Die aktuelle Spendenfahrt nach Serekunda in Gambia könnt ihr über die App polarsteps verfolgen. Dort wird das Team immer wieder in Echtzeit Bilder und kurze Beiträge hochladen. Hier im Reisetagebuch kommen die Beiträge mit etwas Verzögerung.
Über diesen Link kommt ihr auf die Seite des Reisetagebuches bei Polarsteps:
Tag 1:
Der erste Tag unserer Reise begann in Waldkirch mit einem würdigen Abschied im Pavillon an der Schlettstadtallee. Trotz des festen Regens und der vielen Pfützen hatten sich erstaunlich viele Menschen versammelt, um uns zu verabschieden. Zum Glück bot uns der Pavillon Schutz vor dem Wetter. Sowohl der 1. Vorstand, Sebastian Starke, als auch der Bürgermeister von Waldkirch, Michael Schmieder, richteten noch ein paar Worte an uns und wünschten uns eine gute und sichere Reise.
Fast pünktlich um 10:15 Uhr ging es dann endlich los. Die Straßen waren zunächst noch nass, doch kaum hatten wir die Grenze nach Frankreich überquert, wurden die Straßen allmählich trockener und die Sonne zeigte sich. Wir fuhren auf einer mautfreien Strecke quer durch Frankreich und wurden dabei von einer wunderschönen Landschaft begleitet. Zwischendurch zeigte sich immer wieder traumhafter Sonnenschein, auch wenn uns gelegentliche Regenschauer weiterhin begleiteten.
Typisch für Frankreich begegneten uns unterwegs unzählige Kreisverkehre. Trotzdem funktionierte unsere Kolonne hervorragend – ein großes Dankeschön an Team 1 für die Navigation, die uns sicher durch den Tag geführt hat.
Am Abend erreichten wir schließlich unser Ziel: Guéret. Aufgrund der kühlen Temperaturen entschieden wir uns für eine eher ungewöhnliche, aber sehr gemütliche Lösung für das Abendessen: Zu acht saßen wir im Feuerwehrauto zusammen, wo die Standheizung für wohlige Wärme sorgte.
Alles in allem war es ein richtig guter erster Reisetag und wir sind gespannt auf den morgigen Tag, der uns hoffentlich sicher nach Spanien bringt.
Tag 2:
Die erste Nacht war ziemlich kalt. Am Morgen hieß es deshalb erst einmal: Frontscheiben freikratzen und Heizung aufdrehen, bevor wir uns wieder auf den Weg machen konnten. Schon um 6:30 Uhr starteten wir in den neuen Reisetag. Kurz nach der Abfahrt legten wir einen Stopp an einer Tankstelle ein. Zeit für einen schnellen Toilettengang und einen heißen Kaffee.
Danach führte uns die Strecke über ruhige Landstraßen durch weite Felder und kleine Dörfer. Immer wieder tauchten wir in dichte Nebelfelder ein, die der Landschaft eine ganz besondere Stimmung verliehen. Kurz vor Bordeaux machten wir eine Pause und das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite: 15 °C, strahlender Sonnenschein und ein tiefblauer Himmel.
Nachdem wir Bordeaux passierten, wo deutlich mehr Verkehr herrschte, verließen wir die Autobahn wieder und setzten unsere Reise auf kleineren Straßen fort. Die Route führte uns weiter über Bayonne in Richtung Atlantikküste. In Saint-Jean-de-Luz konnten wir immer wieder einen Blick auf den Atlantik erhaschen. Besonders beeindruckend waren dort auch die typischen Fachwerkhäuser mit ihren rot-weißen Fassaden.
Wenig später überquerten wir bei San Sebastián die spanische Grenze. In Spanien wechselte das Wetter erneut – immer wieder zogen Regenschauer durch, doch dazwischen ließ sich auch die Sonne blicken. Die Autobahn führte uns nun durch eine beeindruckende Berglandschaft mit zahlreichen Tunneln.
Auf spanischem Boden tankten schließlich alle Fahrzeuge noch einmal voll. Hier waren die Preise deutlich günstiger. Am Abend erreichten wir unser Tagesziel Burgos. Dort machten wir uns zunächst auf die Suche nach einem Restaurant. Gemeinsam aßen wir Tortilla und ein paar Pommes nach spanischer Art (lapprig und in viel Soße getränkt). Die Gruppe teilte sich schließlich auf: Während eine Hälfte noch einen langen Spaziergang unternahm, um die wunderschöne Altstadt zu sehen, machte sich die andere Hälfte bereits auf den Weg zum Schlafplatz am Rasthof.
Fazit des Tages: Wieder ein erfolgreicher Tag auf der Straße. Morgen, vorletzter Tag in Europa, geht es weiter Richtung Sevilla.
Tag 3:
Der dritte Tag begann mit dem Wecker um 06:30 Uhr. Da wir an der Raststätte übernachtet hatten, gab es den ersten Kaffee direkt vor Ort. Die Nacht war deutlich angenehmer als zuvor – unter dem spanischen Himmel spürbar wärmer.
Unser Tagesziel war Sevilla. Die Route führte uns zunächst in Richtung Madrid und anschließend weiter vorbei an Salamanca. Unterwegs bot sich uns ein beeindruckender Anblick: In der Ferne konnten wir die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada erkennen, die sich eindrucksvoll von der sonst kargen oder grünen Landschaft abhoben.
Zwischendurch legten wir einen kurzen Tankstopp ein und nutzten die Gelegenheit für einen schnellen Besuch im Supermarkt. Gefrühstückt wurde später ganz pragmatisch im Auto. Während der Fahrt änderte sich das Wetter deutlich. Bei angenehmen 17 °C und strahlend blauem Himmel war von der Kälte oder den zurückliegenden Regenschauern nichts mehr zu sehen.
Gegen Nachmittag erreichten wir schließlich Sevilla. Dort bezogen wir einen kostenpflichtigen Stellplatz und richteten unsere Autos für die Nacht her. Danach gab es kein Halten mehr: Ein regelrechter Sturm auf die Duschen sorgte dafür, dass wir uns nach der langen Fahrt endlich wieder frisch fühlen konnten.
So machten wir uns anschließend auf den Weg in die Altstadt. Die prächtigen Gebäude, der Duft der Orangenbäume und die besondere Atmosphäre beeindruckten uns sehr. Für das Abendessen teilte sich die Gruppe auf, sodass jeder nach seinem eigenen Geschmack etwas Passendes finden konnte.
Sevilla hat uns begeistert. Müde, aber zufrieden, ging es schließlich ins Bett.
Morgen steht ein besonderer Abschnitt an – wir wechseln den Kontinent und betreten erstmals afrikanischen Boden.
Tag 4:
Der vierte Tag begann früh am Morgen mit der Weiterfahrt in Richtung Cádiz mit dem Ziel Algeciras. Wir wollten möglichst früh am Hafen ankommen, um bessere Chancen bei der Fähre und der anschließenden Zollabfertigung in Marokko zu haben.
Während der Fahrt veränderte sich die Landschaft zunehmend. Die Felsen entlang der Autobahn wurden schroffer, und ein starker Wind kam auf. Gleichzeitig führte uns die Strecke durch beeindruckende Natur mit Pinienwäldern und Palmen – und immer wieder wuchs die Vorfreude auf den Blick aufs Meer.
Im Hafengebiet wurden wir von einem Mitarbeiter eingewiesen, doch schnell stellte sich heraus, dass etwas nicht stimmte: Die Fahrt endete in einem Parkhaus mit viel zu niedriger Durchfahrtshöhe. Zum Glück entstand an keinem unserer Fahrzeuge ein Schaden. Der vermeintliche Helfer entpuppte sich als Betrüger, der versuchte, uns ungültige Tickets zu verkaufen. Nachdem wir die Situation erkannt hatten, parkten wir um und kauften unsere Fährtickets auf offiziellem Weg.
Nach etwa 1,5 h Stunden Überfahrt erreichten wir Tanger Med. Nach und nach kamen alle Teams von der Fähre. Ein Fahrzeug hatte jedoch vergessen, die Pässe an Bord stempeln zu lassen, was zu einer längeren Wartezeit am Schiff für das Team führte.
Anschließend folgte die Zollkontrolle. Insgesamt verbrachten wir etwa zweieinhalb Stunden dort. Die Autos wurden durchsucht, mit dem X-Ray Scanner kontrolliert und vereinzelt Gepäck geöffnet. Zum Glück hatten wir unsere Packlisten griffbereit. Im Vergleich zu den Erfahrungen der letzten Jahre ging es jedoch erstaunlich schnell.
Nach der Einreise tankten wir direkt an einer afrikanischen Tankstelle und besorgten uns marokkanische SIM-Karten. Danach setzten wir unsere Fahrt fort und fuhren in die Nacht hinein.
Unser Ziel war ein kleiner Campingplatz in Akchour, den wir schließlich erreichten. Dort angekommen, zauberte Linus noch schnell ein Abendessen für alle. Bei ein paar Getränken ließen wir den ereignisreichen Tag ausklingen, bevor es schließlich müde ins Bett ging.
Tag 5:
Der fünfte Tag begann mit unserem Aufbruch aus Akchour. Bei Tageslicht zeigte sich der Campingplatz noch einmal von seiner schönsten Seite: Direkt am Fluss gelegen, mit einer Hängebrücke und liebevoll gestalteten Gebäuden mit kleinen Appartements, wirkte der Ort fast schon märchenhaft.
Anschließend machten wir uns auf den Weg in die „blaue Stadt“ Chefchaouen. Dort angekommen, teilten wir uns auf, sodass jeder die Stadt auf eigene Weise erkunden konnte. Die vielen blau bemalten Gebäude hinterließen einen bleibenden Eindruck und verliehen der Stadt eine ganz besondere Atmosphäre. Nach einer ausgiebigen Erkundung und einem original marokkanischen Minztee trafen wir uns schließlich wieder an den Fahrzeugen.
Von dort aus ging es weiter in Richtung Sidi Ali. Die Fahrt führte uns durch abwechslungsreiche Landschaften mit immer wieder atemberaubenden Ausblicken. Wir waren sowohl auf gut ausgebauten Schnellstraßen unterwegs als auch auf kleinsten Straßen, die von Schlaglöchern gesäumt waren und unsere volle Aufmerksamkeit forderten.
Unterwegs passierten wir mehrere Polizeikontrollen, wurden jedoch fast immer direkt durchgewunken. Nur unser Feuerwehr Auto ignorierte eine Stop-Anforderung und wurde direkt mit einem Strafzettel belegt.
Immer wieder begegneten uns Kinder am Straßenrand, die uns freudig zuwinkten. Einige von ihnen konnten wir mit kleinen Süßigkeiten überraschen, was für große Begeisterung sorgte.
Schließlich erreichten wir unser Tagesziel und konnten noch bei Tageslicht unseren Platz in Sidi Ali aufschlagen. Ein weiterer ereignisreicher Tag ging zu Ende, und wir sind gespannt, was der nächste Tag für uns bereithält.
Tag 6:
Der sechste Tag begann entspannt mit einem gemeinsamen Frühstück. Unser Tagesziel: Ouzoud. Bei bestem Wetter mit blauem Himmel brachen wir schließlich von Volubilis auf und machten uns wieder auf den Weg. Einmal mehr zeigte sich Marokko von seiner beeindruckendsten Seite und begeisterte uns mit seiner landschaftlichen Vielfalt.
Die Strecke führte uns durch Gebirge mit kargen, schroffen Felswänden, über weite Hochebenen mit leuchtend orangenen Blumenfeldern und gelben Rapsplantagen. Immer wieder sahen wir große Schafherden, die das Landschaftsbild prägten. Die Straßen waren dabei oft klein, holprig und von Schlaglöchern sowie Schotter geprägt. Das machte die Fahrt zwar anspruchsvoll, aber auch besonders abenteuerlich.
Auf unserem Weg durchquerten wir zahlreiche kleine Dörfer und Städte. Überall herrschte reges Treiben: Roller, Eselskarren und teils stark überladene LKW bestimmten das Straßenbild. Unsere Kolonne sorgte dabei immer wieder für Aufmerksamkeit. Vor allem die winkenden Kinder am Straßenrand freuten sich sichtlich, wenn sie eine kleine Süßigkeit von uns bekamen.
Nach einer Mittagspause mit spektakulärer Aussicht kam es zu einem Wechsel der Besetzungen in den Autos. Eine richtig gute Idee, die für neue Gespräche und eine schöne Durchmischung innerhalb der Gruppe sorgte.
Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich unser Ziel: den wunderschönen Campingplatz Auberge Zebra in Ouzoud. Dort wurden wir herzlich empfangen. Den Abend ließen wir entspannt in der campingeigenen „Zebrabar“ ausklingen, wo wir eine sehr leckere Tajine oder Harira-Suppe genießen konnten.
Ein wunderschöner Ort inmitten toller Natur, der uns sicher lange in Erinnerung bleiben wird und diesen langen Fahrtag perfekt abrundete.
Tag 7:
Die Nacht war erholsam, sodass wir gestärkt in den neuen Tag starten konnten. Nach einem entspannten Frühstück in der Sonne, einer Dusche und dem Abwasch machte sich ein Teil der Gruppe auf den Weg zu den nahegelegenen Wasserfällen von Ouzoud. Laut Recherche die höchsten Wasserfälle Marokkos.
Glücklicherweise waren wir früh unterwegs, sodass die großen Touristengruppen erst eintrafen, als wir unsere Rundtour bereits fast beendet hatten. Die Wasserfälle waren wirklich beeindruckend und es ließ sich gut erahnen, was hier in der Hochsaison los sein muss. Mit Blick auf die fallenden Wassermassen gönnten wir uns noch einen frisch gepressten Orangensaft und genossen den Moment.
Währenddessen blieben Jens und Dominik bei den Fahrzeugen zurück und machten es den afrikanischen Wachhunden gleich: entspannt im Schatten liegen und die Ruhe genießen.
Gegen Mittag brachen wir uns schließlich in Richtung Marrakesch auf. Die Strecke führte uns über kleine Straßen durch abwechslungsreiche Landschaften. Vorbei an sanften Hügeln, grünen Wiesen sowie der typisch roten Erde und den charakteristischen Lehmbauten der Region.
Ein kurzer Schreckmoment entstand, als die Feuerwehr nach einem heftigen Schlagloch befürchtete, einen Platten zu haben. Zum Glück bestätigte sich diese Sorge nicht und wir konnten ohne Probleme weiterfahren.
Am Nachmittag erreichten wir unseren Campingplatz am Rande von Marrakesch. Cheese und Erik machten sich noch einmal auf den Weg, um Vorräte zu besorgen, hatten jedoch kein Glück. Aufgrund des Ramadan waren die Geschäfte bereits geschlossen.
Am Abend teilte sich die Gruppe erneut auf: Ein Teil ging ins Restaurant am Campingplatz, während die anderen selbst kochten. In gemütlicher Runde ließen wir den Tag bei einer Partie Kniffel im Kerzenschein ausklingen.
Morgen steht ein Pausentag an. Wir wollen die Stadt erkunden und Kraft tanken, bevor es weiter ins Atlasgebirge geht.
Tag 8:
Ruhetag Marrakesch
Der heutige Tag war unser erster Ruhetag. Auf einen Campingplatz am Rande von Marrakesch konnten wir zunächst verschnaufen. Wir hatten Zeit, unsere Wäsche zu waschen, ausgiebig zu duschen oder auch ein Buch zu lesen.
Dann ging es nach Marrakesch auf Erkundungstour. Eine tolle Stadt!
Morgen geht's weiter über die verschneiten Gipfel des Atlas-Gebirges. Es zeigt sich bereits am Horizont
Tag 9:
Der Tag begann etwas ungewohnt: Durch die Zeitumstellung im Rahmen des Ramadan starteten wir eine Stunde früher in den Tag als gedacht. Nach ausgiebigen Frühstück mit Rührei und Baguette starteten wir unsere Fahrt. Mit einem kurzen Tankstopp machten wir uns auf den Weg in Richtung Atlasgebirge. Schon aus der Ferne bot sich uns ein traumhaftes Panorama mit schneebedeckten Bergen, auf die wir langsam zufuhren.
Bald darauf begann die Auffahrt in Serpentinen. Kurve um Kurve arbeiteten wir uns den Pass hinauf und wurden dabei immer wieder mit atemberaubenden Ausblicken auf die weite Ebene und die umliegenden Berge belohnt. Schroffe Felswände, Gerölllandschaften und überraschend gut ausgebaute Straßen begleiteten uns auf diesem Abschnitt. Unsere anfänglichen Bedenken bezüglich einer schwierigen Überfahrt oder möglichem Schnee bestätigten sich glücklicherweise nicht.
Nach der Passüberquerung ging es hinab ins Tal, wo sich die Landschaft erneut stark veränderte. Steinige Wüstenabschnitte wechselten sich mit grünen Oasen ab, in denen Palmen und kleine Gärten für lebendige Kontraste sorgten.
Ein besonderer Halt war das Lehmdorf Ait Ben Haddou, das unter anderem als Filmkulisse für „Game of Thrones“ bekannt ist. Dort legten wir eine Pause ein, erkundeten die beeindruckende Anlage und stärkten uns mit einer kleinen Mahlzeit.
Anschließend ging es weiter zu einem nahegelegenen Campingplatz, den Cheese noch von einer vorherigen Tour kannte. Da wir uns Kilometer sparen wollten und der morgige Tag von hier aus genauso gut gefahren werden kann, änderten wir den Übernachtungsort kurzfristig.
Trotz eines kurzen Regenschauers ließ es sich Team Grisu nicht nehmen, bei einsetzender Dämmerung eine leckere Reispfanne mit Gemüse zuzubereiten.
Am Abend wurde es, wie so oft, schnell kühl, sodass wir nicht mehr lange draußen sitzen konnten. Dennoch ließen wir den Tag zufrieden ausklingen – ein weiterer schöner und eindrucksvoller Reisetag ging zu Ende.
Tag 10:
Auch der zehnte Tag begrüßte uns wieder mit strahlend blauem Himmel und dem Anblick schneebedeckter Berge am Horizont – wir haben wirklich großes Glück mit dem Wetter auf unserer Reise!
Der Morgen begann mit einem gemütlichen Frühstück auf unserem Campingplatz. Anschließend wurde noch ein kurzer Check am Transit von Team DJ durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass vermutlich ein Defekt am Turbolader vorlag, was zu einer verminderten Motorleistung führte. Dennoch entschieden wir uns, die Fahrt fortzusetzen und ins Gebirge aufzubrechen.
Die Strecke führte uns erneut durch beeindruckende Landschaften. Die groben Felswände entlang der Straße wechselten immer wieder ihre Farben – von grauem Schiefer über sandfarbene Töne bis hin zu grün bewachsenen Abschnitten. Immer wieder mussten wir aber Umleitungen fahren, da starke Regenfälle in den vergangenen Monaten zu Erdrutschen geführt hatten und einige Straßenabschnitte nicht mehr passierbar waren.
Unterwegs boten sich uns zahlreiche spektakuläre Ausblicke auf die umliegenden Gebirgszüge. Während der Fahrt meldete sich schließlich auch der Bus von Team 1: Der Verdacht bestätigte sich, der Turbolader hatte tatsächlich einen Defekt, wodurch der Motor nicht mehr die volle Leistung erbringen konnte. Zwar ungünstig, aber das Fahrzeug blieb weiterhin fahrbereit und wir konnten gemeinsam weiterfahren. Bergauf mussten wir einfach ein bisschen Rücksicht nehmen.
Wir passierten weitere hohe Berge und tiefe Täler, begleitet von vereinzelten Regenschauern. An einem kleinen Dorf legten wir eine Pause ein, bei der sich schnell einige Kinder zu uns gesellten. Kurzerhand holten wir Fußbälle aus dem Bus und es entstand ein spontanes gemeinsames Fußballspiel. Die Freude war auf beiden Seiten groß. Insbesondere, als wir den Kindern die Bälle am Ende schenkten.
Am Abend erreichten wir schließlich gut gelaunt unseren Campingplatz. Dort wurde noch gemeinsam gekocht und die nächste Etappe geplant, bevor wir den Tag entspannt ausklingen ließen.
Tag 11
Nach gemütlichen Frühstück, Duschen und dem üblichen verräumen der Bierbänke und den Versorgungskisten, machten wir uns schließlich auf den Weg.
Unser erstes Ziel waren die berühmten blauen Steine bei Tafraoute. Mitten in der sonst braunen, kargen Landschaft wirkten die riesigen, blau bemalten Felsen fast surreal. Der starke Kontrast zwischen der Farbe und der Umgebung machte die Kunstinstallation besonders eindrucksvoll. Kaum angekommen, ließen es sich Linus und Cheese nicht nehmen, direkt den höchsten Felsen zu erklimmen und uns von oben zu grüßen. Zum Glück verlief auch der Abstieg problemlos und beide kamen wieder sicher unten an. Insgesamt wurde die Installation selbst in der Gruppe unterschiedlich aufgenommen.
Anschließend setzten wir unsere Fahrt in Richtung Sidi Ifni fort, unserem Tagesziel. Die Strecke führte uns erneut durch die Ausläufer des Anti-Atlas. In den Tälern erstreckten sich immer wieder große Palmenhaine entlang der Flussläufe. Unterwegs passierten wir auch Tiznit, eine größere und lebhafte Stadt, in der reger Verkehr und teils waghalsige Fahrmanöver zum Alltag gehörten.
Irgendwann hatten wir die Berge hinter uns gelassen und plötzlich lag er vor uns: der Atlantik. Die ersten Strecken entlang der Küste stehen bevor. Heute erstmal nur bis zu unserem Übernachtungsplatz in Sidi Ifni.
Dort angekommen, bauten wir zügig unser Lager auf. Linus, Lukas und Cheese stürzten sich anschließend direkt in die Wellen. Der Rest der Gruppe ließ es etwas ruhiger angehen, suchte sich eine gemütliche Bar an der Promenade oder erkundete die Umgebung.
Am Abend gingen wir noch in einem kleinen lokalen Laden einkaufen, um unsere Vorräte für die kommenden Tage aufzufüllen. Zurück am Platz übernahmen Gisela, Gabi und Jens das Kochen und bereiteten ein gemeinsames Abendessen für alle zu.
Mit dem heutigen Tag haben wir die zweite Hälfte unserer Reise erreicht – sowohl was die Strecke als auch die Fahrtage betrifft. Morgen verlassen wir Marokko und machen uns auf den Weg in die Westsahara.
Tag 12:
Der zwölfte Tag begann mit dem Tagesziel: El Aaiún. Nach einem kurzen Tankstopp ging es auf die Schnellstraße in Richtung Tan-Tan.
Die Landschaft zeigte sich zunächst noch von ihrer grünen Seite. Wunderschöne, weitläufige Flächen mit Kakteenplantagen begleiteten uns auf den ersten Kilometern, bevor wir uns zunehmend dem Meer näherten. Doch schon bald veränderte sich das Bild: Die Vegetation ab der Schnellstraße wurde spärlicher, die Umgebung karger.
Ein kurzer Zwischenfall sorgte für Aufregung: Team DJ wurde wegen zu schnellen Fahrens von der Polizei gestoppt – ein Strafzettel auf Arabisch war die Folge. Eine schöne Erinnerung, die zu verschmerzen ist 🙂
Je weiter wir fuhren, desto mehr verwandelte sich die Landschaft in eine wüstenartige Szenerie. Erste Sandverwehungen auf der Straße bestätigten diesen Eindruck, und auch der Himmel wirkte zunehmend rötlich und vom Sand getrübt. Die Strecke führte uns nun zwischen zwei Extremen entlang: auf der einen Seite das Meer, auf der anderen die raue, trockene Wüste.
Dann erreichte uns über Funk eine weniger erfreuliche Nachricht: Team Echo Lima mit Erik und Lukas hatte einen platten Reifen. Wir konnten es mitten auf der Schnellstraße mit den Kompressor beheben. Die weiteren 300km sollte alles halten. Wir hoffen, dass es für die kommenden Tage auch hält.
Während wir weiterfuhren, wich die felsige Wüstenlandschaft zunehmend feinerem Sand. Schließlich erreichten wir El Aaiún – und waren überrascht: Eine moderne, saubere Stadt mit gepflegten Gebäuden und großzügigen Palmengärten erwartete uns.
Auf den letzten Kilometern tauchten bereits erste kleinere Dünen entlang der Straße auf und gaben einen Vorgeschmack auf die bevorstehende Wüstenetappe in den nächsten Tagen.
Unsere Übernachtung verbrachten wir schließlich etwa 20 Minuten außerhalb der Stadt direkt am Strand. Kein klassischer Campingplatz, sondern ein einfacher Parkplatz am Meer – dafür mit umso beeindruckenderer Kulisse. Linus und Cheese ließen es sich nicht nehmen und sprangen direkt nochmal in den Atlantik.
Am Abend gab es Spaghetti mit Tomatensoße, bevor wir den Tag bei einem Minztee in einem kleinen Café am Strand ausklingen ließen und den Sonnenuntergang genossen.
Tag 13:
Der dreizehnte Tag begann mit einem Problem: Am Vito wurde vor der Abfahrt noch ein Rad gewechselt, nachdem ein Nagel im Reifen entdeckt worden war und der Reifen seit gestern wieder Luft verloren hatte. Zum Glück konnte das Problem schnell behoben werden, sodass wir mit einer halben Stunde Verzögerung in die neue Tagesetappe starten konnten. Unser Ziel: Dakhla.
Die Strecke führte uns erneut entlang des Atlantiks. Dabei fiel besonders auf, wie stark in dieser Region in die Infrastruktur investiert wird. Große Flächen wurden für neue Bauprojekte vorbereitet, und sogar eine neue Promenade mit Spielplätzen direkt am Meer entstand. Und das, obwohl ringsherum noch kaum Bebauung zu sehen war. Es bleibt spannend, wie sich diese Gegend in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln wird.
Die Landschaft ähnelte zunächst stark der des Vortages: karge, steinige Wüste, durchzogen von einer gut ausgebauten, fast schnurgeraden Straße. Immer wieder blitzte der Atlantik auf. Auffällig waren zudem die einfachen Zelte und Hütten am Straßenrand. Ein starker Kontrast zu den modernen und scheinbar wohlhabenden Städten.
Ein Tank- und Kaffeestopp brachte uns mitten ins lokale Leben. Zwei Reisebusse mit Einheimischen hielten ebenfalls dort, und das bunte Treiben rund um uns war spannend zu beobachten.
Ein weiterer Ort auf unserer Route war Boujdour. Auch hier zeigte sich ein ähnliches Bild wie zuvor: große, breite Straßen, gesäumt von Palmen und Springbrunnen, dazu bewachte Verwaltungsgebäude und ein neu entstehendes Industriegebiet.
In der Mittagspause wurde zeitgleichn Eriks Geburtstag gefeiert. Sogar ein Geburtstagskuchen und ein Geschenk durfte nicht fehlen. Schön, dass wir diesen Tag mit ihm feiern dürfen.
Danach nahmen wir die verbleibenden rund 230 Kilometer der Etappe in Angriff. Auf Wunsch von Erik legten wir noch einen zusätzlichen Stopp an einer beeindruckenden Sehenswürdigkeit ein: steile, abbrechende Klippen direkt am Meer. Der Ort war spektakulär und bot einen großartigen Blick auf den Atlantik. Ein Ort, der auch bei vergangenen Fahrten schon als Fotomotiv diente.
Am Abend erreichten wir schließlich Dakhla. Dort errichteten wir unser Lager in Form einer Wagenburg, um uns bestmöglich vor dem starken Wind zu schützen. In gemütlicher Runde ließen wir den Tag ausklingen. Ein weiterer ereignisreicher Abschnitt unserer Reise liegt hinter uns.
Tag 14:
Der vierzehnte Tag begann in Dakhla mit dem Ziel, einen Rastplatz nahe der marokkanisch-mauretanischen Grenze zu erreichen. Für den kommenden Tag ist die Grenzüberquerung geplant. Um möglichst früh am Zoll zu sein, entschieden wir uns, bereits heute so nah wie möglich heranzufahren.
Nach einem gemütlichen Frühstück kümmern wir uns zunächst um den Moskitoschutz in den Fahrzeugen. Nach der Wüste wird das Thema akut und darauf möchten wir vorbereitet sein. Da wir abends nicht allzu früh an der geplanten Raststätte ankommen wollen, starten wir dann gegen 12:30 Uhr.
Schon bald ändern sich die Straßenverhältnisse deutlich. Die gut ausgebaute Strecke weicht einer älteren Straße mit ausgefahrenen Spurrillen und brüchigen Rändern. Der Sand wird feiner, die Luft beginnt zu flirren, und die Umgebung wirkte zunehmend unwirklich. Trotz der Tatsache, dass es sich um die einzige Landverbindung zwischen Marokko und Mauretanien handelt, waren wir nahezu allein unterwegs.
Nur gelegentlich begegneten uns Dromedare, die uns meist mit einem skeptischen Blick begegnen. Doch selbst diese Begegnungen wurden seltener, und die Fahrt entwickelte sich zu einer ruhigen, fast monotonen Etappe. Die Landschaft wechselte nur leicht zwischen sandigeren und steinigeren Abschnitten.
Etwa eine Stunde vor unserem geplanten Ziel legten wir einen Stopp an einer Tankstelle ein. Team Echo Lima schlug einen Fahrerwechsel und eine kurze Klopause vor. Dort wurden wir von einem jungen Tankstellenwart empfangen, der uns sofort mit leckerem Kaffee versorgte. Auch die Sanitäranlagen waren überraschend neu und sehr gepflegt.
Die Bedingungen waren so gut, dass wir spontan entschieden, hier zu bleiben, anstatt bis zur letzten Tankstelle vor der Grenze weiterzufahren. Es erschien uns deutlich angenehmer, anstatt uns später mit zahlreichen LKW-Fahrern den letzten verfügbaren Platz teilen zu müssen. Dafür würden wir am nächsten Morgen einfach etwas früher starten.
Schnell fühlten wir uns wohl: Nach dem Kaffee wurde geduscht und die Fahrzeuge noch einmal vollgetankt. Der Tankwart zeigte dabei eine wunderbare Gastfreundschaft. Kurzerhand düste er mit seinem Roller in die Stadt und kam mit einem großen Tablett voller süßer Leckereien zurück. Er setzte sich zum Abendessen zu uns und versorgte uns noch mit Getränken. Diese Herzlichkeit und Offenheit war für uns sehr beeindruckend.
Nach einer gemütlichen Runde Kniffel im windstillen Innenbereich ging es schließlich ins Bett. Die morgige Grenzüberquerung wird spannend und wir hoffen, dass alles gut klappt.
Tag 15:
Der fünfzehnte Tag begann früh mit dem Aufbruch von unserer Tankstelle in Richtung Grenze zu Mauretanien. Es herrschte eine Anspannung, denn heute stand die Grenzüberquerung nach Mauretanien an.
Wie erwartet, dauerte es: Für die Ausreise aus Marokko benötigten wir etwa zweieinhalb Stunden, die Einreise nach Mauretanien dauerte sogar rund drei Stunden. Viel Bürokratie, zahlreiche Stationen und immer wieder Warten waren angesagt. Nach erfolgreicher Ausreise tauschten wir noch Bargeld und organisierten uns eine SIM Karte.
Zwischen den beiden Grenzen, im sogenannten Niemandsland, trafen wir schließlich Sheikh, unseren Wüstenführer. Er unterstützte uns bei der Einreise. Eine große Hilfe, denn ohne lokale und auch sprachliche Unterstützung wäre dieser Prozess wohl noch deutlich komplizierter gewesen.
Nach der erfolgreichen Einreise ging es direkt weiter in Richtung Wüste. Sheikh übernahm die Führung und leitete uns zunächst über eine Straße, die sich in einem äußerst schlechten Zustand befand. Riesige Schlaglöcher zwangen uns immer wieder zum Ausweichen auf sandige Seitenstreifen. Die Fahrt wurde zunehmend anstrengend und zog sich spürbar in die Länge, da auch die Geschwindigkeit reduziert werden musste. Am Abend klagte der ein oder andere über einen wehtuenden Popo.
Die Landschaft war beeindruckend. Feiner Sand türmte sich zu Dünen entlang der Straße und die Weite der Wüste schien grenzenlos. Gleichzeitig sahen wir aber auch viel Armut: einfache Wellblechhütten und Zelte und erneut viel Müll prägten das Bild. Eindrücke, die wir euch nicht vorenthalten möchten.
Schließlich bogen wir auf sandigen Untergrund ab. Wir hielten an und Sheikh erklärte uns die nächsten Schritte für die Fahrt auf Sand. Der Reifendruck wurde auf etwa 1,5 bar reduziert, um die Auflagefläche zu vergrößern und besser durch den Sand zu kommen. Nach einer kurzen Einweisung ging es dann los.
In versetzter Formation folgten wir dem Bus von Team GiGa hinein in die Wüste. Es war ein besonderes Gefühl: Die Landschaft öffnete sich, die Weite war toll und wir tauchten immer tiefer in dieses neue Terrain ein. Immer wieder wechselten sich feste Abschnitte mit weicheren Sandfeldern und kleineren Dünen ab. Das Fahren machte großen Spaß und weckte in manch einem das kleine Kind!
Kurzzeitig wurde die Fahrt unterbrochen, als sich Team DJ im Sand festfuhr. Sandbleche wurden ausgelegt, alle packten mit an und schon fanden die Reifen wieder Halt.
Am Abend erreichten wir schließlich unseren Übernachtungsort. Einen einfachen Zeltplatz mitten in der Wüste und gleichzeitig direkt an der Atlantikküste. Während Sheikh uns mit Tee versorgte, nutzten einige von uns die Gelegenheit für ein erfrischendes Bad im Meer.
Ein besonderer Moment folgte am Abend: Wir feierten den Geburtstag von Lukas und ein Abendessen in dem kleinen Restaurant vom Campingplatz mit leckerem Fisch schloss den Tag ab.
Mit vielen neuen Eindrücken und von der Fahrt erschöpft fielen wir schließlich ins Bett. Morgen wartet die nächste Etappe durch die Wüste auf uns.
Tag 16:
Der sechzehnte Tag begann sehr ruhig, da wir aufgrund des heißen Sandes erst Nachmittag durch die Wüste fahren konnten. Den Vormittag verbrachten wir entspannt am Strand. Wir genossen wir die Zeit mit Baden im Meer, Lesen und einfach mal Abschalten.
Erst am späten Nachmittag, gegen 17:30 Uhr, brachen wir wieder auf. Sheikh führte uns erneut durch die Wüste. Team DJ grub sich hier erneut im Sand ein. Routiniert wurden die Sandbleche ausgelegt und gemeinsam angepackt, sodass das Fahrzeug schnell wieder freikam. Nach einiger Fahrt erreichten wir schließlich eine beeindruckende Düne, die scheinbar aus dem Nichts vor uns auftauchte.
An unserem Ziel angekommen, schlugen wir unser Nachtquartier auf. Sheikh übernachtete in seinem Zelt, während wir, wie gewohnt, in unseren Fahrzeuge nächtigten.
Die Düne selbst war gewaltig. Feinster Sand, der sich hoch auftürmte und eine beeindruckende Kulisse bot. Natürlich ließ es sich kaum jemand nehmen, sie zu erklimmen. Oben angekommen wurden wir mit einer großartigen Aussicht belohnt. Zahlreiche Fotos durften dabei natürlich nicht fehlen.
Zurück im Lager servierte uns Sheikh wieder seinen traditionellen Tee, während wir begannen, unser Abendessen zuzubereiten. Den Sonnenuntergang konnten wir parallel genießen. Der Himmel färbte sich in intensiven Rot- und Orangetönen, während die Sonne langsam am Horizont versank. Noch lange blieb ein warmes Leuchten am Himmel, bevor schließlich die Dunkelheit einsetzte.
Nach und nach traten die Sterne hervor. Neben dem hellen Mond, der kurz vor Vollmond stand, wirkten sie zwar etwas blasser, doch die Szenerie blieb beeindruckend. Einige von uns schmiedeten bereits Pläne, gegen 4 Uhr morgens noch einmal aufzustehen. Dann sollte der Mond untergegangen sein und der Sternenhimmel in seiner ganzen Klarheit sichtbar werden.
Tag 17:
Dominik Starke: Nach dem Frühstück begannen wir unsere Fahrzeuge für die Weiterfahrt vorzubereiten. Noch bevor wir aufbrachen, entdeckte Sheikh eine Spur im Sand: Sie stammte von einer giftigen Schlange (ein afrikanischen Hornviper) die in der Nacht unser Camp durchquert hatte. Ein durchaus mulmiges Gefühl im Nachhinein.
Anschließend brachen wir auf, und Sheikh geleitete uns zurück zum Startpunkt der Wüstenetappe. Dort angekommen, kümmerte sich Cheese darum, den Reifendruck wieder auf Straßenniveau zu bringen. Währenddessen nutzten wir die Gelegenheit, uns von Sheikh zu verabschieden und ihm sowie einigen Kindern ein paar Geschenke zu überreichen. Kuscheltiere, Kugelschreiber und Buntstifte sorgten für große Freude, und für Sheikh selbst gab es unter anderem Turnschuhe sowie einen Schlafsack, den er bereits in der Nacht zuvor von Erik bekommen hatte. Die geschenkten Bonbons wurden auch direkt probiert. Leider landeten die Verpackungen direkt danach auf dem Boden. Ein kleiner Moment, der die bestehenden Probleme vor Ort sichtbar machte.
Schließlich machten uns auf den Weg in Richtung Nouakchott. Er gab uns noch die Nummer eines Freundes, der uns durch die Stadt führen und bei der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz helfen sollte.
Doch schon bald erreichte uns eine Nachricht über Funk: Team GiGa hatte sich an einem scharfkantigen Schlagloch einen Platten eingefangen. Trotz der drückenden Hitze machten sich Cheese und Co. sofort an die Arbeit. Nach einiger Zeit war der Reifen gewechselt, und erleichtert konnten wir die Fahrt fortsetzen.
Die Strecke zog sich durch einzelne Dörfer mit einfachen Zelten und notdürftige Behausungen. In einem kleinen Ort sahen wir viele Eselskarren, alte und beschädigte Fahrzeuge sowie große Müllansammlungen.
Als wir schließlich Nouakchott erreichten, wirkte die Situation fast surreal. Plötzlich fuhren wir auf einer sechsspurigen Stadtautobahn, gesäumt von großen Straßenlaternen und neu angelegten Grünflächen. Am nächsten Kreisverkehr trafen wir den Freund von Sheikh, der uns durch ein Industriegebiet, um die Großstadt herum, aus der Stadt herausführte. Auch hier zeigte sich jedoch eine andere Seite: Fabriken, Schutt, Müllberge und ein unangenehmer Geruch prägten das Bild. Umso erleichterter waren wir, als wir die Stadt wieder hinter uns lassen konnten.
Am Abend fanden wir in einem kleinen Dorf, 70km vor der Grenze, einen Platz zum Übernachten. Am örtlichen Polizeiposten fragten wir um Erlaubnis, die wir auch schnell erhielten. Schon bald wurden wir von Kindern entdeckt, und wie so oft entstand spontan ein kleines Fußballspiel. Auch einige Dorfbewohner kamen dazu, und wir verteilten Stifte und Kuscheltiere. Mit der Zeit sprach sich unsere Anwesenheit im ganzen Dorf herum, sodass der Polizist eingreifen musste, um uns die Möglichkeit zum kohen geben musste.
Morgen steht eine herausfordernde Etappe an: Die Fahrt zur Grenze und hoffentlich die Einreise in den Senegal nach Saint-Louis.
Tag 18
Die Nacht auf dem Dorfplatz war erholsam, sodass wir gut in den Tag starten konnten.
Schon bald machten wir uns auf den Weg in Richtung mauretanische Grenze. Ein Teil der Strecke führte durch ein Naturschutzgebiet und verlangte uns fahrerisch einiges ab. Auf einem schmalen Damm zog sich eine Schotterpiste mit tiefen Schlaglöchern durch eine Mischung aus Steppe und sumpfigem Gelände. Die Strecke war anspruchsvoll, aber gleichzeitig auch ein echtes Erlebnis: Immer wieder entdeckten wir Tiere am Wegesrand: Warzenschweine, bunte Vögel, einen großen Leguan sowie Rinder, Affen und Esel.
Die Fahrt zog sich jedoch in die Länge. Das ständige Ausweichen und Umfahren der Spurrillen war auf Dauer anstrengend und forderte volle Konzentration. trotzdem blieb dieser Abschnitt als besonderes Highlight in Erinnerung.
Nachdem wir den Damm hinter uns gelassen hatten, erreichten wir schließlich die Grenzregion von Mauretanien. Dort begann erneut der bekannte Ablauf aus Polizei, Zoll und Versicherungsformalitäten. Nach etwa 1 Stunde und 20 Minuten hatten wir die Ausreise aus Mauretanien geschafft. Doch nur wenige Meter weiter begann das gleiche Prozedere erneut: die Einreise in den Senegal. Diese nahm rund dreieinhalb Stunden in Anspruch.
Insgesamt verbrachten wir etwa fünf Stunden an der Grenze, bevor wir unsere Fahrt in Richtung Saint-Louis fortsetzen konnten.
Die anschließende Strecke war dafür umso lebendiger: Überall herrschte reges Treiben. Menschen säumten die Straßen, kleine Stände boten frisches Obst an, Handwerker arbeiteten direkt vor ihren Werkstätten und extre viele Menschen spielten Fußball oder waren sportlich aktiv. Eine bunte, lebendige Szenerie, die einen starken Kontrast zu den vorherigen Tagen bildete.
Kurz vor unserem Ziel gab es noch ein kleines Dilemma: Team GiGa blieb mit einem Fahrzeug stecken. Doch auch dieses Problem konnte schnell gelöst werden, sodass wir wenig später unseren Campingplatz erreichten.
Der Platz war wunderschön gelegen und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Bevor wir unsere Stellplätze bezogen, gönnten wir uns erst einmal ein wohlverdientes Bier in der ZebraBar. Anschließend ließen wir den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant ausklingen.
Morgen steht ein Ruhetag an. Eine willkommene Gelegenheit, neue Energie zu tanken.
Tag 19:
Ruhetage Saint Louis
Kurzfristig entschieden wir nicht nur den heutigen, sondern auch den morgigen Tag als Ruhetag auf dem Campingplatz und der Zebra Bar zu verbringen. So kümmerten wir uns um Wäsche, entspannten auf dem gemütlichen Gelände oder gingen an den Strand.
Gegen Abend brachen wir mit zwei abenteuerlichen Taxis nach Saint Louis auf, um neben der Erkundung der Stadt auch ein Abendessen zu finden. Dazu teilten wir uns auf und hatten eine schöne Zeit.
Morgen gibt es nochmals eine Pause und dann geht es mit frischem Wind auf die Zielgerade!
Tag 21:
Der Tag begann früh am Campingplatz der ZebraBar in Saint-Louis. Unser Ziel: Farafenni und somit die Einreise nach Gambia.
Bevor es richtig losgehen konnte, wartete jedoch noch eine kleine Herausforderung: Das Fahrzeug von Team DJ musste zunächst aus dem Sand befreit werden, nachdem sie sich bei Ankunft einen besonders sandigen Stellplatz ausgesucht hatten. Mit vereinten Kräften war das Problem aber schnell gelöst.
Kurz nachdem wir wieder ein paar Kilometer rollten, stand ein Tankstopp an, um ausreichend Diesel für die bevorstehende Grenzüberquerung zu haben. Gut versorgt setzten wir unsere Fahrt fort. Immer wieder passierten wir kleine Dörfer und Städte, die bereits am frühen Morgen von lebendigem Treiben erfüllt waren. Unterwegs hielten wir an, kauften frisches Brot und Obst und fanden wenig später einen schattigen Platz am Straßenrand, wo wir gemeinsam unter Bäumen frühstückten.
Der Verkehr nahm von nun an deutlich zu. Wir befanden uns offenbar auf einer wichtigen Verkehrsachse, auf der sich zahlreiche Lastwagen und Busse durch die Landschaft bewegten. Gleichzeitig stieg die Temperatur auf 44 °C, was das Fahren zunehmend anstrengend machte. Der Fahrwind ähnelte einem Föhn, der einem Mitten ins Gesicht pustete.
Schließlich erreichten wir die Grenze zu Gambia. Nach etwa zwei Stunden hatten wir alle bürokratischen Hürden überwunden und es war soweit: Wir hatten unser Zielland Gambia erreicht.
Auf gambischer Seite wurden wir herzlich empfangen: Fax, ein Mitarbeiter der Klinik, sowie Alexander, ein ehrenamtlicher Zahnarzt aus Deutschland, erwarteten uns bereits. Sie hatten im Vorfeld vieles organisiert, uns beim Zoll unterstützt und sich um eine Übernachtungsmöglichkeit in Farafenni gekümmert.
Erleichtert und glücklich über die erfolgreiche Ankunft ließen wir den Tag auf dem Stellplatz (ein Innenhof eines Hotels) ruhig ausklingen. Gemeinsam kochten wir noch eine Kleinigkeit und freuten uns pber Gespräche mit den beiden neuen in der Runde.
Morgen geht es weiter nach Serekunda, wo wir in der Klinik empfangen werden. Schon jetzt ist die Vorfreude riesig und sorgt für Gänsehaut.
Tag 22:
Nach einem gemeinsamen Frühstück starteten wir um 8 Uhr in Farafenni. Fax fuhr voraus und führte uns sicher über die Brücke des Gambia River. Immer wieder wurden wir von Polizeikontrollen unterbrochen, kamen aber dennoch gut voran und passierten zahlreiche kleine, charmante Dörfer.
Je näher wir dem Stadtgebiet kamen, desto mehr veränderte sich das Bild. Wir staunten über eine relativ neue Autobahn, moderne Bürogebäude und viele Neubauten. Gleichzeitig herrschte auf den Straßen ein lebendiges Chaos: Tuk-Tuks, hupende Taxis, Eselskarren und alte, klapprige Kleinbusse bestimmten das Verkehrsbild.
Schließlich verließen wir die größeren Straßen und wir bogen auf einen sandigen Nebenweg ab. Wir hatten unser Ziel erreicht: Die ASB Health Clinic in Serekunda.
Vor der Klinik wurden wir bereits erwartet. Mitarbeitende und Kinder standen bereit, jubelten uns zu, trommelten und tanzten. Ein überwältigender Empfang! Während wir ausstiegen und die ersten Eindrücke auf uns wirken ließen, traute sich der eine oder andere ebenfalls auf Fernstraße zu tanzen. Es folgten herzliche Umarmungen und erste Berichte über das Erlebte wurden ausgetauscht.
Sichtlich bewegt und glücklich über die erfolgreiche Ankunft kamen wir anschließend bei Gudrun und Judy zusammen. Bei einer kleinen Stärkung besprachen wir die kommenden Tage, denn die Check-Übergabe sowie das Ausladen der Sachspenden stehen noch aus.
Danach fuhren wir zu unserer Unterkunft und ließen den Abend ruhig und zufrieden ausklingen.
Wir sind angekommen! Unser Ziel ist erreicht. Hinter uns liegt eine beeindruckende, aufregende und abenteuerliche Reise, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Besonders überwältigt sind wir von der Neugierde an unserer Reise, der Unterstützung von allen Seiten und der hohen Spendenbereitschaft.
Einfach Wahnsinn, was man gemeinsam bewegen kann!
In den folgenden Tagen werden wir bei Gelegenheit noch ein paar Updates über die Entwicklungen mit Euch teilen. Tägliche Berichte wird es aber nicht mehr geben.
Abschluss:
Nach unserer Ankunft am Samstag gönnten wir uns am Sonntag zunächst einen Ruhetag. Da hier ebenfalls Ostern gefeiert wird, haben die Leute hier eh Feiertage. Da aufgrund dieser Tatsache auch weniger Betrieb in der Klinik ist, fuhren wir heute Morgen zur Klinik, um unsere Autos zu entladen. Gudrun und Judy gaben uns aber erst eine Führung durch das Krankenhaus und gab viele Einblicke in die Entstehungsgeschichte. Es wurde noch einmal sehr deutlich, wie wichtig unsere Spenden und die Unterstützung durch Vereine wie Drive to help e.V. sind.
Trotz des Feiertags waren heute einige Krankenschwestern und Mitarbeiter gekommen und gemeinsam begannen wir die Autos zu entladen. Die Klinik hat hierfür im Nachbarhaus einen Lagerraum angemietet. Hier werden die Dinge dann in den kommenden Woche sortiert und bis zu ihrer Verwendung verräumt.
Auch wurde der Spendenscheck in Höhe von 50.000€ + 4 Fahrzeuge an finanziellen Spenden übergeben. Diese enorme Summe ist für die Aufrechterhaltung der Tätigkeiten der Klinik entscheidend.
Nochmals herzlichen Dank an alle Spender/innen!
Nach getaner Arbeit saßen wir mit einem kühlen Wasser und Schawarma im Schatten des Wellblechdach und tauschten uns mit dem Klinikpersonal aus. Nun werden die nächsten Tage die Autos noch zurückgebaut, damit diese in bestmöglichen Zustand an die Klinik übergeben werden können.
Touchdown in Frankfurter
Wir sind zurück in Deutschland und haben den Flugmarathon hinter uns. Zu ungewöhnlicher Zeit um 02:30 Uhr sind wir in Banjul gestartet. Mit etwas Verspätung haben wir dann Casablanca erreicht und
mussten dort knapp 5 1/2 h bis zu unserem zweiten Flug nach Frankfurt überbrücken. Das hat bei Croissant und Café ganz gut geklappt.
Dann ging es auf die zweite Etappe und wir konnten um kurz nach 17 Uhr wieder deutschen Boden betreten. Mit dem Transfer ging es dann zu P36, wo wir nicht nur vom Rother Bus und dem Fahrer Thomas
nett empfangen wurden, sondern sogar Ingrid uns freudestrahlend begrüßte! Damit hatte keiner gerechnet und hat uns sehr gefreut
Noch besser wurde es dann im Bus: Kühle Getränke und selbstgebackene Apfeltaschen und Blaubeer-Muffins von Ingrid! So lässt es sich die letzten Kilometer bis in die Heimat fahren.
Ein großes und erfolgreiches Abenteuer, dass allen noch lange im Gedächtnis bleiben wird!
