefunden hat. In 4 Wochen lernt man sich kennen, kratzt unter die Oberfläche und jeder offenbart seine kleinen Eigenarten, starrköpfige Adern, zartbesaitete Nerven, oder was das menschliche Verhaltensrepertoire noch alles so auf Lager hatte. Aber je mehr davon herausgekitzelt und offenbart wurde, desto mehr hat man sich auch kennen und lieben gelernt. Danke an euch. Es gibt keine Worte, die treffen können was die gemeinsame Zeit bedeutet, deswegen lasse ich es und vertraue auf ein riesiges EKLIG VIEL LIEBE und darauf, dass ihr wisst was damit gemeint ist.

Ein seltsames Gefühl wie nun jeder wieder seiner Wege geht. Zurück in die Welt vor der Fahrt, zurück in alte Strukturen und Gegebenheiten, zurück in den Alltag und das Leben davor. Aber geht das so einfach? Die letzten Wochen waren so unheimlich intensiv, als dass vermutlich noch lange nicht der Zeitpunkt gekommen ist, am dem das alles realisiert, geschweige denn verarbeitet werden kann. So viele Dinge sind täglich passiert, so viel Neues ist uns begegnet und so sehr wurde man immer wieder auf eine neue Probe gestellt. Doch wir waren nie auf uns allein gestellt, waren immer zusammen und von den anderen umgeben und haben schließlich alles, ja irgendwie alles miteinander geteilt. 

Unfassbar, dass all das nun wirklich vorbei sein soll. Aber so ist das Leben wohl, vergänglich und Zeiten wie diese immer dann zu Ende, wenn es doch eigentlich gerade am schönsten ist. Doch auch wenn diese Reise vorbei ist, sind es viele andere Komponenten nicht. Während dieser Reise wurden Freundschaften geschlossen, die man nach so kurzer Zeit eigentlich nicht für möglich halten würde. Und auch wenn die Zeit für diese Fahrt abgelaufen ist - Menschen bleiben und ich kann es kaum abwarten bis wir wieder an einem Tisch sitzen, uns die alten Geschichten erzählen und auf diese unfassbare Zeit hier anstoßen. 

Was auch bleibt und längst nicht zu Ende ist, ist die ASB Health Clinic. Die letzten Tage haben sich absolut in das Erfahrungs-Schema „nochmal ganz anders und neu“ eingereiht und uns Eindrücke von einer ganz neuen Seite gebracht. Zu sehen was mit den Geldern, jedem einzelnen Cent, den Sachspenden und der Hilfe in der Klinik bewerkstelligt werden  kann, das grenzt an ein gänsehautkribbelndes Wunder. Die Tatsache ein kleiner Teil dessen zu sein, erfüllt einen mit nichts anderem als Glück und Pipi in den Augen und auch irgendwie ein wenig Ungläubigkeit. Was Gudrun und Beatrice mit all ihren fleißigen Helferchen dort geschaffen haben, ist einzigartig und unfassbar beeindruckend. Erinnern wir uns kurz an das afrikanische Sprichwort „Viele kleine Menschen, die an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern“. Was Beatrice und Gudrun vollbracht haben ist kein kleiner Schritt, sondern ein Meilenstein. Die Geschichten, die die beiden zu erzählen haben, der Weg, der sie hier hingeführt hat, die Höhen und Tiefen, könnten viele, viele Bücher füllen und sind mehr als nur inspirierend. Nicht jeder hat den Mut und die Kraft für so einen Lebensweg, aber wisst ihr was das Gute ist? Niemand von uns muss, um etwas Gutes zu tun, eine NGO oder Klinik gründen. Vielleicht ist es unsere Aufgabe die vielen kleinen Schritte zu tätigen, die dem Meilenstein dabei helfen ein erfolgreicher Meilenstein zu bleiben und nicht auf der Stelle zu stehen. Die ASB Health Clinic ist weder ein Kurzzeitprojekt noch mit einer Spendenfahrt abgetan. Das Leben dort geht jede Sekunde weiter und auch die Anforderungen und Challenges vor die die Menschen dort immer wieder gestellt werden, nehmen weiter ihren Gang. Seien es Umweltkatastrophen, Wassermangel oder politische Einbrüche, das Leben steht nicht still und dort unten in Gambia schon gar nicht. Unsere Fahrt ist vorbei, unsere Zeit des Struggelns und Challengen ist vorbei und wir kehren wieder in ein vergleichsweise ziemlich starkes, aufgeräumtes, gesundes und sozialgesichertes Deutschland zurück. Aber diese Zeit hat Spuren hinterlassen und gezeigt, dass es nicht überall so ist und helfen gar nicht unbedingt so schwer sein muss. Also lasst uns gemeinsam weiter Teil dessen bleiben und dieses wunderbare und wichtige Projekt weiter unterstützen - egal wie, egal mit wie viel, Hauptsache wir vergessen nicht, dass eine Spendenfahrt nicht das Ende des Ganzen ist.

 

Liebe Gudrun, liebe Beatrice, Danke dass wir ein Teil von all dem sein durften und ihr dieses unglaubliche Projekt ins Leben gerufen habt. Liebe alle da draußen, danke dass ihr Teil dessen wart und seid und darauf, dass wir gemeinsam noch viele kleine Schritte an vielen kleinen Orten in die richtige Richtung tun!

 

Herzlichst, die Drive To Help Spendenfahrt 2019.

 

Tag 25 - Die Klinik (15.04.2019)

 

Wir gönnen uns heute ausgiebiges Ausschlafen bevor wir uns am Mittag auf den Weg zur Klinik machen. Das Blaulicht blinkt auf und das Signalhorn ertönt, als wir in die Straße der Klinik einbiegen. Innerhalb von Minuten strömen Krankenschwestern und Ärzte aus der Klinik, um uns zu begrüßen. Mit großem Interesse wird vor allem unser RTW unter die Lupe genommen und die Trage gleich ausprobiert. 

Es werden Hände geschüttelt und kleine Unterhaltungen geführt bevor wir uns zur Scheckübergabe und für Fotos aufstellen. 

Anschließend führen uns Gudrun und Beatrice durch die Klinik. Wir bekommen einen kleinen Einblick in das, was hier geleistet wird. Unglaublich, wie viel hier bewegt wird, und das mit so wenig Mitteln. Wir werden den Putzfrauen vorgestellt, die jegliche Wäsche von Hand waschen. Im Labor bestaunen wir das Analyseverfahren, das hier nicht maschinell, sondern noch komplett per Hand erfolgt. Wir dürfen in den Untersuchungsraum, das Zahnarztzimmer, den OP-Bereich und auf die Entbindungsstation. 

Auch treffen wir zwei Patienten, die noch vom FACE-Project da sind, Marie hatte einen Gesichtstumor und darf heute nach langer Zeit in der Klinik nach Hause entlassen werden. Greta und Sarah dürfen beim Verbandswechsel eines kleinen tapferen Mädchens mit Verbrennungen zuschauen.

Nachdem wir die Sachspenden aus dem roten Transit ins Lager getragen haben, werden anschließend noch Sponsorenfotos von den Autos und ein Gruppenfoto gemacht. 

Kurz drauf führt uns eine der Putzfrauen über den Markt und zeigt uns wo wir Essen und Stoff kaufen können. 

Für das Abendessen verschlägt es uns nach Senegambia, wo wir in einem Touri-Restaurant landen. Irgendwie ganz schön ungewohnt und unangenehm, aber auch amüsant.

Nach dem Essen fahren wir ein Stück weiter, starten eine kleine Transit-Party mit eklig viel Liebe und verbringen den restlichen Abend in verschiedenen Bars und Clubs.

 

Wir sind gespannt was uns diese Stadt in den nächsten Tagen noch so bringt, Liebe Grüße!

 

Tag 24 - Angekommen (14.04.2019)

 

Früh stehen wir auf, und begeben uns nach einer kurzen Katzenwäsche auf die Straße. Heute ist der Tag, der uns immer so weit weg erschien. Es lagen die ganze Zeit noch so viele Tage, Kilometer und Erlebnisse vor uns. Unwirklich, dass uns all die Anstrengungen, Erlebnisse und Erfahrungen der letzten Tage, Wochen  und Monate heute zu unserem Ziel führen sollen.

Wir fahren heute fast einmal durch Gambia hindurch, von Ost nach West am Südufer des Gambia-Flusses entlang. 

Etliche Checkpoints werden passiert. Entlang der Straße fahren wir immer wieder durch Dörfer, in denen wir bei kurzen Stopps schnell von Kindern belagert werden. Stück für Stück fahren wir durch dieses Land und bestaunen die Landschaft. 

Die Pipi-Pausen werden kurz gehalten, das Ziel zieht wie magisch an uns und treibt voran.

Gegen Mittag erreichen wir Serrekunda, ein letztes Mal fahren wir durch verrückten Stadtverkehr. An einem Parkplatz treffen wir Gudrun und Beatrice von der Klinik, die uns mit zu sich nach Hause nehmen. Wir werden mit einem kalten Bier auf der Terrasse herzlich begrüßt. Erste Erlebnisse werden ausgetauscht. Aber bevor wir uns völlig entspannen, müssen die Autos ausgeladen werden.

Währenddessen zaubern Gudrun und Beatrice fantastische Sandwiches für die hungrigen Mäuler. 

Unglaublich, was alles in den Autos verstaut war und amüsant, was so an scheinbar verlorenen Dingen gefunden wird.

Wir werden anschließend zu unserem Hostel gebracht und sind überwältigt von den großen Zimmern. Hier lässt es sich definitiv aushalten. Wir genießen die heiße Dusche und laufen dann zu einem kleinen Restaurant, wo Gudrun, Beatrice und die beiden Freiwilligen auf uns warten. Wir genießen ein leckeres Abendessen mit allerhand schönen Gesprächen und erzählen von unseren Erlebnissen.

Einen riesiges Dankeschön an dieser Stelle an alle unsere Spender. Die Geld- und Sachspenden sind nun an ihrem Ziel angekommen und werden hier dringend benötigt. Morgen werden wir das medizinische Material an die Klinik übergeben.

Vielen herzlichen Dank auch fürs Mitfiebern und Verfolgen auf den verschiedensten Wegen. Danke für die Gästebucheinträge und Glückwünsche aller Art, die uns erreicht haben.

Was die nächsten Tage noch so passiert, erfahrt Ihr natürlich weiterhin im Reisetagebuch.

 

Bis dahin, freudige Grüße aus Serekunda!

 

Tag 23 - Einmal durch den Senegal (13.04.2019)

 

Wir starten mit einer warmen Dusche in den Tag. Unsere Durchfahrtserlaubnis wurde nur für 48 Stunden erteilt und somit müssen wir heute die gambische Grenze erreichen. Wir rollen von der Zebrabar zurück auf die Straße und verabschieden uns von Efrahim. Über teils holprige Straßen starten wir in Richtung Senegals Süden. Die Straßen sind besser als gestern, aber teilweise immer noch von Schlaglöchern übersät. 

Wir kommen keine 200km, da fährt der graue Transit rechts ran und begutachtet den am Tag zuvor geschweißten Stoßdämpfer. Die Schweißnaht ist gebrochen und der Stoßdämpfer dadurch wieder eingeknickt. Wir fahren ein paar Kilometer weiter, hinein in die heilige Stadt Touba. Luca lässt den grauen Transit nochmals schweißen, während die anderen sich auf den Weg in die Stadt machen. Die sengende Mittagshitze führt dazu, dass wir uns die große Moschee nur von außen anschauen und kaufen anschließend Wasser und ein paar Snacks für die Weiterfahrt. 

Luca wird eingesammelt und so sind wir wieder komplett und machen uns auf die letzten 100km bis zur gambischen Grenze. 

Wir fahren durch etliche senegalesische Dörfer und eine wunderschöne Landschaft. Gegen 17:30 Uhr erreichen wir die Grenze. In teilweise harschem Ton müssen wir unsere Pässe stempeln lassen, Bilder werden gemacht und unsere Fingerabdrücke genommen. 

Kurz darauf fahren wir hinüber zur gambischen Polizei- und Zollstelle.

Die Polizisten sind alle sehr freundlich und unterhalten sich nett mit uns. Da wir über die neue Brücke wollen wird die Zeit knapp, wir müssen sie bis 19.00 Uhr erreichen.

Kurzes, freundliches und bestimmtes Geplauder mit der Zollstelle ergibt, dass nur der graue Transit seine Türen öffnen muss, dann dürfen wir in „The Gambia“ einreisen. 

Es ist 18:20 Uhr, wir haben nicht mal eine Stunde gebraucht.

Wow, dank dem vielen Papierkram, den Greta und Luca bei der Botschaft in Nouakchott beantragt haben, war dieser Grenzübergang der einfachste überhaupt. Danke, dass ihr euren Ruhetag dafür geopfert habt! 

Im nächsten Dorf, Farafenni, halten wir an, um uns mit gambischen Dalasi einzudecken. Ein netter junger Mann führt uns vom einen zum anderen Geldautomat, bis wir schließlich einen finden, der uns Geld ausspuckt.

18:50 Uhr und wir haben immer noch 8 km bis zur Brücke. Als die Straße endet, lässt Team Heidelberg alle anderen vorbei, um auf der Schlaglochpiste langsamer fahren zu können, damit dem Stoßdämpfer nicht wieder etwas passiert. 

Die anderen 4 Teams erreichen die Brücke um 19:01 Uhr. Es wird diskutiert, bis schließlich klar ist, wir dürfen hinüber und müssen in CFA bezahlen. Puh, irgendwie haben alle ihre letzten Reste verbraucht und so muss von überall her das letzte Kleingeld zusammengekratzt werden, bevor wir über die Brücke fahren. Auf der anderen Seite wird unser Ticket kontrolliert und nach kurzer Wartezeit erscheint auch der graue Transit im Rückspiegel. Alle 5 Autos sind also wieder beisammen. Im Konvoi fahren wir noch wenige Kilometer bis zu einer kleinen Stadt Soma, wo wir im Hof eines Hostels duschen und schlafen dürfen. 

Mit einem ersten, warmen Bier wird auf unseren letzten Grenzübergang angestoßen. Für Duschen bleibt keine Zeit und so machen wir uns, in mehr oder weniger frischen Klamotten, nochmals auf in die Stadt, um etwas zu Abend zu essen.

Ziemlich müde fallen wir später nach einer warmen Dusche in die Betten.

Wir sind gespannt, was uns morgen erwartet, wenn wir unsere finale Etappe antreten. 

 

Gute Nacht aus Gambia.

 

Tag 22 - Ein Tag in Saint Louis (12.04.2019)

 

Heute wird wohl tatsächlich mal ein kurzer Bericht, denn viel passiert ist nicht. Irgendwie auch mal schön, denn das heißt wir hatten tatsächlich einen ausgiebigen Ruhetag. 

Die meisten zumindest. Nach dem einige gestern Nacht noch durch die Stadt gezogen sind, reißt der Wecker Team Heidelberg ziemlich unsanft aus den Träumen.

Der graue Transit muss, nach dem er gestern den ganzen Tag durch lief, mit Starthilfe gestartet werden. Efrahim begleitet die beiden in die Stadt und führt sie zu einem Mechaniker, der Ersatzteile besorgen soll.

Die Ingolstädter sind bereits unterwegs und organisieren sich eine Sim-Karte, um eine Telefoninterview mit dem bayrischen Radio zu führen. 

Die anderen schlafen aus und genießen den Start in den Tag ohne Wecker. Jeder geht seinen Bedürfnissen und Aufgaben nach. Zum Mittagessen trifft sich der Großteil in der Stadt im Restaurant „Chez Dasso - Slow food“. Slow food wird hier ernst genommen und so warten wir zwar eine kleine Weile, das Essen wird dafür aber vor unserer Nase frisch zubereitet. 

Anschließend ziehen wir in kleineren Grüppchen durch die Stadt und erkunden die Geschäfte. Da wir heute noch ein paar wenige Kilometer zu fahren haben, treffen wir uns nachmittags wieder an unserem alten Schlafplatz, um zum neuen aufzubrechen. Diesmal ist das Ziel die Zebra-Bar, 25km südlich von Saint Louis. 

Wir brauchen nicht lange und schon rollen wir auf den großen, gemütlichen Platz. Ein kleines Paradies hier, Sitzplätze und Liegen direkt am Wasser bei Sonnenuntergang und leckeres Essen bei dem ein oder anderen Bierchen. Was will man mehr. 

Einer fehlt aber noch. Luca taucht erst gegen 21.30 am Campingplatz auf. Bei der Reparatur des grauen Transit gab es Probleme, die bis in die Nacht hinein bearbeitet wurden, aber jetzt passt alles und wir können morgen früh in Richtung Gambia starten. 

Nach 3 Wochen unterwegs ist es irgendwie unvorstellbar, dass das alles schon bald zu Ende gehen soll. Aber für Melancholie ist jetzt noch keine Zeit. Einige Tage haben wir noch zusammen.

 

Bis dahin, Gute Nacht!

 

Tag 21 - (11.04.2019)

 

Der obligatorische Einstieg: Wieder klingelt der Wecker, diesmal um 6 Uhr. Wieder ein Tag der Neues mit sich bringt, uns vor allem aber auch einiges abverlangen wird. Heute gilt es die senegalesische Grenze zu erreichen und bitte erfolgreich zu überqueren. 

Der Weg führt uns vorbei an Nouakchott und wer es gestern nicht bereits erahnen konnte weiß spätestens jetzt, dass wir uns nicht nur in einem der absolut ärmsten Länder der Welt befinden, sondern auch auf unserer Etappe ein neues Kapitel Afrika einschlagen. Unsere Meckereien über die Schlaglöcher im Atlas Gebirge erscheinen einem wie meckern über eine nur lauwarme Badewanne. Jede Straße erscheint im Vergleich wie ein 5 Sterne Hotel und unsere Autos mutieren hier nun definitiv zu Overlandern. Zwischendurch immer wieder kleine Polizeistopps, die eigentlich mehr als angenehm verlaufen, bis schließlich passiert was passieren muss und die Mauretanier ihrem Ruf alle Ehre machen: wir sollen eine Parkgebühr zahlen, da wir am Straßenrand nach der Polizeischranke auf das Komplettieren unseres Konvois gewartet haben. Nach langer Diskussion, zu der sich 4 weltbummelnde Radfahrer gesellen und wild gestikulierend versuchen uns unter die Arme zu greifen, gelingt es uns tatsächlich ohne das altbekannte Schmiergeld aus der Situation herauszukommen. 

Weiter auf den mauretanischen „Straßen“, die nichts anderes als grotesk sind, selbst für unsere Afrika Erfahrenen - was diese Wege neben Durchschütteln und zwangsweiser Hinternmassage auch noch mit sich bringen, ist eine recht trübe Einsicht: wir werden es heute vermutlich nicht mehr zur Grenze schaffen, der letzte von sieben Checkpoints an der Grenze schließt um 16 Uhr und mittlerweile ist es halb 1. Die Straßen werden immer schlechter, eigentlich ein Wunder, dass wir es ohne geplatzte Reifen oder sonstige Pannen bis hier geschafft haben. Die Straßen sind eine Mischung aus Rodeo reiten und darauf warten, wann einen der 007 Beifahrersitz aus dem Auto schleudert. Dennoch, alles klappt bis wir am Straßenrand kurz Halt machen, der RTW sich noch einmal eine Runde eingräbt und auch der Transit ein gehöriges Grummeln von sich gibt. Der gute alte Keilriemen reißt, mitsamt abgeplatzter Führungsschiene der Spannrolle. Ist ja nicht so, als hätten wir ohnehin absoluten Zeitdruck, nicht wahr?

Naja, wir haben also endlich wieder eine Panne! Ein Glück sind wir mittlerweile Profis mit stählernen Nerven, die nicht nur Schlaglöcher ignorieren und mit 80kmh drüber brettern, sondern sind mittlerweile auch in einzigartiger Weise bereit Zeit in schwierige Pannen zu investieren. Die Entscheidung ist schnell getroffen: Da der Generator so nicht mehr funktioniert und die Batterie nicht mehr laden kann, wird der Transit nun ohne Licht, Musik und alles Weitere fahren und auch der Motor wird vorerst nicht mehr abgestellt. Liebe Panne, du kannst uns mal, wir kommen auch so über die Grenze in den Senegal und auch den Weg nach Gambia werden wir schaffen.

Weiter geht es also. Wir durchqueren einen Nationalpark und Freunde Freunde Freunde, die Schlaglöcher und Rollbretter nehmen neue Dimensionen an. Vorbei an Kamelen, Wildschweinen, Ziegen und wenn der Weg mal wieder ein einziges Loch ist, wird querfeldein gefahren. Meine Herren würden wir uns über unser vorsichtiges Gegurke auf dieser Etappe lustig machen. Die Devise ist mittlerweile mal wieder: Vollgas geben und drüber segeln. Elegant ist das zwar nicht und auch das Scheppern von Geschirr und allem anderen scheint mehr bedrohlich als angenehm, aber so ist das nun eben. Irgendwie weiß man mittlerweile gar nicht mehr wohin mit all der Schönheit, all den Eindrücken, all den Veränderungen. Gestern morgen noch an Küste und Meer, mittlerweile mitten im Nationalpark auf Wegen, die keine Wege sind. Nichts um uns herum als Pelikane, Wildschweine, kleine Flüsse und wilde Natur. Es ist unbegreiflich wo wir hier schon wieder sind, wie vielseitig dieses Land ist und wie weit die unendliche Weite der Wüste nun schon wieder entfernt scheint. Viel zu schön um es würdig in Worte zu fassen. Viel zu schnell um diese ständig neuen, sich überholenden Eindrücke wahrzunehmen und zu verarbeiten. 

Trotz Schlaglöchern schaffen wir es kurz vor vier an der Ausreise von Mauretanien anzukommen. Bis auf ein paar Schmiergelder für „special agents“ schaffen wir es problemlos über die 3 Checkpoints und über den Fluss und - SIND AUF SENEGALESISCHER SEITE! Vorbei sind die Zeiten ohne Feierabendbier und so ist zumindest die erste frohe Botschaft des Tages verkündet. Nun heißt es Geduld haben und die glühende Hitze aushalten. Wir werden begrüßt von einer Kinderschar, die hartnäckig nach unseren kleinen Geschenken lechzen. Das mit dem Teilen klappt noch nicht so gut und so schwanken wir zwischen Angst um Wertsachen, Freude über die Kinder und Befremdung wegen der teilweise unangenehmen Forderungen. Irgendwann beginnt Linus eine Runde Fußball spielen und so legt sich das bettelnde an Autos Schaben und wird zu einem gemeinsamen Ballspiel. 

Währenddessen kommt einer der gefürchteten Zeitpunkte unserer Reise auf uns zu, der nicht nur in den letzten Wochen viel zerdacht und vorbereitet wurde, sondern für den auch der halbe gestrige Tag an der Botschaft investiert wurde: Zoll und Einreise in Senegal. Der Erfahrung der letzten Jahre nach erwarten wir es mit 250 Euro Schmiergeld pro Auto hoffentlich ohne weitere Komplikationen hier durch zu schaffen. Und keine Ahnung, wirklich keine Ahnung, was Greta und Luca da gezaubert haben, aber nicht nur unser riesiger Dokumentenstapel scheint Eindruck zu machen, sondern auch die souveränen Grenzgängerkünste der beiden. Mit sagenhaften 5 Euro, einem Paradoxon und absoluten Widerspruch in sich, gelingt es uns schließlich doch noch am selben Tag die senegalesische Grenze zu verlassen. Die Freude ist groß und nicht nur einige Freudentränen machen sich breit, sondern auch ein kollektives Aufatmen diese Hürde unserer Reise nun erfolgreich hinter uns gelassen zu haben.

Wieder ein Ritt in den Sonnenuntergang. Sofort begegnet uns der senegalesische Charme und so werden wir von einem neuen Kapitel unserer Reise begrüßt, dass wieder ein absolut anderes Afrika vor sich auftut. Auf den Straßen herrscht reges Treiben, überall ist es bunt, sind kleine Märkte, Tiere auf den Straßen und verglichen mit Mauretanien merken wir schnell, dass Senegal und vor allem diese Stadt wesentlich besser etabliert sind als Mauretanien. In Saint-Louis, beziehungsweise unserem Schlafplatz für die Nacht, angekommen gibt es seit vier Tagen das erste Bier! 

Angeheitert auf den ausgehungerten Grenzgängermagen machen wir uns zu 12. in zwei viel zu kleine und zerbeulte Taxen gequetscht auf den Weg in die Innenstadt. Mit von der Partie sind ein Argentinier, den wir an der Grenze kennengelernt haben und der seit 5 Jahren per Motorrad in der Welt unterwegs ist, sowie ein Norweger, der mit dem Zelt durch Afrika tourt. Schon in den ersten Minuten fühlt diese Stadt sich an wie Ankommen. Ob es nun daran liegen mag, dass die schwierigsten Hürden unserer Reise hinter uns liegen oder wir nun kurz vor Ankommen und Ende unserer Fahrt sind, man weiß es nicht - wir genießen jedenfalls die Ankunft und das erste senegalesische Dinner und taumeln schließlich beseelt aus dem kleinen Restaurant um niemand anderem als Efrahim in die Arme zu taumeln. Kleine, kleine Welt mal wieder. Während die einen noch weiterziehen und das ein oder andere weitere Feierabendbier genießen, kehrt ein Teil der Gruppe angeschlagen nach Hause. Man könnte behaupten, dass sich in der letzten Woche drei unter uns eine ordentliche Erkältung eingefangen haben, einigen uns aber kollektiv darauf, dass es sich um nichts Geringeres handelt als eine langen Sonnenstich und ordentlich viel Wüstensand in Nase und Lunge!

 

So geht ein weiterer Tag zu neige. Ein Tag an dem wir Mauretanien hinter uns lassen, durch einen Nationalpark „fahren“, ein bisschen Overlander spielen und schließlich diese unfassbar spannende Stadt im Senegal erreichen. Lieben Gruß aus Saint-Louis!

 

Tag 20 - Ruhetag in Nouakchott und am Strand (10.04.2019)

 

Ausschlafen, das ist heute nicht jedem gegönnt. Für Greta und Luca klingelt der Wecker um 7.00 Uhr. Während die anderen noch weit entfernt träumen, machen die beiden sich auf in die Stadt. Besorgt wird zuerst eine mauretanische Sim-Karte, um dann die Botschaft anzurufen. Zur gleichen Zeit gehen am Camp die ersten Autotüren auf und verschlafene Gesichter schauen hinaus aufs Meer. Dem ein oder anderen entfährt dabei auch ein glückliches „Oh wie schön“.

Es dauert nicht lange, da kommen Greta und Luca aus der Stadt zurück, bepackt mit Brot, Croissants und süßen Teilchen. Im Stehen wird gefrühstückt, bevor wir uns an den Strand in den Schatten setzen und Kaffee bestellen. Währenddessen wird die Arbeitsteilung für den heutigen Tag besprochen. Greta und Luca fahren zur Botschaft, um uns die Einreise in den Senegal zu erleichtern, Johanna kümmert sich um die Bilder und der Rest beteiligt sich an den Auto-Checks. Gegen Mittag sind beide aus der Stadt wieder zurück und haben die Dokumente, die uns helfen sollen. 

Der restliche Tag besteht aus Wäsche waschen, manch einer liest, liegt am Strand oder erkundet die Stadt. 

Gegen Abend kommen die Stadtgänger mit einem Freund von Luca zurück. Das Kochteam zaubert uns herzhafte und süße Pfannkuchen. Anschließend bekommen wir von Efrahim noch ein paar Lieder auf seiner Gitarre vorgespielt. Ein toller Abschluss für diesen Ruhetag. 

 

Wir gehen bald schlafen, morgen heißt es wieder Daumendrücken für den Grenzübergang. 

Wir sind gespannt, bis dahin.

 

Tag 19 - Wieder festen Boden unter den Füßen (09.04.2019)

 

Wieder einmal kommen die einen besser aus dem Bett als die anderen. Wir haben die Nacht in einem Beduinenzelt verbracht und uns ein großes Matratzenlager gerichtet. Greta steht früh auf, während die anderen noch ihren Träumen nachschlummern. Wach werden wir, als wir das vertraute „Flopp-Geräusch“ von unserem kleinen Gaskocher hören. Bald erfüllt Kaffeeduft das Zelt. Wow, Kaffee ans Bett, dass wir das hier an der Küste in der Sahara bekommen hätten wir wohl selbst nicht geglaubt. Danke Greta! Zum Kaffee gesellen sich die „Im-Auto-Schläfer“ dazu. Mitgebracht haben sie unsere Frühstückssachen. So sitzen und liegen wir also hier in diesem Zelt, trinken Kaffee, frühstücken Erdnussbutter, Vanille-Schokocreme, Marmelade, Keksaufstrich und hören hinter uns das Meer und die Wellen rauschen. 

Ausgiebig gestärkt schälen wir uns schlussendlich aus dem Zelt.

Kurze Zeit später fahren wir wieder durch den Sand. Die Strandetappe müssen wir leider auslassen, denn der Weg ist wohl von unserem Nachtlager aus nicht gut und die Kilometer zu viele. Also machen wir uns auf, zurück durch die Wüste zur Hauptstraße. Wir haben aus gestern gelernt und so kommen wir, mit genügend Abstand, alle relativ gut auch durch die schwierigen Stellen. Mal über holprige Wellblechpiste, dann wieder durch den tiefen Sand. Die Funkgeräte machen bei der sengenden Hitze leider bei den meisten schlapp und so kann es schonmal zu Missverständnissen kommen, bei denen wir aus 300m Entfernung aufeinander zulaufen, weil jeder der Meinung ist, der andere hätte eine Panne.

Apropos sengende Hitze, die empfindet Hadrami nicht. Den ganzen Tag legt er seine dicke Daunenjacke nicht ab. Wir schmunzeln darüber, denn die 30 Grad sind für ihn ziemlich frisch, während uns der Schweiß nur so am Körper herunter läuft. Wir halten vor einer Düne an, um ein paar Fotos zu machen und die vorgerutschten Sandbleche auf dem roten Transit zu sichern. 

Das Herz aller Crossfahrer würde bei den folgenden 100 Metern höher schlagen, es geht rechts neben der Düne hinauf und auf der anderen Seite wieder hinab. Weitere Fotos werden gemacht und Hadrami bereitet hinter dem RTW Tee für alle zu. 

Da wir noch einige Kilometer bis zu unserem Tagesziel Nouakchott vor uns haben, machen wir uns nach dem Tee auf in Richtung Straße.

Aber auch heute bleiben wir unserem Motto, eine Panne am Tag, treu. Keine 5 Minuten von der Straße entfernt, die letzte tiefe, sandige Stelle, wird der blaue VW-Bus im Rückspiegel plötzlich immer kleiner. Wir halten an und fahren zurück. Festgefahren. Herausschieben funktioniert nicht, also versuchen wir es mit schaufeln und den Sandblechen. Nach gestern wissen wir ja nun wie das geht. Aber das wäre ja alles auch zu einfach und langweilig gewesen. Wir bekommen den VW-Bus zwar hinauf auf das Sandblech, selbiges aber auch in den Unterboden hinein. Es wird gebuddelt, mit dem Wagenheber versucht das Auto hochzuheben, aber irgendwie hilft alles nichts. Ein simples Zurückschieben ist schließlich die Lösung. Das verkeilte Blech liegt wieder frei und wir bekommen durch ein bisschen Anschieben den VW-Bus zurück auf festeren Boden. 

Wir rollen einige Meter auf der Straße dahin, bis wir nochmals rechts rausfahren. Die herausgelassene Luft muss natürlich auch wieder in die Reifen hinein, denn mit nahezu platten Reifen fährt es sich auf der Straße nicht sonderlich gut. 

Der Kompressor wird ausgeladen und zu dem brummenden Geräusch gesellt sich das Motorschnurren oder eher -knattern des grauen Transits. Yannick, der später von Linus abgelöst wird, füllt in der sengenden Mittagshitze gemeinsam mit Jannis die Reifen der 5 Autos. Die anderen essen eine Kleinigkeit oder sitzen und liegen im Schatten vor und in den Autos. 

Mittlerweile ist später Nachmittag und noch immer haben wir 240 Kilometer bis Nouakchott vor uns. Im nächsten Dorf steigt Hadrami aus, wir verabschieden uns und fahren weiter durch diese karge, aber wunderschöne Landschaft. 

Eine kleine Pipi-Pause bekommt Team Karla Kolumna gewährt, bevor wir in die Nähe der Hauptstadt kommen. Während die Sonne untergeht, passieren wir einen Police-Checkpoint nach dem anderen. Auf der ewigen, ziemlich beeindruckend beleuchteten Hauptstraße fahren wir mit dem letzten Tageslicht dahin. Kurze Zeit später halten wir rechts an und Luca instruiert uns, dass wir die letzten 12km mit Warnblinklicht zurücklegen, damit wir uns nicht verlieren. Zum Glück müssen wir nicht in den Hauptverkehr der Stadt hinein, sondern können vorher auf eine unbefestigte Straße abbiegen. Sie führt uns über Schlaglöcher und durch Wassergräben direkt ans Meer bis zu einem kleinen Restaurant. Luca kennt den Besitzer und schnell ist klar wir dürfen auf dem Parkplatz schlafen und die Duschen benutzen, ein Traum. 

Alle sind ziemlich fertig. Wir essen gut im Restaurant, gehen duschen und verschwinden anschließend alle direkt in unseren Betten. Alle? Nein nicht alle, Sarah und Leon kommen nach dem Duschen nicht mehr in ihr Auto. Das Türschloss klemmt durch den vielen Sand, der in den letzten Tagen in alle Ritzen gekrochen ist. Aus den anderen Autos würfeln wir Schlafsäcke und Decken zusammen, damit die beiden in einer der kleinen Hütten hier unterkommen können. 

Zum Glück können wir morgen ausschlafen und haben genug Zeit alles an den Autos zu reparieren. 

 

Mit den rauschenden Wellen im Ohr schlafen wir ein, Gute Nacht!

 

Tag 18 - Sandburgen buddeln ist was für Anfänger (08.04.2019)

 

Was für ein Tag schon wieder! Eigentlich sollte der Wecker heute um 7 Uhr klingeln. Wie immer die Absprache, wem es als erstes gelingt sich dem Schlaf zu entreißen, dem gebührt die sagenhafte Aufgabe einmal klopfend den Konvoi abzulaufen, um so dafür zu sorgen, dass auch der Rest es einigermaßen pünktlich aus den Federn schafft. Ob es nun daran liegt, dass wir mittlerweile mitten in der Sahara sind, umgeben von nichts, rein gar nichts, außer Dünen, Sand und Himmel, oder ob uns mal wieder klar gemacht werden soll wie verdammt zeitlos das alles hier eben ist: mal wieder gestaltet sich das mit der inneren oder äußeren Uhr als nicht ganz so einfach. Jaja, anstatt auf die Sonne zu vertrauen sind immer noch unsere kleinen elektronischen Begleiter für das morgendliche Weckritual verantwortlich, aber selbst die scheinen ihre Orientierung verloren zu haben und so sagt das eine Handy eine Zeitverschiebung an, während das andere noch tief und fest mit uns in alten Zeiten schlummert. Hochmotiviert und mit einer Stunde weniger auf dem Display klopft uns Nici zum morgenmuffeligen Ärgernis munter um 6.20 Uhr aus dem Schlaf. Das Missverständnis schnell geklärt nutzen die einen ihre restlichen Minuten Schlaf, während manch andere den zeitlichen Vorsprung ein wenig auskosten. 

Der Ärger über den wieder einmal viel zu kurzen Schlaf ist schnell verloren, sobald die müden Augen langsam erblicken was da so vor einem liegt. Sonnenaufgang mitten in der Wüste, um uns herum nichts. Wirklich rein gar nichts. Wir klettern auf die nächste und höchste uns umgebene Düne und kein Wort, kein Bild der Welt, können diese unendliche Weite irgendwie fassen. Wo zur Hölle sind wir schon wieder gelandet und wie schön und divers kann diese große weite Welt eigentlich sein?

Wir brechen auf. Vor uns liegen 30 km, doch befinden wir uns nicht nur in einem anderen Zeitgefühl oder einer anderen Zeitzone, sondern fern ab von asphaltierten Straßen wieder. Der heutige Tag lautet: einmal quer durch die Sahara, über Sand und Rollbretter einfach Richtung Meer. Und auch wenn unser innerer Kompass sich nach und nach tatsächlich beinahe schon ein wenig sehen lassen kann (totaler Quatsch, kann er gar nicht, wie wir immer wieder unter Beweis stellen) ist es für das gar nicht mal so einfache „einfach Richtung Meer“ recht praktisch unseren Wüstenführer an der Spitze zu haben, der uns in etwa angibt in welche Richtung wir brettern dürfen. Wir starten mit der Sahara-Sonne, die ihrem Ruf bald alle Ehre machen soll und unsere nun elfköpfige Gruppe in Berber verwandelt, die in langen Gewändern und Turban auf dem Kopf und vor dem Gesicht durch die Wüste gleiten. Und hell yeah, macht das Spaß! Vor und hinter uns Staubwolken und wild hin- und herschaukelnde Autodächer. Herrlich, als hätten unsere Autos nie etwas anderes getan und als könne sie nichts aus der Bahn bringen, als würde niemals etwas an ihnen kaputt gehen können. Warum nicht gleich so?! 

Das Ganze hätte ewig so weitergehen können, aber diese Fahrt wäre nicht diese Fahrt, wenn sich nicht auch hier noch die ein oder andere abenteuerliche und fordernde Challenge dazugesellen würde. Als wäre dieses Gecruise nicht schon aufregend genug, fangen unsere Autos schließlich doch an sich als Allradlose europäische Straßenautos zu outen und so versinkt bei den tiefen Sandetappen ein Auto nach dem anderen im Sand. Mittlerweile haben leider auch fast alle unserer Funkgeräte ihren Geist aufgegeben, wodurch es nicht unbedingt einfach zu kommunizieren ist, ob ein Auto nun steckt oder doch nur auf die anderen wartet - denn wir lernen schnell: um zu vermeiden, dass mehr als ein Auto stecken bleibt, muss Abstand gewahrt werden, damit niemand ausgebremst wird und seinen Schwung verliert. Gleichzeitig aber muss auch auf das Fahrverhalten der anderen geachtet werden: Rollbrett oder tiefer Sand, Vollgas oder Vorsicht. Ich will nicht ins Detail gehen was wir unseren Autos da zugemutet haben und bin mir nicht sicher was lauter war, der Bass der Musik, die uns begleitet hat während wir durch die Sahara gebrettert sind, oder das rumpeln und knallen da unter unseren Autos. 

So kommt es, dass wir letzten Endes immer wieder eines der Autos im Sand entdecken und in unseren langen Gewändern auf das liegengebliebene Herzchen zulaufen um gemeinsam Hand anzulegen und mit gesammelter Manneskraft das Auto aus dem Sand zu schieben. Aber auch das reicht nicht immer. Der Sand ist tief, unsere Transits mit mindestens 3 Tonnen Gewicht beladen und so passiert es immer wieder, dass sich die Reifen einbuddeln. Schaufeln raus, ausbuddeln und noch mal schieben. Doch auch das reicht nicht und so wird Stück für Stück ein wenig Luft aus den Reifen gelassen. Wer mag es ahnen? Auch das reicht nicht. Wir stehen mitten in der prallen Mittagshitze in der Sahara während ein Auto nach dem anderen im Sand hängen bleibt und jeder kleine Erfolg schnell wieder von einem noch größeren Ausgrabungsmanöver eingeholt wird. Immer wieder buddeln und schieben wir, und schließlich heißt es auch immer wieder die Sandbleche von einem der anderen Autos abzuschnallen und zum steckengebliebenen zu tragen. Auch Wagenheber und Holzblöcke werden eingesetzt und viel kreative und muskulöse Manpower, um schließlich doch noch irgendwie eine Lösung zu finden das Auto erfolgreich aus dem Sand zu befreien. Trotz literweisem Wasserkanisterleeren und Turban auf dem Kopf fällt es langsam schwer einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Sonne steht stechend und prall direkt über uns und lässt keine Möglichkeit wenigstens kurz im Schatten zu verweilen. Und als wäre das nicht schon genug, hätte sich nicht jeder von uns bereits eine gute Portion Sonnenstich eingefangen, steht nachdem wir ihn gerade aus dem Sand befreit haben unser grauer Transit vollkommen überhitzt still und sagt STOPP. Eine Kamelherde zieht an uns vorbei als sei es das Normalste der Welt und überholt uns, während wir uns eingestehen, dass die Nerven nun tatsächlich einmal blank liegen. Es ist heiß, stechend heiß, die ersten sitzen schon mit Schwindel und Beinen hoch halb unter den Autos, verzweifelt auf der Suche nach Schatten und wir haben die letzten drei Stunden sagenhafte 3 km hinter uns gelegt. Wenn das so weitergeht werden wir es tagsüber nicht mehr aus der Wüste schaffen und irgendwo in diesem dürren Nichts hängenbleiben. Und bei wessen Optimismus noch nicht der Stecker gezogen wurde, der bekommt Nachhilfe von der Situation unseres grauen Transits, die tatsächlich bedeuten könnte, dass wir den ersten Kolbenfresser haben - und das, das wäre dann zumindest für den grauen Transit das Ende dieser Reise. Passend zu diesem Ambiente, dieser Stimmung und Situation, kreisen (kein Witz) die ersten Krähen über uns und gesellen sich zu dieser Endzeit-Szene von grauem Transit und kollektiver Laune. Ist das nun das Ende?

Ihr kennt unsere Höhen und Tiefen mittlerweile vermutlich mehr als gut, also: Nein, das ist natürlich nicht das Ende, auch wenn es sich kurzzeitig so angefühlt hat. Aber auch der Transit kann schließlich gerettet werden und an dieser Stelle muss ein riesiges, aufrichtiges DANKE an Linus, unseren Helden des Tages, verteilt werden, der nicht nur immer wieder unter die Autos gekrabbelt ist oder wild geschaufelt hat, sondern vor allem derjenige war, dem nie das freche Grinsen aus dem Gesicht gefallen ist und der trotz miesepetriger Mitgesandter immer wieder einen Spruch auf Lager hatte und so nicht nur die Autos gerettet hat, sondern vor allem die allgemeine Stimmung. Fazit und Lehre des Tages: Geht es dir mal richtig schlecht, Handy raus und Linus anrufen. Und spätestens bei der Feststellung „Na gottseidank passieren uns die meisten Pannen und Abschiebeactions nicht an dem heißesten Punkt dieser Reise. Mitten in der Wüste und mitten unter der am höchsten stehenden Mittagssonne….“. 

 

Der letzte Hänger passiert sage und schreibe 10m bevor wir schließlich endlich den heutigen Schlafplatz erreichen. Ein Platz an der Küste mit ein paar Beduinenzelten, an denen wir nicht nur unser Lager aufschlagen werden, sondern in denen wir tatsächlich auch nächtigen werden. Wohlverdient kommen wir tatsächlich schließlich vor Sonnenuntergang an und ertränken unsere schweißtriefenden Körper im salzigen Meer. Ein Glück entdecken wir erst eine halbe Stunde nachdem wir wild im Wasser schwimmen, tauchen und toben, dass unter uns der ein oder andere Stachelrochen geschlummert hat. Betonung auf HAT.

Nach einer wohlverdienten kalten Eimerdusche und traditioneller Teeprozedur sitzen wir nach Sonnenuntergang schließlich im Beduinenzelt und werden mit frischem Fisch und Garnelen direkt von der Küste dieses kleinen Fischerdorfes bekocht. Erst unter Sternenhimmel, dann dem Baldachin unseres (kein Scherz) mit Louis Vuitton verzierten Beduinenzeltes, findet auch der heutige Tag schließlich ein Ende. Ein großer Teil der Gruppe lässt es sich nicht nehmen und startet kurzerhand ein kleines Matratzenlager auf den bunten Matratzen - Gute-Nacht-Geschichte inklusive.

Über zwei Wochen sind wir mittlerweile unterwegs und mitten in der Wüste angekommen. Die Tage in der Sahara waren zumindest für den einen oder anderen ein erstes Mal durchatmen, das Ganze auf sich wirken lassen. Trotz der unfassbar anstrengenden Tage durch Sandsturm, Hitze, Schlaglöcher und Sandlöcher, gab es immer mal wieder den einen Moment runterkommen. 10 Minuten Stille, Ein Blick in die Weite und ein kleiner Moment dem Wirrwarr im Kopf ein wenig Raum zu geben, bevor es wieder weitergeht. Die Ereignisse der letzten Tage und Wochen haben sich immer wieder und wieder überschlagen. Was vor 2 Wochen in Spanien passiert ist, fühlt sich an wie aus einem ganz anderen Kapitel, unfassbar weit weg von all dem hier. Und auch das im Hier und Jetzt leben hat in den letzten Tagen immer wieder eine neue Bedeutung bekommen. Wir bleiben überwältigt und gespannt was uns die kommenden Tage erwartet und freuen uns der ASB Health Klinik tatsächlich langsam ein gutes Stückchen näher zu sein.

 

Gute Nacht und bis morgen - over and out!

 

Tag 17 - Grenzgang und erste Nacht in der Wüste (07.04.2019)

 

Der Wecker klingelt früh, im Dunkeln ziehen wir uns an, putzen Zähne und schnappen uns eine Box mit Hirse und Zimt zum Frühstück für unterwegs. Wir starten am Police-Checkpoint vorbei in Richtung Mauretanien, immer die Küste entlang. Langsam wird es hell und wir sehen wieder die Weite der letzten Tage um uns herum. Kurze Pinkelpausen, Tanken, Rocket-Juice. Gegen 12:30 Uhr erreichen wir mehrere Police-Points, Zollstellen und Passkontrollen. Wir sind an der Grenze angekommen. Die Ausreise aus Marokko gestaltet sich als relativ einfach. Wir werden durch einen Scanner gelotst und Hecktüren müssen geöffnet werden. Wir bekommen die Ausreisestempel und dürfen ins „No mans land“ fahren. Viel haben wir uns vorgestellt, aber das toppt unsere Erwartungen. Die ersten Meter schlängeln wir uns mit Gegenverkehr an der langen LKW-Reihe vorbei, dann hört die Straße plötzlich auf. Wir müssen über holprige Wege, wenn man das überhaupt so nennen kann, 2 km bis an die mauretanische Grenze. Zum Glück haben wir unseren Wüstenführer Hadrami dabei, der uns mit seinem alten Mercedes vorne weg fährt. Ziemlich bald können wir unsere Autos im Sand ausprobieren und prompt bleibt der rote Transit stecken. Na super, genau hier in diesem Niemandsland für das einen immer geraten wird so schnell wie möglich durchzufahren und auf keinen Fall anzuhalten und auszusteigen. Aber was bleibt uns anderes übrig. Geballte Men- und Womenpower und ein paar Sekunden später rollt der Transit weiter auf dieser holprigen Straße. Wir fahren an vielen Autoreifen, Wracks und Müll vorbei. Schon beeindruckend das alles mal zu sehen, dennoch sind wir froh, als wir die mauretanische Grenze erblicken. Wir werden auf die Seite gelotst und müssen ein weiteres mal unsere „Fiche“ abgeben und die Kofferräume öffnen, ein Hund fegt durch den grauen Transit und stellt alles auf den Kopf. 

Von Hadrami werden wir zur Visa-Stelle geleitet und müssen uns in die Reihe stellen. Eine ganze Weile stehen wir an die Wand gepresst da, um jeden Zentimeter Schatten auszunutzen, bevor wir in den kühlen, verdunkelten Raum gebeten werden. Wir müssen unsere Fingerabdrücke abgeben, ein Foto machen lassen und warten kurz. Dann halten wir unsere Reisepässe inklusive mauretanischem Visa in den Händen. 

Wir fahren ein Stück weiter zur Polizeistelle und anschließend noch ein Stück weiter zum Zoll. Hadrami hilft uns bei dem Papierkram und wenige Stunden nach Verlassen von Marokko sind wir in Mauretanien. Wow, das lief wirklich ziemlich entspannt.

Wir fahren wenige Kilometer weiter bis uns Hadrami nach links von der Straße führt. Durch Sand und auf Straßen, die uns einen ersten Vorgeschmack auf die Wellblechstraßen bieten, fahren wir zur „Versteckten Düne“. Hadrami meint, hier sei es nicht so schön und er kenne eine andere Düne, nicht weit von hier. Also fahren wir zurück auf die Straße, von der wir schon bald wieder abfahren. Es geht über holprige Bodenwellen, durch Sand, um kleine Büsche herum bis vor an eine große Sanddüne. Eigentlich wären wir jetzt da, der rote Transit möchte aber nochmal Aufmerksamkeit und bleibt zwei Meter vor dem Schlafplatz nochmals im Sand stecken. Geballte Kraft ist angesagt und so haben wir ihn auch diesmal schnell aus dem Loch draußen. 

Nun werden Pläne für das Nachtlager geschmiedet. Es ist recht stürmisch und der Sand in der Luft macht uns zu schaffen. Nach einigem hin und her stehen wir. Ein U, geformt aus RTW und den beiden Transits, hinten dran der VW Bus und Doblò, geschützt mit einer Plane. 

Das Lager steht also und was macht man, wenn man eine riesengroße Sandburg im Garten stehen hat? Richtig, viel viel sandeln. Wir laufen, mehr oder weniger schnell, auf die Düne hinauf und sind erstmal geplättet. Nicht wegen der Anstrengung, sondern wegen des unglaublichen Ausblicks. In alle Richtungen erblickt man ewig weit nichts außer Sand, Steine und ein paar Sträucher. Wir hopsen die Dünen runter, ringen miteinander und genießen diese unglaubliche Schönheit der Natur. Ganz klein sehen wir unten unser Lager. Verrückt wo wir hier gelandet sind. 

Langsam begeben wir uns wieder hinab und werden von Hadrami auf einen Tee in eine kleine Schutzhütte eingeladen. Der Tee ist stark aber sehr gut. Um den Tag abzurunden zaubern Jannis und Leon wieder einmal ein leckeres Abendessen für uns. Mit dem wunderschönen Sternenhimmel begeben wir uns zu Bett und freuen uns auf die nächsten Tage in der Wüste.

 

Sternen-Wüstengrüße aus der Sahara!

 

Tag 16 - Vorbereitung auf die Wüste (06.04.2019)

 

Der Ruhetag beschränkt sich heute tatsächlich aufs Ausschlafen. Wir verbringen den Vormittag mit frühstücken und planen, was denn alles erledigt werden muss. Um alles rechtzeitig vor morgen zu schaffen teilen wir uns auf. Johanna setzt sich in ein Café um die Bilder der letzten Tage durchzugehen und zu bearbeiten. Tim, Linus und Yannick bilden heute unser Mechaniker-Team und gehen alle Autos durch, schrauben Dachträger fest, checken Wasser und Ölstand und ziehen unsere Räder nochmals fest. 

Der Rest begibt sich auf den Weg nach Dakhla, um die letzten Einkäufe zu erledigen. 

An Straßenständen werden Gewänder und Tücher als Turban und Kopfbedeckung für die Wüste gekauft. In einem Supermarkt, der zwar klein ist, aber alles hat, kaufen wir die ersten Snacks ein. Auf dem Markt kommt frisches Obst und Gemüse, sowie Trockenfrüchte dazu. Zum Schluss decken wir uns noch mit Wasser ein. Der Transit der Heidelberger wird also mit sage und schreibe 200L Wasser beladen. Genug für die nächsten drei Tage, denn Wasser ist in der Hitze enorm wichtig und in Mauretanien teurer. 

Auf dem Rückweg beobachten wir aus dem Auto heraus die Kitesurfer in der Lagune und unterhalten uns darüber, was uns wohl in den nächsten Tagen erwartet. 

Zurück am Camp wird gleich angefangen zu kochen, denn mittlerweile ist es schon Nachmittag. Alle anderen versuchen das unvermeidliche Chaos nach zwei Wochen in ihren Autos zu beseitigen. Mit Handfeger wird der Dreck hinausbefördert und anschließend Wasserflaschen und Essen untergebracht. Vor der unliebsamen Aufgabe die Moskitonetze anzubringen hat sich bisher jeder gedrückt, aber damit ist jetzt erstmal Schluss. Mit Hilfe von Magneten, Tacker und Klebeband gibt jeder sein Bestes und hüllt sein Bett in einen Moskitonetzbaldachin. 

Zwischendurch wird etappenweise gegessen. Während die einen abspülen erledigen andere die letzten Checks an den Autos oder räumen unser Lager auf, denn dafür bleibt morgen früh wohl keine Zeit mehr. Wir wollen früh das Camp in Richtung Mauretanien verlassen und so legen wir uns alle relativ bald schlafen, um ausgeruht zu sein für den langen Tag morgen. Dickes Danke an die fabelhaften Köche des abends: Jannis & Greta! 

 

Drückt uns die Daumen, dass an der Grenze alles gut geht. Gute Nacht!

 

Tag 15 - Ich glaub wir haben ein Rad ab (05.04.2019)

 

Der Wecker klingelt und wir schälen uns mehr oder weniger frisch aus den Betten und Autos. Zum Frühstück gibt es Müsli, das restliche Geschirr wird abgespült, zähnegeputzt und los geht es. Wir fahren ein paar Kilometer an die nächste Tankstelle. Die Autos werden nochmal vollgetankt, was hier ziemlich billig ist. Den obligatorischen Kaffee dazu gibt es natürlich auch. Doch wie bleiben unserem Motto treu, ein paar Kilometer weiter fährt der Transit der Heidelberger plötzlich rechts an den Straßenrand. Eine Panne am Tag, diesmal ein platter Reifen. Was sich beim Fiat als schnelles, leicht zu lösendes Problem entpuppt hat, braucht bei dem großen und ziemlich schweren Transit deutlich länger. Die, die nicht am Reifenwechsel sind, frühstücken nochmal, fotografieren die vorbeiziehenden Dromedare und verarzten kleine Blessuren der Mechaniker. Nach einer Stunde kann es endlich weitergehen. 

Die Landschaft durch die wir fahren ist eine endlose Weite, die Straße macht nur wenige Kurven. Ach die Straße... Damit es nicht langweilig wird, wechselt sich der autobahnähnliche Asphalt mit abgefahrenem Teer und Schotterpiste ab. Regelmäßig spielen wir „Finde das kleinste Schlagloch“. Wir hangeln uns also vom einen Police-Checkpoint zum anderen und durchqueren dieses Land immer an der Küste entlang in Richting Dakhla. Zu Mittag gibt es heute Tajine an der Tankstelle, mit, ihr könnt es euch sicher denken, natürlich einem Kaffee danach.

Ein paar Kilometer von unserem Platz für die Nacht entfernt fahren wir mit unserem Konvoi raus auf die Klippe, um ein paar schöne Fotos zu bekommen. Die Autos werden hin und her gefahren, bis das Motiv passt. Derweil schauen wir uns die Klippen und das weite Meer an. 

Nach einer Stunde sind alle Fotos im Kasten und wir machen uns an die letzten Kilometer in Richtung Dakhla. An einem kleinen Tankstellenkiosk werden die Wasser- und Snackvorräte eingekauft. 25km vor Dakhla fahren wir um eine kleine Erhebung in der Landschaft und erblicken plötzlich hunderte von Kitesurfern, die in einer Lagune den Wind und das Meer genießen. Wir bauen unser Lager auf und laufen an den Strand. Tief ist das Wasser hier gerade nicht, bis das Wasser hüfttief ist muss eine kleine Wanderung hingelegt werden. Zurück am Camp wird von unseren Köchen mal wieder ein leckeres Abendessen gezaubert.

 

Gute Nacht, bis morgen.

 

Tag 14: Der Mensch (04.04.2019)

 

Bevor der Wecker die Hiobsbotschaft vom Aufstehen um 06.00 Uhr verkünden kann, trommelt der peitschende Regen auf unsere Autodächer und weckt in jedem von uns den Traum gemütlich zu diesem Regengeprassel noch ein wenig weiterschlummern zu dürfen. Schnell ausgeträumt heißt es nun aber raus aus den Federn, schließlich wollen heute noch die ersten Kilometer Westsahara durchquert werden. Mit dem mehr oder minder schwungvollen Aufreißen unserer Schiebetüren verabschiedet sich auch der prasselnde Regenschwall, der wohl tatsächlich schlicht unsere natürliche Weckfunktion übernehmen wollte. Jaja, innere Uhr und natürlicher Kompass, Mensch und Natur passen sich eben an. 

Und ja ihr lieben Mitfieberer da draußen, selbstverständlich werden wir auch heute mit einer obligatorischen Tages-Panne gesegnet, das gehört schließlich mittlerweile zum Programm. Aber - ein großes Aber - wir sollten in den letzten Tagen, wenn man nicht bald schon Wochen sagen kann, unter Beweis gestellt haben, dass uns nichts mehr aus der Fahrbahn wirft, schließlich ist niemand mehr Pannenprofi als unsere DriveToHelp 2019 Crew. Tiefenentspannt, als sei es das Alltäglichste der Welt, gibt Team Ingolstadt durch die Funke soeben das sagenhafte Spektakel beobachtet zu haben, wie Team Karla Kollumnas Reifen glorreich in sich zusammenschrumpft. Wir, als Team Karla Kolumna, waren somit kurzzeitig unseres Status als rasende Reporterinnen enthoben, aber keine Sorge, die Aufgaben hier sind klar verteilt und so haben Yannick und Linus unseren Dobló in Windeseile von seinem lahmen Hinterteil befreit und einen neuen Reifen drangeschraubt. Mit dem Kompresser, einmal von der einen zur anderen Straßenseite gelegt, wird auch dieser Reifen wieder fit gemacht und so können uns schnell wieder rasende Reporterinnen nennen. Und wie lang hat’s gedauert? Nein nein, keine stundenlange Verzögerung, sagenhafte 20 Minuten rollen wir wieder auf den Straßen der Westsahara entgegen. Da der April seinen Job insofern tut, als dass alle Pannen nicht mehr als kleine Anekdoten sind um unsere Spannung, Erlebnisvielfalt und Reisetagebuchberichte zu füttern, findet das alles auch weder neben einer Autobahn noch einem staubigen Bordsteinstreifen irgendwo in einem marokkanischen Vorort wieder - alles schon gehabt, wenn ihr euch erinnert und ein bisschen nach hinten blättert. Die Kulisse dieses Schauspiels findet sich zwischen sandig steinigen Dünen wieder, orange leuchtend, da wir heute ja tatsächlich früh gestartet sind und uns somit im sonnigen Tagesbeginn befinden. 

Wieder gestartet lichtet sich langsam der Vorhang bezüglich der immer näher kommenden Wüste. Berge werden zu Dünen, Steine werden zu feinem Sand und schließlich haben wir auch die berühmte Küstenstraße erreicht. Links neben uns braches staubiges Sandgelb, einzig vereinzelte Bäume oder Kamel-Warnschilder gesellen sich zum Landschaftsbild. Rechts hohe Klippen und schaumige Wellen, die gegen die Klippen schlagen. Zu beiden Seiten eine schier unendliche Weite, die gemeinsam mit dem blau stechenden Himmel und der mittlerweile auch immer stechend heißeren Sonne in ihrer Mischung aus blau, gelb und weiß um die Wette strahlen. Ja, wir sind in der Westsahara angekommen. Wüste wir kommen, und wenn mit Pannen, dann bitte solche wie heute! 

Schwer zu sagen was schöner ist. Über die gerade Küstenstraße der Westsahara brettern und den Konvoi dabei zu beobachten, wie sich nach ihm hohe Staubwolken auftun, oder unsere kleinen Stopps zwischendurch. Wie die Kinder tollen wir durch die hohen Dünen und eröffnen eine interne Meisterschaft im Dünenweitspringen. Wir finden einen alten rostigen Schlitten, dessen Funktionstätigkeit zwar eigentlich nicht erzählenswert ist, aber wer erzählt schon nicht gerne in der Wüste mit einem alten Schlitten dem Meer entgegengebrettert zu sein? Es ist kaum zu glauben wie sehr sich das Landschaftsbild in den letzten Tagen verändert hat. Gerade noch thronen wir auf sagenhaften 2100 Höhenmetern und nun sind wir bereits mitten in der Wüste. 

Der nächste Stopp kommt den Leuten zugute, die im Nachhinein wohl murmeln müssen „Ja, Mama, du hattest recht“. Wer im Gegensatz zu den anderen nicht klug oder weise vorausschauend eine wüstentaugliche Sonnenbrille mit ins Gepäck gepackt hat muss das hier definitiv nachholen.

Wir fahren weiter. Stundenlang nichts als unendliche Weite, unser Konvoi, Schlaglöcher und Staubwolken und das ein oder andere entgegenkommende Auto. Wieder ein Ritt in den Sonnenuntergang, es scheint zur Tradition zu werden. Unser Ankunftsort ist ein Campingplatz mitten in der Westsahara, der wohl mehr einem sandigen Parkplatz gleicht. Ja ab nun beginnen neue Zeiten, sandige Zeiten und Zeiten in denen einem die unendliche Größe, Weite und Vielfalt dieser Welt vielleicht erst so richtig klar werden. Da wir mit der Dämmerung ankommen, beginnt sich langsam das zu lichten, worauf der ein oder andere schon die gesamte Zeit hinfiebert: der unendliche Sternenhimmel in der Westsahara. Da wir die wohl einzigen Menschen beziehungsweise parkenden „Camper“ hier sind, nutzen wir den Platz und finden uns in einer gemütlichen Kreisformation des Konvois wieder. Zwischen den Autos werden Lichterketten gespannt, in der Mitte unsere Bänke und Tisch aufgestellt und mal wieder ein gemeinsamer Abend genossen und die letzten Eindrücke ein wenig Revue passieren lassen.

Was am späten Abend noch passiert, das grenzt so ein bisschen an einen Traum. Einen ganz schön verrückten Traum, als hätten wir unsere Malaria Prophylaxe bereits eingenommen und die bekannten Nebenwirkungen fänden ihre volle Entfaltung. Ein kleiner Teil der Gruppe schafft es noch nicht sich vom Sternenhimmel ins Auto zu verabschieden und so sitzen wir - Luca, Yannick und Johanna - noch eine gute Weile unter Lichterketten und Sternenmeer in Mitte unserer kreisförmigen Konvoi-Formation. Wir sind weit und breit die einzigen Menschen auf diesem gottverlassenen Campingplatz mitten in der Westsahara, bis sich irgendwann ein Franzose und ein Spanier zu uns gesellen, die ab sofort unsere einzigen Nachbarn sein werden. Irgendwie beruhigend nicht so ganz alleine hier zu stehen und tatsächlich sind die beiden auch die ersten richtigen „Reisenden“, die wir auf dieser Fahrt treffen. Die zwei haben sich von Spanien auf ihren Fahrrädern auf den Weg gemacht mit dem Ziel den Senegal zu erreichen. Zwei Monate radeln sie schon durch die Kulissen, die wir in den letzten zwei Wochen hinter uns gelassen haben und so werden sich gegenseitig Geschichten und Anekdoten erzählt, Tipps gegeben und auch unsere zwei letzten Bierdosen finden eine schöne Verwendung. Tatsächlich stellt sich heraus, dass die beiden 20km von dem Ort in Nordspanien gestartet sind, an dem wir 3 Tage zwangspausieren mussten. So viel zum Thema unendliche Weite; wie groß und klein diese Erde mal wieder ist. 

Auch wenn das schon ein schönes bisschen verrückt war, fängt der verrückte Traum erst ein paar Momente später an. Als wir vorhin unser heutiges Nachtdomizil erreicht haben, verkündet der Aufseher, dass es heute Nacht laut werden könnte. Er zeigt auf 4 große Berberzelte, deren sandiger Grund mit vielen rot-bunten Teppichen ausgelegt ist. Irgendwas mit Musik, versucht er uns zu erklären. Wir nicken ab und rechnen eigentlich nicht mehr so wirklich damit, dass hier heute Nacht noch etwas Großartiges vonstatten gehen wird, da selbst gegen 23 Uhr noch immer nicht viel passiert ist. 

Während unserer Begegnung und Zusammensein mit den beiden Radlern erhellt sich die Szene der 300m entfernten Zelte allmählich. Wir hören traditionelle Musik und entscheiden uns schließlich der immer größeren Neugier nachzugeben. Langsam pilgern wir auf die Zelte zu. Die Musik wird lauter, arabische Stimmen und ein Feuer in der Mitte. Was uns erwartet gleicht der Szene eines Theaters, das in keinster Weise an Bühnenbild, Kostümen oder Requisiten gespart hat. Circa 30 Männer sitzen in den Zelten, von allen Wänden hängen rote Teppiche. Die Männer, sitzend auf Kissen und Teppichen, trinken Tee aus silbernen traditionellen Kännchen und Gläsern, zwischen ihnen immer mal eine Wasserpfeife, die sich grüppchenweise geteilt wird. Viele von ihnen in langen, weiten Gewändern. Große Augen unsererseits und die Frage: Wo zur Hölle sind wir hier?! Wir finden uns inmitten der Westsahara wieder, nichts um uns herum außer ein, zwei Häuser, der funkelnde Sternenhimmel und diese Zelte. Wir sind mitten unter den Sahawis, dem traditionellen Volk der Westsahara. Zwei Männer kommen auf uns zu und gäbe es da nicht diesen schummrig machenden Sonnenstich vom heutigen Tag, wäre zumindest ich als Frau definitiv nicht so locker geblieben wie wir es dann tatsächlich waren. Die zwei Männer überzeugen uns freudig und herzlich davon sich doch zu ihnen zu gesellen und unter ihnen Platz zu nehmen. Ein Mann spielt etwas Undefinierbares, einem Keyboard gleichend, und wird vom Gesang eines anderen Mannes im langen weißen Berber-Gewand dazu begleitet. Auch für die Musik fehlen irgendwie die Worte. Traditionell und festlich, tanzbar und wie das alles hier irgendwie wie im Traum. 

Kaum sitzen wir mit in dieser halbkreisartigen Bevölkerung des Zelts, da kommt von links ein Mann mit einem silbernen Tablett vorbei und serviert jedem ein Glas Milch oder Saft. Erst irritiert und unsicher ob auch uns diese Ehre gilt, werden wir schnell und freundlich aufgefordert uns zu bedienen und richtig an dieser zeremonienartigen Szene teilzuhaben. Mir ist schwindelig und ich weiß nicht, ob es an Sonne, Wein oder dieser unglaublichen Musik liegt. Es folgt eine zweite Runde, nun werden zu Taschentüchern süße und wieder undefinierbare Köstlichkeiten serviert, die einer bunten Mischung von Praline, Nuss, getrockneter Frucht und viel, viel Zucker gleichen. Im dritten Gang werden getrocknete Datteln serviert, die in einer Geschmacksexplosion alles übersteigen, was man je mit leckeren Datteln in Verbindung bringen würde. Ob das nun am Sonnenstich oder wirklich an den Datteln liegt, darüber lässt sich wohl streiten. Ich will es an dieser Stelle aber nicht, da mir selbst beim Schreiben dieser Zeilen eigentlich nur noch mehr klar wird, dass wir drei vermutlich eine sonnenstichgetränkte blühende Fantasie haben und es sich bei all dem hier definitiv um einen Traum handelt. Aber was haben verrückte Träume so an sich? Genau, sie gehen so lange weiter, bis es vollkommen abstrus und grotesk wird, sodass man schließlich aus seinem bunten Dornröschenschlaf erwacht.

Doch noch ist nicht Zeit aufzuwachen, der Traum geht also weiter. Während wir das Schauspiel vor uns so beobachten und mit unseren zehn großen Äuglein und heruntergeklappten Kinnladen die Szenerie betrachten, wird allmählich klar worum es sich bei der Musik genau handelt. Zwei Männer mit langen und weiten Gewändern tanzen nun in der Mitte des Kreises. Der Tanz, wieder undefinierbar, äußert sich vor allem darin, dass die Arme weit ausgebreitet werden, als würden die Tanzenden als Adler über eine Landschaft gleiten. Die Gewänder sind so weit, dass sie sobald die Arme ausgebreitet werden den Mann in einen Pfarrer verwandeln, der mit ausgebreiteten Armen einem weißen Viereck gleicht. Nach ein paar Minuten entledigen sich die Männer ihres Gewands und erteilen einem anderen in unserem Halbkreis die Ehre, indem sie ihn mit dem Gewand bekleiden.

Plötzlich kommt einer der Tänzer auf unseren spanischen Radler zu und die vermutlich erste Fata Morgana der Wüste spielt sich da vor uns ab. Auch ihm wird nun das Gewand übergezogen und so schreitet auch er in die Mitte des Zeltes. Anfänglich ein wenig irritiert, fassungslos und überfordert, dann aber so, als sei es das Normalste dieser Welt hier mitten in der Wüste unter traditionellen Sahawis zu traditioneller Musik um ein Feuer zu tanzen. Er tanzt mit ausgebreiteten Armen, vor unseren ungläubigen Blicken und absoluter Überforderung. Ein anderer Mann gesellt sich zu ihm und so tanzen sie gemeinsam bis es wieder heißt die Gewänder an zwei andere Menschen im Kreis zu übergeben. Ungläubig darüber was hier gerade passiert, dauert es keine zwei Runden bis auch Luca und der Franzose mit dem Gewand bekleidet werden und ebenfalls tanzen müssen. Ich denke ich kann für uns beide sprechen: Yannick und ich sitzen schwindelig schummrig und unter ungläubigem Tränenlachen, viel Augenreiben und heraustanzenden Pupillen auf unserem Teppich und können irgendwie so gar nichts mehr richtig begreifen. Liebe Leute, was passiert hier gerade?

 

Ganz schön viele Zeilen bisher, ich weiß. Aber ohne diese ganzen Details nehmen vermutlich nicht einmal wir selber diesen Geschehnissen ihren Realitätsanspruch ab. Da unser Motto der Reise bisher ja bekannterweise lautete, auf alles immer noch etwas draufzusetzen, ist der Roman an dieser Stelle tatsächlich noch nicht zu Ende. Aber ein paar Sätze vorab.

Die letzten Tage haben deutlich gemacht, dass wir uns nun wirklich in einem anderen Teil und Kontinent, vor allem aber in einem anderen Kulturkreis dieser Erde befinden. Kaffee bestellen war für uns Frauen leider nicht immer gerne gesehen und möglich. Auch bei den immer wieder auftauchenden Polizeicheckpoints in der Westsahara wird einem als Frau nicht immer in die Augen geschaut. Eine andere Kultur, das war uns allen klar, trotzdem ist es ein anderes Gefühl diese Blicke am eigenen Leib zu erfahren. 

Denken wir uns zurück an die Szene des verrückten Traums in der Wüste. Es ist wohl unmissverständlich klargeworden, dass es sich bei den 30 Sahawis ausschließlich um Männer handelt, weswegen die nun folgenden Geschehnisse eigentlich nur noch unfassbarer erscheinen mögen. Als einzige Frau, europäisch und in keinster Weise verschleiert, wurde auch ich eingeladen diese Szene zu teilen. Auch mir wurden Tee und Datteln serviert und so kommt es schließlich, dass einer der Sahawis auf mich und Yannick zukommt und auch uns bittet sich von ihm bekleiden zu lassen, um anschließend ebenfalls in der Mitte zu tanzen. Schwindel und Ungläubigkeit sind gar kein Ausdruck für unseren Gefühlszustand, aber tatsächlich tanzen schließlich auch wir inmitten dieses Schauspiels. 

Es ist verrückt und in keinster Weise in Worte zu fassen was in dieser Nacht mitten in der Westsahara unter Sternen und Sahawis passiert ist und sicherlich einer dieser Momente, die man nicht schnell wieder vergessen wird. Eine Reise wie diese, durch verschiedene Länder und Kulturen und auch ein Stückchen jenseits von Standard, Klischee und Tourismus, bedeutet sich auf Neues einzulassen und sich überraschen zu lassen. Für mich als einzige Frau bedeutete es heute sich mit eigenen Vorurteilen auseinanderzusetzen und sie zu hinterfragen. Als wir uns in dieser Nacht schließlich von allen verabschieden, jedem der Männer die Hand geben und sie unter den Worten „Shukran“ auf unser Herz legen, begegnet uns vor allem eine Sache: Menschlichkeit. Eine Begegnung zwischen Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen, absolut konträrer Sozialisierung und letzten Endes auch verschiedenen Vorurteilen. Aber all das hat heute keine Rolle gespielt. Als sich herausstellt, dass wir wohl mitten in einen Junggesellenabschied der Sahawis gestolpert sind, erscheint es nur noch verrückter, wenn man sich vorstellt dass unter all jenen Männern auch eine junge, blonde, mit nichts als einem Kapuzenpulli verhüllte Europäerin ums Feuer tanzt. 

 

In diesem Sinne: Helden des Tages sind die Menschen, denen es gelingt eigene Konventionen zu überwinden und an Stelle von Rasse, Religion oder Geschlecht die Währung Mensch zu wählen. 

In diesem Sinne, auf eine gute Zeit in der Westsahara & viele weitere menschliche Begegnungen.

 

Herzallerliebsten Gruß aus der Wüste, 

die 10 Roadtripper

 

Tag 13 - Vom Winde verweht (03.04.2019)

 

So, das mit dem Pause machen üben wir nochmal. Frühsport?! Hatten wir eigentlich geplant, aber irgendwie wird da nichts draus. Nach der letzten Nacht wollten wir eigentlich am Strand laufen gehen, surfen und unserem Bewegungsmangel bedingt durch das Autofahren entgegenwirken. Doch als wir aus den Fenstern blicken sehen wir nichts als Sand. Sand überall, auf dem Boden, in der Luft und in den Autos. 

Schnell wird klar, aus unseren Plänen für einen entspannten Pausentag heute wird nichts. Der Wind peitscht uns um die Ohren, während die hart gesottenen nochmal schnell im kalten Atlantik-Wasser schwimmen gehen. Mit Tüchern und Sonnenbrillen geschützt machen wir uns ans Aufräumen. Wir fahren ein paar Kilometer bevor wir an einem der Stände am Straßenrand Sandwich, Kaffee und Kekse zum Frühstück holen. Geplant ist heute als Ziel Sidi Ifni. Vorher machen wir aber einen kurzen Stopp in Tiznit, denn der Doblò macht seit ein paar Tagen durch quietschen an den Vorderreifen auf sich aufmerksam. Mit dem Mechaniker wird eine kurze Runde gedreht, bevor der Doblò am Straßenrand aufgebockt wird. Es ist wohl nichts Dramatisches und somit fahren wir erstmal weiter. Immer dem Wind entgegen kämpfen wir uns die Straße entlang. Unterwegs bemerkt Johanna, dass ihr an Schultern, Brustkorb und Armen einiges wehtut. Verwunderung herrscht wo das wohl herkommt. Bei der nächsten Konvoi-Küstenstraßen-Szenerie wird sich in die Foto-Position begeben und schnell ist klar: Aha davon ist also der Muskelkater. Die vielen Eindrücke vom Atlas-Gebirge gestern mussten ja schließlich festgehalten werden und unsere Fotografin hat dafür vollen Körpereinsatz gezeigt. 

Kurz vor Sidi Ifni möchten wir uns den Legzira Beach mit seinen Felsenbögen anschauen. Wir finden eine Schotterstraße die auf die Klippe vorführt und machen uns langsam auf den Weg. Doch irgendwie hat unser Doblò heute noch nicht genug Aufmerksamkeit bekommen. Wir kommen nur wenige Meter weit, als uns ein kratzendes, schleifendes Geräusch unter dem Auto stutzen lässt. Wir halten an und sehen schnell, dass der Unterbodenschutz herunterhängt und voller Steine ist. Daraufhin funken wir Team Ingolstadt an, die schnell zurück fahren, um uns zu helfen. Schön, endlich liegt uns mal jemand zu Füßen. Yannick und Linus klauben aufopferungsvoll die Steine heraus und ziehen mittels Spanngurt provisorisch den Unterbodenschutz an. Der folgende Anblick ist wohl recht amüsant für Außenstehende. Da die Spanngurte an den Türgriffen befestigt sind, muss Team Karla Kolumna durch die Fenster in ihr Auto steigen. Wir fahren ein Stück weiter, schauen uns den verbliebenen Felsbogen an und machen uns dann auf den Weg zum Campingplatz. 

Angekommen wird der Doblò aufgebockt um sich dem herunterhängenden Unterbodenschutz zu widmen. Außer entfernen bleibt aber nichts übrig, denn mittig ist er gebrochen und somit erstmal nicht zu fixieren. 

Der Abend wird mit einer kleinen Runde schwimmen, Steine flippen, joggen, Sonnenuntergang anschauen und leckerem Essen eingeläutet.

 

Bis dahin, freut euch auf baldige Bilder von der Wüste!

 

Tag 12 - Hoch und wieder runter (02.04.2019)

 

Zweiter April, hoffentlich sind die Tage im April nicht wie das allgemein bekannte Aprilwetter. 

Ohne Frühstück starten wir, mehr oder weniger pünktlich um 8.15 Uhr von unserem Nachtparkplatz. Wir fahren zwei drei Kilometer bis ins nächste Dorf um dort zu frühstücken. Der Familie von unserem Schlafplatz-Vermittler gehört ein kleines Restaurant direkt am See. Das steuern wir also an. Allerdings haben wir nicht damit gerechnet, dass wir die Besitzer wecken würden. Etwas vorsichtig betreten wir den Gastraum, denn dieser ist hier wohl oft auch gleichzeitig der Schlafraum der kleinen Familie. Wir setzen uns auf die Stühle und Sofas, die Tische sind groß aber zu unserer Erheiterung für unseren großen Linus ein kleines bisschen zu klein.

Es dauert ein wenig bis wir mit zwei großen Kannen Kaffee begrüßt werden. Das anschließende Frühstück lässt nicht lange auf sich warten. Mutter, Vater und die kleine Tochter servieren uns Brot, Aufstriche, Muffins, Käse, Oliven und aus der Region stammendes Olivenöl - adieu Italien, denn das beste Olivenöl gibt es definitiv hier.

Wir langen ordentlich zu und gönnen uns dazu ein, zwei oder auch drei Tassen Kaffee. Frisch gestärkt bewundern wir anschließend den liebevoll gepflegten Garten hinter dem Haus. Die Gastmutter führt ein paar von uns anschließend noch zu einem kleinen Laden an dem wir das Olivenöl kaufen können. Es werden mehrere Liter bestellt und zu unserer Verwunderung in Wasser-, Cola- und Schweppes-Plastikflaschen abgefüllt. Der Ladenbesitzer erzählt uns stolz, dass er es ist, der dieses unglaublich leckere Olivenöl herstellt. Auf seinem Handy bekommen wir anschließend auch ein Video der Produktion gezeigt. Ausgestattet mit dem ein oder anderen Liter Öl begeben wir uns zurück auf die Straße. Was folgt sind Stunden aus Serpentinen, viel Lenken, Ausweichen, Gas geben und bremsen. Vor allem aber Staunen, Begeisterung, Glück und Endorphine im Überschuss für diese unglaubliche Landschaft durch die wir uns die Berge hoch schlängeln. Kleine Pipipausen werden zu längeren Fotopausen, bis wir schließlich nach 3 Stunden den höchsten Punkt unserer Reise erklimmen. Als wir den Pass auf 2100m erreichen, liegt auf der anderen Seite hinter dem steil abfallenden Atlas-Gebirge eine ewige Weite und der Anti-Atlas vor uns. Wir genießen die Aussicht, machen Bilder, hören einen Song und auch die ein oder andere Freudenträne wird vergossen. Schließlich stärken wir uns hier oben noch mit einem leckeren Mittagessen. 

Wieder einmal werden wir kulinarisch verwöhnt und, wie sollte es auch anders sein, folgt nach dem Essen eine Runde Kaffee. Das wird in den nächsten Tagen wohl noch eine Herausforderung für uns Kaffee-Junkies, denn den gibt es bald nicht mehr so einfach.

Für die Abfahrt werden noch zwei Teams gemischt, denn ohne Abwechslung wäre es ja langweilig. Yannick darf den Doblò von Team Karla Kolumna mitsamt fotografierender Johanna fahren und Nici freut sich über die Abfahrt mit Linus im VW-Bus von Team Ingolstadt. 

Runter geht’s immer schneller als hoch, merken auch wir. Trotz holpriger Straße auf den ersten Kilometern verlieren wir schnell an Höhe und schlängeln uns raus aus diesem unglaublichen Gebirge in die Ebene hinein. Aufgrund der doch fortgeschrittenen Zeit verzichten wir auf die Überquerung des Anti-Atlas und folgen der Hauptstraße in Richtung Agadir. Noch voller Glück folgt immer wieder der Blick in den Rückspiegel der die Berge langsam immer kleiner erscheinen lässt. Da wir beschlossen haben keine Nachtfahrten mehr zu unternehmen, fahren wir dem Sonnenuntergang entgegen immer Richtung Meer. Unser Heidelberger Navigationsteam hat uns einen traumhaft schönen Campingplatz direkt am Meer ausgesucht, den wir im Sonnenuntergang erreichen. Im Roman wäre das jetzt ganz schön kitschig, aber dass wir da nichts gegen haben ist in den letzten Tagen und Liebesgeschichten wohl mehr als offensichtlich geworden.

Das Camp wird aufgebaut und Aufgaben verteilt. Die Köche Leon und Jannis bekommen Verstärkung beim Schnibbeln, die anderen richten unser Lager ein. Team Karla Kolumna sitzt in ihrem Doblò, schreibt den Reisebericht und sortiert die Unmengen an Fotos.

Was für ein Tag, der RTW schnurrt wieder wie ein Kätzchen und alle Autos haben es sicher über das Gebirge geschafft.

In einem Tag sind wir das Atlas-Gebirge hinauf und bis ans Meer wieder hinunter gefahren. Wir werden jetzt einen schönen Abend am Strand genießen, mit leckerem, selbstgemachtem Linsen-Dal, Musik und schönen Gesprächen bis in die Nacht hinein, denn morgen wird ein ruhiger Tag zum Erholen werden.

 

Meeresgrüße und Gute Nacht.

 

Tag 11 - 1. April - Ist das alles nur ein Scherz? (01.04.2019)

 

Ach Freunde, herrlich bleibt das spannend! Hätte ich vor einer Stunde diese Zeilen getippt, dann wäre wohl zum ersten Mal der Optimismus zwischen den Zeilen verloren gegangen. Aaaber da wir zeitlos im Moment leben, verkünde ich gerne, dass dieser kleine obligatorische Einbruch vorbei ist und wir uns wieder mit Vollgas voraus befinden! Aber nicht früh morgens wie geplant, sondern kurz und knapp vor Sonnenuntergang. Jaja, der RTW unser Baby und Problemkind. Aber kennen wir das nicht alle? Kinder, die keine Lust auf wandern haben und plötzlich krank sind oder sich das Bein verstauchen? Ja, wir alle kennen diese Kinder und es scheint als sei unser RTW ein ganz prächtiges Exemplar dieser Sorte. Aber nun erstmal von vorne. Denn mal wieder finden wir uns darin wieder, dass sämtliche Pläne sich in Luft beziehungsweise Öl auflösen und unsere Zeitlosigkeit auf eine weitere Probe gestellt werden muss. Denn so ganz zeitlos sind auch wir nicht, Rückflüge sind schließlich gebucht und irgendwann wollen auch wir die Spenden schließlich endlich in der Klinik ankommen lassen.

Früh morgens wollen wir uns auf den Weg zur Werkstatt machen, um die Kühlung des RTWs zu checken. Kaum macht der Kleine den Mund auf, kommt uns eine muntere Mischung Öl und Wasser entgegen. Fabelhaft. Kurze Zeit später finden wir uns vor einer glücklicherweise unheimlich kompetenten Werkstatt wieder, die unseren Kühler flix ausbaut, einem Werkler in die Hand gibt, der ohne Helm auf seiner Vespa in Windeseile damit davondüst, um schließlich repariert damit zurückzukommen, es wieder einzubauen und unser Kind damit wieder zum laufen bringt. Das „flix“ in diesem Satz bezieht sich jedoch auf eine marokkanische und nicht europäische Einschätzung von Zeit, weshalb ein Teil der Gruppe letzten Endes 9 Stunden des Tages auf einem staubig heißen Bordstein vor der Werkstatt verbringt, in irgendeinem Vorort von Marrakesch. Ja, die Marrakescherfahrung hatten wir uns eigentlich anders vorgestellt, nicht anders verhält es sich bei der Tagesplanung, die eigentlich dem Konsens galt schnellstmöglich endlich die Atlas Etappe pannenlos hinter uns zu bringen. Satz mit X, merkt ihr selber. Teil zwei der Gruppe nutzt die Zeit, um es dem RTW mal wieder gleichzutun, nämlich fit und frisch in die Zukunft zu starten, und blockiert für sagenhafte 3 Stunden irgendein kleines Waschhäuschen in Marrakesch. Gottseidank wurden wir alle gut erzogen und so wird an die ungeduldig wartenden Marrokaner, die mehr als geschockt und empört über unsere Wäscheberge sind, freundlich Pizza verteilt. Wer könnte da noch böse sein? Danke an das Wäscheteam für endlich wieder wohlriechende Klamotten! 

Auch diese Hürde scheint dann dank der Werkstatt irgendwann überwunden und so starten wir schließlich 10 Stunden später als gedacht endlich unsere Fahrt raus aus Marrakesch. Aber es wäre nicht der 1. April, wenn nicht auch da noch etwas draufzusetzen wäre und auch euch wird bei dem Tonus der letzten Artikel das „scheint“ sämtliche Alarmglocken zum läuten gebracht haben. Wir fahren keine 3 Kilometer, immer noch im marokkanischen Städte- und Höllenverkehr, da beginnt eine ganz neue, abenteuerliche Edition vom bekannten Autofahrspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Team Ingolstadt würde damit unseren Konvoi meinen und wir das leuchtende Blau von Team Ingolstadt. Auch die Funkreichweite ist bereits überschritten und so finden wir übrig gebliebenen uns hoffnungslos am marrokanischen Straßenrand wieder, leider ohne Team Ingolstadt, das irgendwo verloren gegangen ist. Lieber 1. April, was soll das? Auch wenn sich dieser kleine Zwischenfall nach einer halben Stunde und mit Hilfe marokkanischer & deutscher Simkarten lösen lässt, hat auch dieser Tag Spuren hinterlassen. Diese immer wieder kleinen Rückschläge und Aussetzer sitzen auch uns langsam in den Knochen und das europäische Zeitgefühl macht uns langsam zumindest ein kleines Quäntchen Druck. 

Wir brechen wieder unsere Grundsätze und fahren tatsächlich ein Stück im Dunkeln. Aber da sich alles an dieser Fahrt gegen Pläne und Grundsätze jeglicher Art gesträubt hat, machen wir was wir am besten können und passen uns den herrschenden Gegebenheiten eben an. Irgendwo im Atlasgebirge bei Dunkelheit finden wir schließlich den Moment dieser Tagesmisere ein Ende zu setzen, nicht ganz ohne Komplikationen, aber auch unsere Nerven dürfen einmal blank liegen. Keine Sorge da draußen, wir wären nicht wir, wenn nicht auch das zu regeln wäre. In einer langen und intensiven Teambesprechung werden die Tage und Ereignisse Revue passiert und hinsichtlich der anstehenden Etappen in kritischeren Ländern und auf kritischeren Straßen gewisse Regeln festgelegt, an die sich fortan gehalten wird. Liebe Eltern und Familien, ihr könnt aufatmen, die Nachtfahrten finden mit dem heutigen Abend ein Ende. Nach dem Atlas folgt ein neues Kapitel Afrika, das den europäischen Touch schließlich vollends hinter sich lässt und damit auch für unsere Reise ein neues Kapitel bedeutet. Wüste, Schlaglöcher, Mauretanien, Senegal, Gambia, wir kommen.

Letzten Endes ist irgendwie alles einmal Revue passiert heute. Wieder KARMA WO BIST DU, letzten Endes wieder eklig viel liebe und auch der Ritt in den Sonnenuntergang gesellt sich nochmal ins Tagesprogramm. Also jetzt mal ganz ehrlich, was ist das eigentlich hier? Heute war definitiv eine Endorphinachterbahnfahrt. Immer wieder Zweifel, ob wir das hinbekommen. Immer wieder werden alle Hebel in Bewegung gesetzt und immer wieder klappt es Gottseidank. Trotzdem lieber April, zeig uns was von deiner Güte und dass du im Gegensatz zum März weder Stimmungsschwankungen hast, noch auf derartige Dramen abfährst. Der 1. April hat einen Sonderstatus, ist uns klar, deswegen haben wir heute mal ein Auge zugedrückt. Aber ab morgen beginnen neue Zeiten. Wenn schon der zweite Start, der Beginn der zweiten Woche, keine Veränderung des Dauerstaus „Panne“ mit sich gebracht hat, dann doch wenigstens dem Motto getreu, aller guten Dinge sind 3: der Start in den neuen Monat.

Den Atlas haben wir heute nicht mehr erklommen, diesen kleinen Machtkampf zumindest hast du gewonnen lieber RTW, aber morgen heißt es dann schließlich endlich felsige Bergketten auf 2100 Höhenmeter emporklettern. Und ich hoffe schwer für uns, euch und den April, dass das morgen ein verdammt langweiliger Reisetagebuchbericht wird, mit nichts anderem als Überwältigung wegen der atemberaubenden Landschaft und - wie sollte es anders sein - ganz eklig, eklig viel Liebe für das alles hier! 

Held(en) des Tages:

Ganz ehrlich? Ich möchte kurz festhalten, dass wir, diese komischen 10 Abenteurer, sich als Teams vor dieser Reise in keinster Weise kannten. Alles was uns verbunden hat, ist der Plan die ASB Health Klinik mit medizinischen Hilfsgütern auszustatten. Was dann passiert ist und wo wir noch mitten drin sind gerade, das grenzt an ein Wunder. Ein wunderwunderschönes Wunder, Drama und Abenteuer, das jeden Tag neue Challenges mit sich gebracht hat, die wir einer für alle, alle für einen, zu lösen wussten. Die Nerven lagen blank, die Rollen standen still, wir haben geschwitzt, geschraubt, geflucht, ja auch geweint. Und wir haben gelacht, nie aufgegeben, alles versucht und trotz den vielen Stolpersteinen immer wieder den Weg in Richtung Süden gefunden. 

 

Gestern gab es keinen Helden des Tages, Helden sind etwas für abenteuerliche Zeiten und nicht für Routine. Aber da wir uns ja bereits wieder mitten im Dschungel an Hiobsbotschaften und atlasartigem Auf und Ab befinden, darf ich mit Freude verkünden, dass nun endlich wieder ein paar Helden gekürt werden dürfen. Helden des Tages sind heute wir. Wir, die kleine Entenfamilie, die 10 Abenteurer, die sich für nichts zu schade sind und denen es gelingt aus allem doch irgendwie noch das Beste zu machen - Auch wenn Optimismus und Laune heute auf eine verdammt harte Probe gestellt wurden, weil schließlich auch für die rosafarbenste Brille irgendwann mal Schluss ist. Aber auch dieser kleine Tiefpunkt liegt hinter uns und das ohne Stress und nachhaltig schlechte Laune. Alles was ich sagen will, mal wieder getränkt von eklig viel d’amour: Liebe Entenfamilie, es ist ganz schön schön mit euch. Danke für diese ganzen Momente, Gespräche und Abenteuer, die ich am liebsten in ein Marmeladenglas stecken möchte, damit sie ja nie zu Ende gehen. Helden des Tages sind heute wir, wir alle, als gemeinsame Gruppe. Also Cheers auf das Hier und Jetzt und jede einzelne gemeinsame Sekunde auf dieser Fahrt und Reise, Cheers auf morgen und Cheers auf gemeinsam neue Geschichten schreiben!

Und damit: Over and out & auf eine erholsame Nacht für Motoren, uns und euch lieben Leser und Mitfieberer da draußen! 

 

Mit ganz viel Hoffnung und wiedergewonnenem Optimismus, 

eure 15 Roadtripper!

 

Tag 10 - Ausnahmsweise alles nach Plan (31.03.2019)

 

Um 5 Uhr klopft es an die Autos. Ai, war das eine kurze Nacht. Nachdem wir uns gestern Abend dazu entschlossen haben auf Grund des Unwetters nicht weiter zu fahren, wurde die Nacht auf einem Polizeiparkplatz verbracht. So sieht das also im Hellen aus. Der kleine Doblò steht geschützt unter der vollgeregneten Plane zwischen den beiden Transits. Schnell alles abgebaut, denn es soll bald und endlich mal pünktlich weitergehen. Der kleine Dude bekommt sein Frühstück und darf ein paar tapsige Schritte wagen, die ihm mittlerweile ziemlich gut gelingen. Nach dem Zähne putzen, diesmal ohne Zwischenfälle und Welpen im Busch, sind wir auch schon wieder auf der Straße. 

6.15 Uhr und wir starten in Richtung Sonnenaufgang. Begleitet von Musik geht es über Berge und durch schier unendliche Weiten. Während den obligatorischen Pinkelpausen bestaunen wir die Landschaft und alte Ruinen. Über Funk wird die Verwirrung durch die Zeitumstellung diskutiert, keiner weiß so genau ob wir letzte Nacht noch eine Stunde weniger geschlafen haben als üblich, denn kurz war die Nacht ohnehin. 

Die Uhr an einer Apotheke beendet die Verwirrung, hier in Marokko steht die Zeit ohnehin immer still, keine Zeitumstellung also!

Bei den ersten steileren Anstiegen folgt bald eine weitere Pause, der RTW wird mit ein wenig Kühlwasser gefüttert. Einige Minuten später sind wir auf dem Weg zu den Wasserfällen in Ouzoud. Von diesen, im Reiseführer groß angepriesen, sind wir allerdings etwas enttäuscht. Mehr entpuppen sich die Wasserfälle, umlagert von Selfiesticks und Tourihorden, durch den Regen der letzten Tage und Nächte als kleine, rote Schlammfälle. Die vielen Menschen schrecken uns schnell ab und so fällt ziemlich bald die Entscheidung hier noch eine kräftige Runde zu dinieren, um anschließend weiter in Richtung Marrakesch zu starten. 

Es gibt einen leckeren Tomate-Zwiebel-Oliven-Salat. Anschließend drei verschiedene Tajine und Hähnchenspieße die gemeinsam geteilt werden. Als wäre das nicht genug, bekommen wir zum Dessert zwei Obstteller und den in Marokko unglaublich gesüßten Minztee. Bevor wir in Richtung Marrakesch starten gönnen wir uns noch einen schnellen Kaffe und auch der kleine Dude darf sich nochmal seine kleinen Beinchen auf dem Parkplatz vertreten. 

Wir verlassen die Schlammschlacht auf dem Parkplatz und steuern gen Großstadt. 

Beim Tanken schlägt unser Ekligvielliebe-Barometer mal wieder ins Unendliche aus: Der blaue VW und unser roter Transit kuscheln eng und heftig. Außer ein paar blauen Flecken und Kratzern ist aber nichts passiert.

Auf dem Weg zum Flughafen, keine Angst niemand von uns möchte nach Hause fliegen, versuchen wir mit der örtlichen Verkehrssituation klar zu kommen. Aus zweispurigen Straßen werden hier vierspurige, von links überholen LKWs und Transporter, von rechts die kleinen Motorroller, die wie aus dem nichts auftauchen und in Windeseile an uns vorbeizischen.

Begleitet durch ständiges Gehupe von allen Seiten bahnen wir uns unseren Weg durch diese auf den ersten Blick ziemlich chaotische Stadt. Kurz nach einem Kreisverkehr erhalten wir über unsere Instagram-Seite eine Nachricht: „Ihr seid gerade an uns vorbeigefahren!“, schreibt Yannicks Papa. Während wir am Flughafen auf den Herrn warten, der den kleinen Dude in Obhut nimmt, verabreden wir uns mit Yannicks Eltern zum Abendessen.  

Nun naht der Abschied, der kleine Dude wird dem netten Herrn von der Tierauffangstation übergeben, letzte Fragen geklärt und Kontaktdaten ausgetauscht. Irgendwie ganz schön traurig ihn jetzt hier zurückzulassen, er ist uns in den letzten zwei Tagen trotz Zecken, Flöhe und müffligem Geruch sehr ans Herz gewachsen. Mach’s gut kleiner Dude, wir hoffen es geht dir gut und es wird sich um dich gekümmert, dort wo du jetzt hinkommst.

Wir quälen uns ein weiteres Mal durch den Großstadtdschungel zum Campingplatz etwas außerhalb der Stadt. Zeit für eine Dusche bleibt nicht, also müssen Babytücher, Deo und mehr oder weniger frische Klamotten ausreichen. Mit zwei Taxen fahren wir direkt ins Zentrum, von wo wir zu Fuß durch die Gassen bis zum Restaurant laufen. Nicht nur mit dem Auto ist der Verkehr hier in der Stadt gefährlich, auch zu Fuß muss in den engen Gassen ständig einem der herannahenden Mofas ausgewichen werden. Im Restaurant erwarten uns bereits Yannicks Eltern, es werden Erlebnisse der letzten Tage ausgetauscht, lecker italienisch-marokkanisch gegessen und Pläne für den morgigen Tag geschmiedet. Ein riesiges Danke für diese Überraschung zwischendurch und die liebe Einladung! Wir beschließen morgen früh eine Werkstatt aufzusuchen, um den RTW fit zu machen bevor wir ins Atlas-Gebirge starten.

Nach dem Essen laufen wir noch kurz gemeinsam durch die Souks. Wir verabschieden uns von Yannicks Eltern und bekommen noch ein paar Tipps, um nicht überfahren zu werden, mitgegeben.

Um wenigstens noch ein paar Eindrücke von Marrakech selbst zu bekommen, steuern wir einen großen Platz an, auf dem noch buntes Treiben herrscht. Musik und Trommeln mischen sich unter die Rufe der Händler von den Essensständen. An den kleinen Ständen und Läden mit Souvenirs vorbeizulaufen ist eine Herausforderung. Jeder möchte uns zu seinem Stand lotsen. Zum Glück sind wir durch den Markt von Chefchaouen geübt und wissen wie wir damit klar kommen. Ein paar Souvenirs werden noch gekauft, bevor wir uns mit dem Taxi auf dem Weg zurück zum Campingplatz machen. Sarah und Leon beziehen ihr Bett neu und packen die Kleider der letzten zwei Tage in Säcke, die bis zum nächsten Waschen verschlossen bleiben, denn der kleine Dude hat uns nicht ohne Abschiedsgeschenk gehen lassen. 

So ziemlich alle haben irgendwo am Körper ein paar kleine Flohbisse. Bleibt nur zu hoffen, dass es den Flöhen im Atlasgebirge zu kalt ist und sie von alleine Reißaus nehmen.

Aus den Autos ist bald nichts, außer dem ein oder anderen Geschnarche, mehr zu hören. Jeder versucht schnell ins Land der Träume zu fliehen, denn morgen liegt ein langer Tag vor uns.

Ausnahmsweise lief heute mal alles mehr oder weniger nach Plan. Wir bleiben gespannt wie es weitergeht, langweilig wird uns jedenfalls vorerst nicht.

Bis dahin, Gute Nacht und schöne Träume zu euch!

 

Tag 9 - Der kleine Dude (30.03.2019)

 

Gemütliches Aufstehen und Frühstück an unserem schönsten aller schönsten Wildcampingplätze irgendwo in Marokko. Während Leon Rührei vom Feinsten zaubert, Jannis und Sarah die restlichen deutschen Gurken und Tomaten in einen Salat verwandeln, wird von Yannick die ein oder andere lockere Schraube festgedreht, damit wir heute tatsächlich das Unfassbare wagen können: eine zur Abwechslung stinklangweilige pannenfreie Weiterfahrt. 

Zu dieser morgendlichen Szenerie gesellen sich immer wieder Schafherden, die von Schäfern auf Eseln und wachsamen Hunden an unserem Konvoi vorbeigetrieben werden. Ab und zu ein Marokkaner auf seinem Esel, der uns Oliven oder sonst was verkaufen möchte. Alles in allem ganz schön harmonisch, entspannt und still, bis auf die vielen zwitschernden Vögel in den hohen uns umgebenden Bäumen. Man glaubt es kaum, aber tatsächlich könnte der Start in die zweite Woche ohne Drama und großartige Sonderabenteuer vonstattengehen. Zurück zur Routine also! Frühstücken, aufräumen, Zähne putzen, Zahnpasta ausspucken, .... jaja. Das hätte so einfach sein können. Einfach und ohne Komplikationen, hätte man beide Augen zugedrückt. Unsere liebe Nici aber geht mit wachsamen Augen durch diese Reise und entdeckt ein paar Zentimeter neben ihrer ausgespuckten Zahnpasta ein kleines Wollknäuel im Busch. Was haben wir gestern noch gesagt? Keinen Plan machen, bringt eh nichts, das Leben auf sich zukommen lassen, sich überraschen lassen. Und so kommt es, dass auch der heutige Plan munter über den Haufen geschmissen wird und wir weder in Windeseile die Sehenswürdigkeit der Wasserfälle vor Marrakesch ansteuern, noch endlich mal früh loskommen um die Fahrzeit tagsüber zu nutzen. Vielmehr starten wir mit einer neuen Mission in die Woche: Mission Leben retten und dem Namen „Drive to Help“ mal so richtig gerecht werden. Und so sind wir von da an zu 11. unterwegs. Der Zustand des kleinen Wollknäuels führt dazu, dass unsere Rettungssanitäterin Sarah das Telefon zückt und eine Tierauffangstation in Marrakech kontaktiert, mit der schnell besprochen wird den Welpen dorthin zu chauffieren, um ihn umfangreich behandeln zu können. Einen Augenblick später wird eine unserer Transportkisten zur Welpenbox transformiert und unser Familienzuwachs anschließend gehörig inspiziert und bedoktort. Liebevoll wird von Sarah und Leon jede einzelne Zecke aus dem kleinen schwachen Hundekörper entfernt, während Jannis der wohl befriedigendsten Aufgabe seines Lebens nachkommt, an der vermutlich auch die Aggressionen der Grenzmisere ausgelassen werden: Zecken verbrennen! Ein jubelnder Schrei folgt auf den anderen, mal wegen der mittlerweile 20. entfernten Zecke, mal aufgrund ihres „Platzeffekts“ sobald Jannis freudig sein Feuerzeug gezückt und dem gemeinen Parasiten damit den Gnadenstoß gesetzt hat. Und so sitzen wir, wie gestern noch um unser knisterndes Lagerfeuer, den mordenden Jannis, das rettende Doktor-Pärchen Leon und Sarah und natürlich unser Hundebaby, das kollektiv auf den Namen „der kleine Dude“ getauft wird. Und auch der kleine Dude scheint sich in unseren Händen und zwischen allerlei „Drive To Help“ Stickern schon ein wenig wohler zu fühlen, so beseelt er seine Ziehmama Sarah bereits mit den ersten Abschleckereien. Ach ja, herrlich eklig viel Liebe schon wieder. 

Mitsamt Familienzuwachs machen wir uns völlig fernab von unserem Zeitplan auf den Weg Richtung Marrakesch. Allerdings ist die nächste Pause nicht weit, tatsächlich gerade einmal 5 Kilometer, da wir auf unserer Route an den Ruinen Volubiles vorbeikommen und spontan entscheiden diesen Anblick in unser kulturelles Reise-Repertoire mit aufzunehmen. Immer noch umgeben von grüner Landschaft, Steinen, Kakteen und kleinen Schafherden gesellt sich auch der ein oder andere Regentropfen zu uns und bietet uns ohne wilde Feilschereien eine kostenlose Reinigung unserer Windschutzscheiben an. Wir nehmen dankend an und da unser kulturelles Reise-Repertoire, was Marokko angeht, bisher immer zwangsweise mit kulinarischen Hocherlebnissen einherging, finden wir uns schnell um zwei runde Tische wieder, die einen kurzen Augenblick später von zwei Runden Kaffee au lait geziert werden. Der verlockende Duft von Tajinetöpfen auf den Nachbartischen und der laue Sommerregen, den wir auf der überdachten Veranda mit Blick auf Berge und Ruine genießen, verleitet uns schnell dazu das Kaffeepäuschen ein wenig auszudehnen und, wie sollte es auch anders sein, feierlich kulinarisch marokkanisch unsere Rettungsaktion zu zelebrieren. 

Mittlerweile peitscht der Regen gegen die Windschutzscheibe während die Lichter der Dörfer an uns vorbeiziehen. Heute Nacht fahren wir nicht also dem Sonnenuntergang oder Sternenhimmel entgegen sondern tief schwarzen Regenwolken. Und während wir so einen Hügel nach dem anderen hinter uns bringen, schlummert der kleine Dude friedlich neben der Handbremse in unserem roten VW-Bus. 

Vorbei an kleinen Dörfern, kleinen Kindern auf ihren Eseln, Schafherden, Rinderherden, eingerahmt von den marokkanischen Bergketten, die sich in ihrer Imposanz, Weite und Schönheit immer zahlreicher vor uns auftun, um einzuläuten was uns wohl in den nächsten Tagen erwarten wird wenn wir erstmals das Atlasgebirge hinauftuckern werden. Wieder sind wir spät dran und so taucht sich die Landschaft langsam in dunkle Grautöne, durch die immer wieder ein Stück Rosa durchblinzelt. Es riecht nach Regen und Sommergewitter, die Farben sind matt und umspielen in ihren Graustufen die felsige Landschaft, begleitet von Olivenbäumen und Kakteen. Wieder ein Hirte mit seinen Schafen, an dem unsere Konvoiherde vorbeizieht. Und wieder scheint sich ein Tag dem Ende zu neigen. Irgendwie wird das alles nur noch schöner, keine Ahnung wohin mit all der Liebe und all den Endorphinen. Keine Ahnung wie das werden soll, wenn wir in ein paar Tagen schließlich die Wüste erreichen. 

Gegen 21 Uhr halten wir auf einen Parkplatz und besprechen die Lage. Zu stürmisch ist das Wetter, zu halsbrecherisch der marokkanische Fahrstil mitsamt kurvigen Straßen voller Schlaglöcher und entgegenfahrenden lichtlosen LKWs. Eine Weiterfahrt, so ist schnell entschieden, gestaltet sich unter diesen Bedingungen als zu gefährlich. Begleitet vom Zeitdruck morgen pünktlich vor 16 Uhr in Marrakesch anzukommen, um unseren kleinen Welpen in der Tierauffangstation abgeben zu können, stehen wir vor der Frage wie es weitergeht. 

Wir schlagen unsere Zelte auf einem Parkplatz der marokkanischen Polizei auf, um morgen früh pünktlich um 5 wieder in den Autos zu sitzen und die erforderte Strecke irgendwie in der kurzen Zeit zurückzulegen. Die romantischen Regentropfen haben sich mittlerweile als schwerwiegender Dauerregen enttarnt und so fallen auch die Waschpläne für unser Maskottchen vorerst leider ins Wasser. Schade. Der kleine Dude wurde mittlerweile nämlich zum stinkenden Dude umbenannt und könnte diese Dusche mehr als gebrauchen.

Trotzdem, wir kommen an und es ist alles mal wieder viel zu schön. Schnell die Plane vor dem Regen und über den Autos aufgespannt und ein gemütliches Miteinander mit allerlei Liebe und Antipasti von Jannis als gemeinsamer Ausklang der Nacht. 

 

Heldin des Tages: Unsere herzallerliebste Sarah, die bevor jemand den Schlüssel in der Hand haben konnte bereits telefonisch ihre Rettungsaktion in die Wege geleitet hatte & damit nicht nur unserem Namen Drive to Help gerecht wurde, sondern auch hoffentlich einige Karmapunkte für die kommende Zeit gesammelt hat! 

 

Tag 8 - Ritt in den Sonnenuntergang (29.03.2019)

 

Was für ein Aufstehen. Unsere 10 Äuglein blinzeln mal wieder mit der Sonne um die Wette während sich vor uns die marokkanischen Bergketten aufgipfeln. Ja, wir sind wieder vereint und das merkt man der morgendlichen Euphorie deutlich an. Damit auch unsere Grenzgänger noch ein bisschen was vom schönen Chefchaouen haben, pilgern wir unter strahlender Sonne und wolkenlosem Blau den felsigen Berg Richtung Stadt hinunter, bereit für marokkanische Köstlichkeiten, die nächste Runde Sonnenbrand und wilde Feilschereien zwischen den bunten Schätzen der hiesigen Märkte und Stände. 

In irgendeiner verwinkelten kleinen Gasse zwischen Tal und Bergen der Kulisse landen wir schließlich in einem traditionellen Restaurant und dinieren mal wieder viel zu festlich und herrlich marokkanisch zwischen Couscousbergen, Oliven und brutzelnden Tajinetöpfen. Nun gut, Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen und da wir ohnehin von Kopf bis Fuß verliebt durch diese Tage schreiten, versteht es sich von selbst, dass sich die Pfännchen und Tellerchen auf unserem runden Tisch zwischen bunten Kissen und Teppichen nur so häufen. Mit vollen Bäuchen kullern wir zwischen den blauen Gassen der Stadt von Stand zu Stand und sorgen dafür, unsere Geldbeutel von ein wenig Balast zu erleichtern. Da auch wir uns mittlerweile bestens mit dem Städtchen bekannt gemacht und vertraut fühlen, gilt es Team RTW all die guten kulinarischen Erfahrungen zu zeigen, die uns durch die letzten 3 Tage gefüttert haben. Und so landen wir schließlich zum mittlerweile dritten Mal in Folge bei Fatyma, der süßen Backwarenverkäuferin, die wohl einzige Bewohnerin dieser Stadt, die die vorzügliche Siebträgermaschine bedienen kann. Und weil sie es so gut kann, macht die gute Fatyma mit uns koffeinabhängigen Deutschen wohl auch das Geschäft ihres Lebens. So sitzen wir oben im kleinen Raum des Bäckerladens und schlürfen einen Café au lait nach dem anderen. Mit von der Partie sind viele süße Teilchen, da schließlich auch die marokkanische Nachtisch-Kultur ordentlich geprüft und probiert werden muss. Der Versuch, nun aber schnell den Berg hinauf zu pilgern, um endlich wieder gen Süden aufzubrechen, endet schnell in neuen wilden Feilschereien und Plaudereien mit den hier ansässigen Bewohnern und Verkäufern. Ja, die Uhr tickt hier anders. Ein, zwei Postkarten sind eben nicht flink gekauft sondern immer mit Gesprächen und Verkaufskünsten weiterer Kostbarkeiten verbunden, gegen die wir leider noch so gar nicht immun sind. Aber genau dieses Tempo, diese Zeitlosigkeit ist was dieses Land und unsere Zeit hier mitunter so besonders macht. Ein Dasein nicht beherrscht von Druck oder Zwang, sondern den herrschenden Gegebenheiten und Momenten. Ein treiben lassen, auf sich zukommen lassen, sich überraschen lassen. Ohne strikten Plan, aber mit dem Ziel irgendwann heile und vollständig in Gambia anzukommen. Und um ein paar Kilometer Richtung Ziel näherzukommen, treiben wir unsere Herde schließlich wieder hinab in die Berge zu unserem Konvoi, um ein paar Momente später die kurvigen Landstraßen zwischen Marokkanern, Bergen und Ziegen hinunterzugleiten.

Diese Reise ist mindestens so bunt und reich wie die Farben dieser Stadt. Reich an Eindrücken, die wir in ihrer Fülle und Pracht kaum verarbeiten können, doch aber in uns aufsaugen und zumindest in kleinen Fragmenten mit euch teilen. Wir sind so im Hier und Jetzt, dass Wochentage und Uhrzeit so lange keine Rolle spielen, bis es wieder heißt: Sachen packen und losfahren. Und genau so lautet auch der Appell als wir den Rückweg aus der Stadt schnaufend hinter uns gebracht haben. Schließlich liegen 400km vor uns und wollen endlich wieder als kompletter Konvoi gemeinsam zurückgelegt werden! 

Der Plan lautet vorerst in Richtung Rabat aufzubrechen, um bei der Botschaft Dokumente zu besorgen, die die noch anstehenden Grenzgänge erleichtern sollen. Dem digitalen Zeitalter sei Dank disponieren wir kurzfristig um und machen uns in Richtung Fès auf.

Langsam rollen wir dem Sonnenuntergang entgegen. Vor uns versinkt die Landschaft in tief dunkles Orange getaucht und lässt verlauten, dass auch dieser Tag sich wieder dem Ende neigt. Ist das nun der Abspann von dem wir die ganze Zeit geträumt haben? Die Fahrt in den Sonnenuntergang, als Ende unserer dramatischen Pannen und Zwangspauseleien? Vielleicht. Vor allem aber ist es der Beginn eines neuen Kapitels. Ein neuer Abschnitt unserer Reise, die zweite Woche. Auf in neue Zeiten, ins Ungewisse, in neue Abenteuer, Städte und Länder. Ob mit Pannen oder ohne, das ist vorerst egal, lässt sich nicht planen und wird uns irgendwo irgendwie auf der Reise überraschen. Nach den letzten Tagen sind wir vermutlich für alles gewappnet. Der heutige Tag wurde zum Kraft tanken genutzt und auch der Stahl unserer Nerven lässt sich nicht mehr mit dünnen Drähten verwechseln. 

Das hier, jetzt gerade in diesem Moment, das ist pures Glück. Und schon wieder eklig viel Liebe. Die Schäfchen unserer DriveToHelp Herde reiten in den Sonnenuntergang mit 7 Tagen bereits gemachter und erlebter Erfahrungen, Höhen und Tiefen im Gepäck. Und wir sind hungrig. Hungrig auf mehr marokkanisches Essen und hungrig auf all die Erfahrungen und Momente, die uns noch bevorstehen.

Nach zwei Stunden Fahrt halten wir irgendwo im Nirgendwo des marokkanischen Innenlands, um uns mit ein wenig Brot für später einzudecken. Nach einer weiteren Stunde kommen wir an. Irgendwo im marokkanischen Inland auf einer Lichtung, die ein paar Minuten später stolz von unserem ersten Lagerfeuer geziert wird. Über uns funkelt mittlerweile ein Meer aus Sternen, was verwunderlich erscheinen mag wenn man bedenkt wie hell es hier eigentlich noch ist. Man mag sich nicht ausmalen wie das wohl in ein paar Tagen aussehen wird, wenn sich unser Konvoi irgendwo im Atlasgebirge oder schließlich der Wüste befindet und wir von nichts als Natur umgeben sein werden.

Tag zu Tag verändert sich die Umgebung, verändern sich die Landschaften und Naturspektakel, die sich vor unseren Windschutzscheiben auftun. Tag für Tag neue Momente und Eindrücke, Menschen und Begegnungen, die nicht nur unsere Herzen oder Speicherkarten füllen, sondern auch die Seiten dieses Tagebuchs. 

Ich merke schon, auch dieser Reistagebucheintrag scheint in eklig viel kitschikitschi Gänsehaut auszuarten. Ob das am Sonnenuntergang, den rosa leuchtenden Bergen Afrikas vor uns, oder dem glitzernden Sternenbett liegen mag? Man weiß es nicht.

Es gibt keine Worte, die beschreiben könnten was diese gemeinsame Zeit hier bedeutet, was diese 10 Menschen mittlerweile bedeuten. Deswegen sei dieser Hommage hiermit vorerst ein Ende gesetzt und ein lieber Gruß an euch alle da draußen geschickt! Es ist unheimlich schön zu sehen, wie viele uns bei dieser Reise begleiten und mit dabei sind. Spender, Freunde, Familie, Bekannte und auch viele Menschen, die ohne uns zu kennen dazu gestoßen sind. Danke, dass ihr mit dabei seid und uns auf dieser unglaublichen Reise begleitet.

 

Helden des heutigen Tages seid diesmal ihr. Ihr alle, die diese Zeilen lesen, mit uns fiebern und immer wieder mit so lieben Worten beseelen. Und unser Vorstand, der die letzten Tage alle Hebel in Bewegung gesetzt hat um uns aus der Grenz-Misere zu befreien. 

Es grüßt, die glücklich vereinte Truppe unterm marokkanischen Sternenmeer, bereit für neue Abenteuer und die zweite Woche unserer Reise nach Gambia!

 

Tag 7 - Wiedervereinigung (28.03.2019)

 

Ja ihr lest richtig, wir sind wieder vereint, Greta und Jannis sind mit dem RTW wieder bei der Herde. Aber erstmal alles von vorne.

Der Tag auf dem Campingplatz beginnt, wie die letzten Tage auch, mit einem provisorischen Frühstück. Zwei Löffel und Vesperboxen werden sich für das Müsli geteilt. Die obligatorische Nachfrage ob es Neuigkeiten von unseren Grenzgängern gibt, erfolgt fast minütlich. In der Sonne wird es langsam angenehm warm und wir waschen unsere Wäsche, bauen eine Wäscheleine nach der anderen auf, die zwischenzeitlich für die Durchfahrt eines Kleinbusses wieder zur Seite genommen werden müssen und freuen uns auf frische Wäsche. Gegen Nachmittag machen wir uns wieder auf den Weg in die Stadt, denn der Magen ruft nach Essen. Auf dem Weg nach unten kommt von Tim plötzlich ein Aufschrei; „Sie sind fast durch“. Mit „sie“ sind natürlich Greta und Jannis gemeint. Eine halbe Stunde später dann die erlösende Nachricht, die beiden sind samt RTW wirklich nach Marokko eingereist. Sie gehen tanken und besorgen sich was zu essen - nach drei Tagen an der Grenze mehr als verdient! Nicht auszumalen, was sie ertragen mussten und wir haben größten Respekt für diese Geduld und ihr Durchhaltevermögen. Unglaublich, was ihr geleistet habt!

Der Rest der Gruppe schlendert in der Zwischenzeit nochmals über den Markt, genießt ein schönes Buch in der Sonne, trinkt Kaffe und genießt nochmals ein leckeres marokkanisches Essen. Unterwegs bemerken wir, dass es tatsächlich erst 7 Tage her ist, als wir uns kennengelernt haben. Unglaublich, und unglaublich seltsam, schließlich fühlt es sich an als wären wir schon ewig gemeinsam unterwegs. 

In der Dunkelheit laufen wir später hunderte Treppen durch die blauen Gassen Richtung Berg, zurück zu unserem Campingplatz. Kurz nachdem wir ankommen erkennt Sarah ein bekanntes Geräusch „Das ist der RTW!“ ruft sie und wir stolpern hastig die dunklen Treppen herunter. Es fühlt sich an als kämen Weltreisende nach Hause, die man sein Jahren nicht gesehen hat. 

Was folgt sind Anekdoten der letzten Tage, eine sehnlichst erwartete Dusche und glückliche Umarmungen. Die einen bleiben noch ein bisschen sitzen, die anderen gehen bald ins Bett. Die Anspannung der letzten Tage legt sich langsam und der benötigte Schlaf wird nachgeholt. 

Danke für das Mitfiebern an alle da draußen. Ab morgen bewegt sich dann auch unser GPS-Punkt wieder auf der Landkarte. Wir bleiben gespannt und gewappnet für alles. Jetzt bringt uns jedenfalls nichts mehr aus der Fassung.

 

Helden des Tages: Jannis und Greta. Wieder und wieder. Cheers auf diese stählernen Nerven und auf unsere Wiedervereinigung.

Gute Nacht und bis morgen. 

Eure erleichterte, wiedervereinigte Reisegruppe. 

 

Tag 6 - Chefchaouen und Bangen mit den Grenzgängern (27.03.2019)

 

Camping Azlan in Chefchaouen. Irgendwann am Vormittag kriechen die ersten aus ihren Autos. Schnell wird gecheckt ob es Neuigkeiten von Greta und Jannis an der Grenze gibt. Und ja, es gibt gute Neuigkeiten. Sie sind im Besitz eines offiziellen Dokumentes von der Botschaft, die bestätigt, dass der RTW nicht als Einsatzfahrzeug unterwegs ist. 

Die Teams am Campingplatz frühstücken nach und nach was vorhanden ist. Man besorgt sich an der Rezeption einen Schlüssel für die warme Dusche. Der ein oder andere bekommt tatsächlich eine, aber für manche bleibt die angeblich warme Dusche kalt. Anschließend begeben wir uns talwärts, zu Fuß in Richtung Stadtzentrum von Chefchaouen. Regelmäßig werden wir von Team RTW über den Stand der Dinge bei unseren Grenzgängern Greta und Jannis informiert. Es gestaltet sich doch schwieriger als gedacht, denn der Chef von heute weiß nichts über die Absprache von gestern. Das ist wohl marokkanische Kommunikation. Greta und Jannis, wir sind in Gedanken bei euch, ihr bekommt das gerockt. 

Wir anderen erkunden die Stadt, essen traditionell delikat zu Mittag, schlendern durch die „Blaue Stadt“ und testen erstmals unser Verhandlunskönnen auf dem Markt. Die ersten Geschenke für uns selbst und die daheim Gebliebenen werden eingekauft. Wir schlendern durch die Nacht zurück zum Campingplatz und genießen einen ruhigen Abend auf unserem Campingplatz. Unsere Grenzgänger hängen nun seit über 35 Stunden an der Grenze. Wir bewundern euer Durchhaltevermögen und eure Geduld und denken ganz fest an euch. 

 

Bitte drückt die Daumen für unsere Helden des Tages, Greta, Jannis und den RTW.

Wir gehen nun, mit Hoffnung auf eine Weiterfahrt im kompletten Konvoi morgen, schlafen. Wir halten euch auf dem Laufenden. Gute Nacht aus Marokko.

 

Tag 5 - KARMA WO BIST DU (26.03.2019)

 

Nach 14 Stunden Fahrt erhellt sich der Himmel langsam. Nach der langen Nacht ein unglaubliches Gefühl nun die vor uns liegende Landschaft zu erblicken. Wir sind erfüllt, müde und glücklich während an den Autofenstern die felsig grünen Hügel vorbeiziehen. Nach kurzer Zeit erfolgt der Funkspruch: „Team Heidelberg an alle, was ihr da vorne seht ist unser Hafen“. Man spürt förmlich wie alle nochmal Gas geben, um endlich die letzten Meter vor der Fähre hinter sich zu lassen. Wir halten ein letztes Mal kurz an der Tankstelle und liegen uns klatschend, erschöpft und überglücklich in den Armen. Endlich ist es geschafft, denken wir, nicht mehr weit bis wir den Kontinent Europa verlassen. Wir fahren zum Ticketschalter. Es wird verhandelt und verhandelt. Greta und Luca regeln. Bald stehen wir an der Schlange und sehen unsere Fähre einfahren. Einige nutzen die Zeit noch für ein kurzes Nickerchen, dann geht es los. Wir fahren auf die Fähre und verlassen somit das europäische Festland 

Mit 10 wild klopfenden Herzen rollen wir schließlich erstmals auf afrikanischen Boden. Am Zoll angekommen, wie sollte es auch anders sein, werden wir direkt aus dem Verkehr gezogen. Neben uns alte zerbeulte Autos, bis obenhin beladen mit allerlei Schrott, sodass unser Konvoi wie ein leeres Blatt erscheinen mag. Wenn die das hier drüber packen, dann wir jawohl auch. 

Es folgt eine wilde Misere, von einem zum anderen Beamten, die wir ohne Sarah und Leon nicht überstanden hätten. Die Beamten fordern eine Bestandsliste und genaue Übersicht über alles was wir transportieren. Tatsächlich hat Team Ulm so eine Liste in ihrem Auto und dankedankedanke liebes Universum zeigt der Mann stichprobenartig nur auf die ersten Angaben und möchte sie sehen. Infusionsbeutel. Während wir versuchen ihn davon zu überzeugen, dass wir keine Medikamente oder großen Geräte dabei haben, ruft er einen Arzt an um die Richtigkeit unserer Aussagen zu prüfen. Wir warten und sehen wie eine Gruppe Flüchtlinge sich gegenüber von der Mauer abseilt und in Windeseile über den Zaun klettert. Seltsames Gefühl. Seltsam nah und real.

Blaue Kulleraugen retten uns während dieser Prozedur mit den Beamten immer wieder das Leben und auch die Genderfrage kommt uns Frauen ausnahmsweise mal zu Gute. Es geht hin und her. Neue Beamte, neue Papiere, warten, wieder und wieder, bis einige endlich das Go bekommen.  Einige, aber nicht alle. Keine Einfuhr für unseren RTW, denn Sonderfahrzeuge benötigen eine spezielle Einfuhrbestimmung. Um schließlich auch dem RTW die nötigen Ausfahrpapiere zu besorgen, lassen wir mit uns Labyrinth spielen und werden von einer zur anderen Stelle gejagt. Was folgt ist wildes Gehupe und Korso im Kreisverkehr, von hier nach da nach dort, begleitet von mindestens 50 Chancen von wildhupenden LKWs überrollt zu werden - fragt sich nur wer weniger Ahnung hat, die Menschen an der Grenze oder doch wir.

Wir merken schnell, dass sich das mit den Papieren nicht als die leichteste unserer Aufgaben gestalten wird und treffen rasch die Entscheidung mit den 4 genehmigten Autos die Grenze zu verlassen, bevor wir deren Inhalt verzollen müssen. Zurück beim Zoll, der die 4 Autos eigentlich bereits genehmigt hatte, werden wir von einem anderen Beamten erneut festgehalten. Wieder Dokumente abgeben. Wieder Kontrolle. Wieder warten. Wieder Herzklopfen und immer weniger Kraft und Nerven, schließlich sind wir nun über 30 Stunden wach. Ein Glück haben wir Nici, die charmant auf französisch mit dem Offizier alles klärt, um uns nun schnellstmöglich hier rauszubringen. Ergebnis: Wir dürfen raus, müssen allerdings durch den Scanner. 

Es piept. 2 Autos sind erfolgreich durch. Wir entscheiden sofort, dass sie unverzüglich ohne nach hinten zu schauen das Gelände verlassen, bevor die anderen beiden nicht durch den Scanner kommen und am Ende doch noch alles verzollt werden muss. Doch auch bei uns klappt es. Wir treffen uns wieder an der Stelle, die wir nun zum 3. Mal nicht passieren und warten darauf unsere Pässe endlich wieder in Besitz nehmen zu dürfen. Wieder warten, aber schließlich halten wir sie wieder in den Händen. Jetzt müssen wir eigentlich nur noch passieren, fahren auf die Grenze zu - aber der zuständige Beamte an der Schranke ist beschäftigt: er betet. Tick Tock, Tick Tock. Nerven blank, Augen müde, doch wir haben Glück und so passieren wir 5 Minuten später tatsächlich die Grenze und kommen auch an der folgenden Polizeikontrolle entspannt vorbei. 

Wir fahren keine 200 Meter um eine Kurve und es qualmt vor uns auf. Bremse festgefahren bei Team Ingolstadt. Zeitgleich ein Anruf von Team RTW, das Auto muss vorerst stehen bleiben. Gute Nachricht: Wir dürfen ein Auto runter schicken und die wertvollen Geräte ausräumen, damit wenigstens die nicht verzollt werden müssen. Die Ereignisse überschlagen sich derart, dass selbst wir keinen Überblick mehr haben. Aber wenigstens das Auto von Team Ingolstadt läuft wieder.

 

Letzten Endes machen sich nach einigem Hin und Her schließlich 3 Autos auf den Weg zum eigentlichen Ziel des heutigen Abends. Begrüßt wird unsere Minigruppe vom marokkanischen Bergland voller Schlaglöcher, lebensmüder Marokkaner ohne Scheinwerfer und - wie sollte es auch anders sein - einem weiteren ganz besonderen Willkommensgeschenk: Der grau rosa Himmel blitzt uns leuchtend entgegen. Olivenbäume peitschen durch die Landschaft und auch der heutige Minikonvoi wird von den Böen hin und her geschaukelt. Ein Unwetter gesellt sich zu unserer Stimmung, in das wir vermutlich direkt hineintuckern beziehungsweise von den Marokkanern hineingejagt werden. Keine Sorgen Mamis da draußen: Unser Navi-Team passt gut auf die Herde auf und so bleiben wir vorerst unbeeindruckt von diesen Drängeleien. 

Da auch der Tag sich langsam dem Ende neigt, könnte man fast meinen auch Karma oder Glück oder wie diese Kräfte alle heißen mögen, gesellen sich langsam wieder zu uns. Dem Unwetter gelingt es jedenfalls höchstens dem ein oder anderen einen Schrecken vor der Fahrt einzujagen, nicht aber erwischt es uns tatsächlich. Und wenn man einem 40 Stunden wachen Nachtauge Glauben schenken mag, dann werden wir belohnt. Denn was die müden Äuglein da im Dunkeln bereits vor sich entziffern, sieht trotz Sturm nach einer atemberaubenden Kulisse aus. 

Der erste Part des Konvois kommt nach ordentlichem Gekurve und Gangschalterei schließlich endlich am Campingplatz an. Wir sitzen noch kurz zusammen, lassen die letzten 46h bei einem gemütlichen Bierchen Revue passieren, bevor wir schließlich komatös in unseren Betten versinken. Team RTW, wir sind in Gedanken bei euch, schicken ganz eklig viel Liebe und Gute-Nacht-Küsschen runter zu euch zur Grenze und freuen uns euch morgen hoffentlich endlich in Marokko wieder gruppenumarmend in die Arme zu fallen! Over and out. Und darauf, dass die nächsten Reisetageberichte kein derartiges Ereigns-Ausmaß mehr annehmen!  

 

Helden des Tages: Sarah und Leon, ohne die Liste wären wir nämlich nicht durch den Zoll gekommen. 

Nici für charmantes Französisch, das uns einiges erleichtert hat.

Den Frauen für Kulleraugen und naives Dummchengrinsen.

Greta und Jannis, dafür dass sie das alles durchstehen müssen.

 

Tag 4 - "Eklig viel Liebe" (25.03.2019)

 

Der gestrige Abend war ein Sein wie am Lagerfeuer. Wir reden über alte Zeiten, damals als wir uns alle noch so gar nicht kannten. Damals, vor 7 Tagen, als wir alle noch dachten, dass niemand in der Gruppe so richtig cool sein würde. Wir schmunzeln, lachen und liegen uns in den Armen.

Am heutigen Morgen, immer noch begleitet von unserem Maskottchen Nero und dem ein oder anderen Kater, verabschieden wir uns von unserer Siesta und lassen den Montag einen anständigen Montag sein: produktiv und effektiv, denn natürlich haben wir, vorausschauend wie wir sind, unsere Panne direkt 10km von einer Mercedeswerkstatt platziert. Und da auch wir pünktlich zum Wochenbeginn wieder mit einer gehörigen Portion Karma und gutem Willen ausgestattet sind, hat diese Werkstatt selbstverständlich auch unser Ersatzteil auf Lager! Damit nicht nur der RTW wieder frisch und rausgeputzt in Richtung Süden startet, suchen auch wir einen Ort mit warmem Wasser und ein paar Duschköpfen auf, damit sich die in der letzten Nacht eingebürgerten Gruppenumarmungen nach 3 Tagen ungeduscht auch wieder riechen und genießen lassen!

Leon und Jannis zaubern, wie sollte es auch anders sein, noch schnell ein 3Sterne Menü, während sich im Hintergrund des Geschehens plötzlich ein altbekanntes Geräusch zum brodelnden Gaskocher und den zwitschernden Vögeln dazugesellt. Der RTW, er lebt! Ein paar wohlverdiente Lobeshymnen auf den breit grinsenden und zurecht stolzen Helden Yannick folgen und werden mit einem deliziösen Mahl versiegelt und schon werden die Türen wieder zugeschlagen um endlich wieder zu fünft als Konvoi die Straßen Spaniens zu erobern! 

Ganz schön schön das alles. Und ein ganz schön schönes Gefühl endlich wieder unterwegs sein zu dürfen und unserem Ziel der ASB Health Klinik in Gambia ein Stückchen näherzukommen.

Unsere bisherige Autobahn-Anekdote das Tages: „Team Karla Kolumna an alle, hier sitzt eine kleine Pipimaus und wünscht sich bei der nächsten Gelegenheit ein 2 Minuten Pipi-Päuschen einzulegen“. Keine zwei Sekunden später (ungelogen & ohne Übertreibung, kleiner Finger Schwur!) blitzen uns neben der untergehenden Sonne 3 strahlende Rechtsblinker entgegen und man könnte darauf wetten, dass auch Team Ingolstadt, hinter uns, seine Scheinwerfer im selben Takt nach rechts tanzen lässt. Die Pipimaus funkt ein eklig kitschiges und tiefehrliches „Ich liebe euch“ in ihr Walkie-Talkie und der Konvoi fährt in der selben Minute auf den Parkplatz. 

Jaja, heute morgen albern wir noch über den Titel des heutigen Reisetagebuchberichts: „Scheisse harmonisch, eklig viel Liebe“ lautet der Kanon der Runde und spätestens beim Tippen dieser Zeilen weiß ich so langsam was damit gemeint ist. Dieses ganze Gesäusel und Gegrinse, das muss von außen wohl ganz schön auf die Nerven gehen. Ein Glück tragen wir mehrere rosa Sonnenbrillen und schweben im 7. Autobahnhimmel, deswegen ist uns das vorerst ganz schön egal! Wir tuckern jetzt nämlich beflügelt und kitschig in den Sonnenuntergang Richtung Marokko.

(Das Walkie-Talkie wird mittlerweile übrigens multimedial eingesetzt und zum externen „Ich sehe was, was du nicht siehst“ umfunktioniert. Letzten Endes genau das, was wir mit diesem Reisetagebuch und euch vorhaben- in der stillen Hoffnung, dass auch ihr durch die Texte und Bilder ein wenig nachspüren und euch vorstellen könnt, was wir hier alles sehen, spüren und erleben dürfen.)

Also liebe Freunde, das GPS Signal kommt seiner Montagsaufgabe erfolgreich nach und kann wieder ohne Stagnationen verfolgt werden, damit ihr genauestens wisst wo sich eure 15 Schützlinge so befinden! Was wir dabei erleben, sehen, denken, fühlen, folgt in den nächsten Artikeln und Bildern. Wir jedenfalls bleiben wohlauf, verliebt und gespannt auf alles was kommt!

Dank des Tages, der mittlerweile wohl eher Dank der Nacht heißen muss, geht neben Yannick heute an unser unheimlich charmantes und kompetentes weltallerbestes Naviteam! Danke, dass ihr eure Schäfchen immer ans richtige Ziel lotst, geduldig jedem Kaffee und jeder Pipipause in Sekundenschnelle nachkommt und das obwohl wir mittlerweile über 13 Stunden Nachtfahrt hinter uns haben. DANKE!

 

Tag 3 - Siesta (25.03.2019)

 

Siesta Amigos! Wir wollen gar nicht viele Worte verlieren schließlich leben wir heute eigentlich nur von Luft und Liebe! Und ein bisschen Tapas. Sonnencreme. Duschmangel. Aber das ist alles egal, denn es ist Sonntag und wir in Spanien somit gilt auch für uns der Stromsparmodus, Füße hochlegen und bloß nicht zu viel bewegen! Bewegt hat sich vor allem einer nicht und das ist unser RTW. Der hat nämlich absolute Zwangspause.

 

Wir nutzen den Tag um unseren Schlafmangel zu beheben. Nach den letzten Wochen genießen wir es, uns keinen Wecker stellen zu müssen und schlafen erstmal aus.

Am späten Vormittag kriechen dann die ersten Gestalten aus ihren mobilen Schlafzimmern. Gemütlich wird ein luxuriöses Frühstück gerichtet, das gleichzeitig auch zum Mittagessen wird. Es gibt Kaffee, Rührei, Müsli und Marmeladenbrot. In der Mittagssonne tut das erfrischend gut. Nebenher werden Kontakte aktiviert, damit wir morgen wieder starten können.

Die Nacht haben wir auf dem Parkplatz vor einem Hof verbracht. Bei der kleinen Fußballrunde will auch der Hund des Hofes mitspielen und wir schließen ihn sofort ins unser Herz. Der von uns als Nero getaufte Labrador, gibt sich mit einem Tennisball nicht zufrieden und bellt uns lautstark zu. Klar wer will auch einen Tennisball wenn man den größeren Fußball auch haben könnte.

Gegen 15.00 machen wir uns von Luko auf in Richtung Bilbao. Das Ziel ist eigentlich das Guggenheim Museum, doch unser Hunger treibt uns zu einer Tapas Bar. Das spricht nicht alle an und so wird sich kurzerhand aufgeteilt. Die einen genießen Tapas und Vino, die anderen Patatas und Burger.

 

Auf dem Rückweg wird ein kleiner Supermarkt angesteuert und sich mit Rot- und Weißwein eingedeckt.

Zurück am Hof in Luko genießen wir einen feuchtfröhlichen Abend. Nach und nach verabschiedet sich einer nach dem anderen ins Bett und träumt von unserer Weiterfahrt. Wir sind optimistisch, dass wir morgen „Back on the Road“ sind. Bis dahin, gute Nacht aus Nordspanien.

 

Tag 2 - Chaos und Karma (23.03.2019)

 

Schwer zu glauben, dass das alles an nur einem Tag passiert sein soll. Viel zu sehr fühlt sich dieses Leben an, als hätte es die letzten Wochen nichts anderes gegeben. Aber vor dieser Hommage an Gruppe und Reise, ein kleiner Überblick über die letzten Ereignisse, die in ihrer Intensität gefühlte 3 Wochen füllen könnten.

Nach 3 Stunden Schlaf klingelt morgens um 7.00 Uhr pünktlich der Wecker und reißt den einen mehr, den anderen weniger milde aus dem Schlaf. Trotz Müdigkeit werden die Türen schwungvoll aufgerissen und die französische Sonne steht gleich pünktlich mit uns auf. Ja, wir sind bereit! Ein provisorischer Tankstellenkaffee, Katzenwäsche und schon sitzen wir hinter unseren 5 Lenkrädern und freuen uns auf den vermutlich längsten Fahrtag dieser Reise. Vermutlich. 

Wäre unsere Reise ein Film, dann würde nach ein paar gemütlichen Roadtripsequenzen zwischen Morgenlicht und mediterranen Landschaften nun der dramatische Schwenk auf das Walkie Talkie kommen. „Team RTW an alle“ lautet die eigentlich recht harmlose Phrase, die durch das Gerät  gesäuselt wird und einläuten soll, was uns die nächsten Stunden erwarten wird. 

Keine 5 Minuten später stehen wir in unseren 10 Warnwesten am Seitenstreifen und leuchten mit dem RTW,  der Sonne und unserem roten Warnschild um die Wette. Ein paar Zentimeter weiter schießt ein LKW nach dem anderen an uns vorbei und denkt sich beim Betrachten der geöffneten Motorhaube unseres rauchenden RTWs vermutlich: Ach du Kacke, kein guter Platz für eine Panne. Und recht hat er damit.

Weitere 5 Minuten später kommen Polizisten von der vor uns gelegenen Unfallstelle auf uns zugeschritten und verschieben ihr mobiles Warn- und Stoppschild kurzerhand zu uns. Semi beruhigend.

Im Vollgas auf der Straßen geben sind wir nun vorerst gestoppt, aber Greta wäre nicht Greta wenn sie nicht flink ein anderes Ventil gefunden hätte, um diese Motivation anderweitig loszuwerden! Auf munterem Französisch regelt sie problemlos all die Dinge, die es mit den Damen und Herren der Polizei zu regeln gibt. Fazit: Abschleppen.

Was folgt soll die erste schöne Begegnung dieser Reise werden, die einem nicht nur das Vertrauen in die Franzosen wiedergibt sondern auch darin, dass egal was passiert, wir es irgendwie auf die Reihe bekommen werden. Der liebenswerte Mann vom Abschleppdienst lädt uns kostenfrei mit den Worten „Ihr habt mich nie gesehen“ vor seiner Werkstatt ab, an der wir vorerst in Ruhe Pläne schmieden können, wie es nun weitergehen mag.

Zwangspause und Teamkonferenz. Kreativstes Brainstorming vom Feinsten: Schrottplatz suchen und heimlich Ersatzteile ausbauen oder alle erdenklichen Werkstätten googeln und mit Anrufen terrorisieren - aber da wir in Frankreich sind und Samstag ist, scheinen all diese Pläne hoffnungslos unter dem Titel „am Wochenende geschlossen“ zu verpuffen. Willkommen in Südeuropa! Trotzdem, wir geben nicht auf, versuchen ein Schweißgerät aufzutreiben und das obwohl der Abschleppdienst nur mit einem breiten Schmunzeln auf unsere Idee reagiert, den RTW tatsächlich selber wieder zum Laufen bringen zu wollen. 

Während Nici und Johanna sich verzweifelt auf die Suche machen das kleinere Übel zu beheben und den Steinschlag im Doblo zu reparieren, verfährt sich der Rest der Gruppe und landet an einem Liefereingang irgendwo im französischen Industriegebiet. Mittlerweile ist auch das Abschleppseil gerissen und so scheint das Kartenhaus der kreativen Lösungsversuche allmählich ineinander zusammenzufallen. 

Plötzlich kommt eine Frau zu uns gefahren und bietet uns gestrandeten Walen ihre Hilfe an. Kurze Zeit später kommt wie aus dem Nichts ein kleiner stämmiger Mann, der Gatte der hilfsbereiten Dame, auf uns zugelaufen und fänden wir uns im Film wieder, dann würde er vermutlich begleitet von triumphalen Melodien in Zeitlupe auf uns zuschreiten. Ein kurzer Blick auf die Einspritzleitung des Diesels mit dem gebrochenem Ventil reicht, unser Retter weiß sofort was zu tun ist und verschwindet. Gute anderthalb Stunden später kehrt er mit dem reparierten Teil zurück, setzt es ein und während wir uns jubelnd in die Arme fallen, weilt auch der brummende Motor des RTWs wieder unter uns.

Was für ein Tag. Es ist 17 Uhr und wir nun wieder auf der Piste. Voller Tatendrang und Motivation Südeuropa nun schleunigst hinter uns zu lassen, sind wir bereit für 700 Kilometer Nachtfahrt. Die ersten Stunden gehen ins Lande, die Pyrenäen tauchen sich in tiefes rosa und wir tuckern weiter Richtung Süden. 

Jaja, nach diesem Spannungsbogen käme jetzt wohl der Abspann und alle wären gerührt und erleichtert. Aber Südeuropa möchte uns nicht so schnell gehen lassen und so stehen wir gegen 21 Uhr kurz nach der spanischen Grenze wieder mit rauchendem RTW und Benzinpfütze auf einem Parkplatz. Es ist schnell entschieden, wir werden die Nacht nutzen, um Schlaf aufzuholen und ein wenig Kraft zu tanken. Nachdem der ADAC uns abschleppt und die Geschehnisse des Tages unter einem mehr als verdienten Feierabendbier und Lichterketten irgendwo auf einem Parkplatz in Spanien besiegelt werden, heißt es: bonne nuit Tag 2 und bis morgen.

Trotz all dem, wir sind wohlauf und sicher auch das irgendwie geregelt zu bekommen. Genau diese Momente sind es doch, die den Ton der nächsten Wochen angeben. Unser Ton lautet jedenfalls: einer für alle, alle für einen und man möchte fast den Kopf darüber schütteln, dass wir tatsächlich erst seit 2 Tagen gemeinsam unterwegs sind. Egal was uns passieren wird, wir sind ein verdammt gutes Team und ziehen an einem Strang als wäre es schon immer so gewesen. Statt Trauerminen wurde gelacht, umarmt, sich geholfen und unterstützt. Cheers auf diese Truppe, die ersten zwei Tage und alles was noch kommen mag.

Es grüßen, 

die chaotischen Abenteurer 

 

PS: Der Dank des Tages geht an Yannick, der alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, jede Eventualität durchgegangen ist und ohne den wir schon morgens um 9 Uhr die Hoffnung aufgegeben hätten. DANKE!

 

Tag 1 - Generalprobe (22.03.2019)

 

Nach einer viel zu kurzen Nacht trifft sich der Konvoi um 9 Uhr auf dem Kirchplatz, sehnsüchtig 

erwartet vom Oberbürgermeister Götzmann der Presse und vielen weiteren, die uns 

verabschieden möchten. Die Autos werden begutachtet, Bilder gemacht und schon die ein oder 

anderen Wünsche und Umarmungen entgegengenommen. Nach einer kurzen Ansprache von 

Alexander Gössel richtet auch Herr Götzmann sein Wort an uns und wünscht uns viele schöne 

Erlebnisse und eine eindrucksvolle, pannenfreie Fahrt. 

Ein paar Minuten später ist es soweit, wir fahren los. Erster Stopp: Tankstelle Freiburg. Die Auto-

und Kaffeetanks werden aufgefüllt und dann kann es losgehen. Doch nicht lange, dann steuern 

wir die erste Parkbucht an. Die Benzinkanister müssen nochmal festgezurrt werden. Schon in den 

Startlöchern fährt die Polizei vor. So hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt. Nach kurzer 

Diskussion wird vereinbart, dass auf Grund der großen Beladung die nächste Tankstelle 

angefahren wird und alle Reifendrücke überprüft werden. 

Also, weiter geht’s. Die nächsten Stunden werden immer mal wieder durch kurze Stopps 

unterbrochen. Weitere Benzinkanister werden nochmal festgezurrt, ein leckender Benzinkanister 

wird direkt vertankt und auch einen kurzen Schockmoment gab es, der RTW springt nicht an. 

Doch auch das ist bald vergessen und es geht zurück auf die Autobahn. Wir fahren bis in die 

Dämmerung hinein und genießen unseren ersten Sonnenuntergang. Hoffentlich folgen noch viele 

unvergessliche...

Gegen 20.00 Uhr wird ein Rastplatz angesteuert und unser Abendessen vorbereitet. Auch das 

gestaltet sich als nicht ganz reibungslos, denn ein Gasbrenner möchte nicht richtig. Trotzdem 

gibts es irgendwann eine leckere Gemüsepfanne mit Salat.

Um 22.45 Uhr machen wir uns auf den Weg in Richtung Bordeaux. Mit kurzer Tank-, Pipi- und 

Zähneputzpause schaffen wir es noch bis ca. 50km vor Bordeaux. Mittlerweile ist es 3.15 Uhr und wir 

sind froh einen Rastplatz zum Schlafen gefunden zu haben.

Der Tag war geprägt von vielen kleinen Schwierigkeiten, die alle recht gut behoben werden 

konnten. Unsere Meinung: lieber lernen wir heute einige Tücken kennen, als später.

Nun heißt es, die erste Nacht unserer Reise zu verbringen. Wir sind gespannt wie wir schlafen und 

melden uns morgen wieder. Bis dahin: Gute Nacht!

 

Julian Ganter hat heute morgen ein tolles Video von der Abfahrt aufgenommen und zusammen geschnitten, herzlichen Dank dafür!

 

TAG 0 - Packen oder „Tetris Part II“ (21.03.2019)

 

Es ist soweit, denkt man sich, während nach und nach die Autos und Teams auf unserem verabredeten „Packplatz“ eintreffen und sich stolz ein erstes Mal hintereinander reihen. Noch vor der Kulisse des Kandels, dem Gründungsort des Vereins Drive to help, bald schon in ganz anderem Gebirge und vor ganz anderer Kulisse. Erstes Fazit: Sie machen sich gut!

Für ein großes Kennenlernen bleibt keine Zeit, denn heute heißt es: anpacken und den Slogan der letzten Wochen „Vollgas“ ein letztes Mal beim Sortieren, Packen und Einräumen geltend zu machen, bevor die große Reise schließlich losgeht. Die Stimmung ist gut, fast als könnte man das obligatorische Kennenlernen auslassen, da die Chemie ohnehin eindeutig stimmt und erfrischend vertraut ist.

Was die letzten Wochen für den einen noch recht abstrakt gewesen sein mag, während andere ohnehin jede freie und unfreie Minute mit nichts als der Organisation verbracht haben - es beginnt. Wir finden uns wieder an Tag Null. Der Tag, an dem das alles real wird. Der Tag, an dem einem bewusst wird, welches Ausmaß diese Fahrt, die Sachspenden, die Menge und alles drum herum wohl wirklich mit sich bringt. 

Die Stunden gehen schnell ins Land, die Autos werden gepackt und um die kommenden Wochen schon einmal schön einzuläuten werden auch die ersten Sonnenbrände verteilt! - Gut für uns, da wir unsere Packlisten bereits vor Abfahrt auf den wichtigen Punkt der After Sun erweitern können (von wegen die braucht man nicht beim ganzen Auto fahren!).

Am Abend werden wir vom wundervollen Gastherrn Arthur zum ersten Dinieren in der neuen Runde eingeladen. Eindeutige Intention: unserem Küchenteam ein paar kulinarische Hints zu geben und den Auftakt für die folgende Sterneküche der nächsten Wochen zu geben!

Noch schnell ein paar Worte der Stammesältesten um uns feierlich, mahnend und vorn allem erfahren auf das Kommende vorzubereiten. 

Ready or not, Tag Null neigt sich dem Ende zu und viele müde Gesichter freuen sich auf ein paar letzte Stunden Schlaf im gemütlichen Bett bevor Tag 1 beginnt und wir in unser Abenteuer starten werden.

An dieser Stelle ein Herzliches Danke an alle fleißigen Helfer und Spender. Wir sind überwältigt von dem was bereits bisher alles passiert ist und freuen uns auf die kommende Zeit!